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Wennigsen So reagiert Wennigsen auf die Südlink-Entscheidung von Tennet
Umland Wennigsen So reagiert Wennigsen auf die Südlink-Entscheidung von Tennet
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16:52 21.02.2019
Durch solche Rohre werden die Kabel für den Südlink verlegt. Quelle: dpa
Wennigsen

Die Entscheidung über den Verlauf der Südlink-Trasse ist gefallen. Der Netzbetreiber Tennet hat bekannt gegeben, dass er der Bundesnetzagentur den Verlauf quer durchs Calenberger Land als Vorzugstrasse empfehlen wird. Das bedeutet, dass die neue Höchstspannungsleitung Südlink, die Windstrom vom Norden in den Süden Deutschlands liefern soll, auch durch Wennigsen, Gehrden und Ronnenberg führen wird.

Christoph Meineke: „Entscheidung nicht nachvollziehbar“

Wennigsens Bürgermeister Christoph Meineke ist am Donnerstag von der Entscheidung des Netzbetreibers Tennet für eine Trasse im Westen der Region Hannover überrascht worden. Nachvollziehen kann er sie nicht: “Die Strecke im Osten wäre deutlich besser geeignet gewesen, weil sie durch weniger stark besiedeltes Gebiet geführt hätte”, sagte er in einer ersten Stellungnahme.

Es sei nun genau das eingetreten, was von Verwaltung, Politik, Landwirten und Bürgerinitiativen aus Wennigsen seit Jahren kritisch angemerkt worden ist. Es drohe eine entscheidende Minderung der Landschaftsqualität durch den Bau der unterirdischen Stromtrasse. „Als Kommune, die von Naherholung lebt, verlieren wir einen Teil unserer wichtigsten Ressource”, sagt Meineke. “Das ist frustrierend.”

Hoffnung, dass Tennet die Entscheidung noch mal überdenkt, hat Meineke kaum. “Wir werden das ganz große Rad nicht mehr zurückdrehen können”, befürchtet der Bürgermeister. Positiv erwähnt Meineke immerhin den erfolgreichen Einsatz der Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch (SPD) und Maria Flachsbarth (CDU) für eine Erdverkabelung. “Wenn wir heute über eine Leitung über der Erde reden würden, wäre die Diskussion noch viel drastischer.”

Landwirte wollen sich wehren

„Das werden wir nicht einfach hinnehmen“, sagt der Bredenbecker Landwirt Eckhard Seemann. Das Stromkabel soll quer durch seine Äcker in Bredenbeck verlaufen – mit für ihn fatale Folgen: „Ein Drittel meiner Betriebsfläche wird berührt“, sagt er und ergänzt: „Auf diesen Flächen wird der Ertrag halbiert.“ Welche Auswirkungen die dicken 320.000-Volt-Kabel, die rund 55 Grad heiß werden könne, auf den Boden genau haben, das ist noch unklar. „Aber man sieht schon bei anderen Leitungen, die keine Temperaturveränderung mit sich bringen, dass der Boden noch nach 20 Jahren geschädigt ist“, sagt Seemann und betont: „Wir haben hier den fruchtbarsten Boden der Welt, und der wird sorglos für den Energietransport zerstört.“ Er sieht in der Trasse einen untragbaren Eingriff in den Naturhaushalt und fordert stattdessen, dass man sich endlich Gedanken darüber machen sollte, ob man weiterhin so verschwenderisch mit Energie umgehen will.

 „Die Böden hier sind – bis auf die oberen 30 Zentimeter – seit Jahrhunderten unberührt“, sagt er. Sie seien bis zu zwei Metern durchwurzelt und nur dadurch könnten trockene Jahre ausgeglichen werden. „Dieser Ausgleich wird mit den Kabeln nicht mehr möglich sein“, befürchtet er und ist sauer, dass so mit den Ressourcen umgegangen wird: „Unsere Selbstversorgung in Deutschland fahren wir mit dem Südlink gegen die Wand.“

Interaktive Karte: Das ist der geplante Verlauf der Trasse

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Nimmt die Bürgerinitiative ihre Arbeit wieder auf?

Sehr überrascht von der Entscheidung zeigte sich auch Jan-Eric Bothe von der Bürgerinitiative Calenberger Land gegen Südlink, deren Arbeit in der Vergangenheit eher zum Ruhen gekommen war. „Wir waren ja primär gegen die Megamasten. Und da alle Studien eigentlich gezeigt haben, dass die Trasse östlich von Hannover entlangführen sollte, war unser Widerstand etwas eingeschlafen“, sagt das BI-Gründungsmitglied. Noch am Donnerstagabend wolle sich der harte Kern der BI treffen, um über das weitere Vorgehen nach dieser unvorhergesehenen Entscheidung zu beraten.

Landvolk: Bevölkerung wurde nicht richtig aufgeklärt

Hanns Christian Seeßelberg-Buresch, stellvertretender Vorsitzender des Landvolks Hannover, kritisiert die verantwortlichen Politiker. „Wir fühlen uns von der Politik allein gelassen“, sagt der Landwirt aus Everloh und verspricht: „Das Landvolk wird auf die Entscheidung reagieren, wir lassen das nicht auf uns sitzen.“ Immer wieder habe das Landvolk auf die Sorgen und Nöte der Landwirte hingewiesen, aber sie seien von der Politik nicht ernst genommen worden. „Die Bevölkerung wurde nicht richtig über die Folgen der Erdleitungen aufgeklärt“, sagt er. Denn für ihn steht fest: Die Leitung in der Erde habe negative Auswirkungen für die Landwirtschaft.

„Der Verbraucher muss aufwachen: So einfach und problemlos ist das mit dem Vergraben der Kabel nicht“, sagt er und ergänzt: „Ein gewachsener Boden wird aufgelockert – mit Folgeschäden.“ Es werde Probleme bei der Ernte der Felder geben. Und er ist ehrlich: „Mir wäre eine Oberleitung lieber.“ Denn wenn man die Energiewende will und auch weiterhin in einer Wohlstandsgesellschaft leben möchte, dann müsse man auch dazu stehen. „Wieso bekennen wir uns nicht durch die Masten zu unserem Wohlstand?“, fragt er. Denn der Strom, den wir täglich benutzen, müsse auch transportiert werden.

Durch die Rohre unter den Äckern werde im Gegensatz zu den Oberleitungen der Boden erwärmt und der Wasserhaushalt beeinträchtigt. „Früchte, egal welche, werden über den Leitungen nicht gut wachsen – wir werden viel Ausschuss aussortieren müssen“, ist sich Seeßelberg-Buresch sicher. Und: Das Pflanzen von Tiefwurzlern wie Zuckerrüben und Raps ist nicht erlaubt. Die angekündigte einmalige Entschädigung für Landwirte könne die negativen Folgen des Eingriffs nicht ausgleichen. „Wir fordern daher Gespräche, um ein gemeinsames Ergebnis zu finden“, sagt er. Sein Wunsch: Wiederkehrende Entschädigungszahlungen die sich nach der Höhe der verursachten Schäden richten.

Von Gerko Naumann und Lisa Malecha

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