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Wennigsen Familie erhält nach Petition Bleiberecht
Umland Wennigsen Familie erhält nach Petition Bleiberecht
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15:45 14.09.2018
Merem Demirova (links) und Bettina Borchert zeigen vor dem Gehrdener Altenpflegeheim die Bescheinigung der Ausländerbehörde. Quelle: Ingo Rodriguez
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Wennigsen/Gehrden

Die 35-jährige Merem Demirova strahlt. Dann nimmt sie die Wennigserin Bettina Borchert herzlich in den Arm und drückt sie fest an sich. „Ich finde keine Worte dafür, wie glücklich und dankbar ich bin“, sagt Demirova erleichtert. Ihre Tochter habe vor Freude geweint, als sie die Nachricht erhalten habe, sagt die vor drei Jahren mit ihren beiden Kindern aus Mazedonien geflohene Frau. Der Grund für ihre Freude: Die kleine Familie darf entgegen bisheriger behördlicher Mitteilungen nun doch noch mit ihren Kindern in Deutschland bleiben. Die seit drei Jahren sehr gut integrierten Demirovas können nun weiterhin in Wennigsen wohnen, die Kinder können dort weiter mit ihren Freunden die Grundschule besuchen und die 35-jährige Mutter darf im Altenpflegeheim Haus Gehrden eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin beginnen. Das Innenministerium hat nach einer Petition mit mehreren Hundert Unterschriften eingelenkt: Demirova wird nicht abgeschoben und muss nicht am 20. November zurück in ihre Heimat reisen – dorthin, wo sie als Roma von ihrem Mann verfolgt und mit dem Tod bedroht wird, wo ihr Ausgrenzung und Armut drohen. Anstatt dessen hat Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius seine bisherige Entscheidung korrigiert und der Familie Bleiberecht erteilt, wenn Demirova wie geplant eine Ausbildung beginnt.

Erfolgreiche Petition

Zu verdanken ist dies auch der Wennigserin Bettina Borchert. Ihre Tochter ist eine Klassenkameradin von Demiorvas zehnjähriger Tochter Djanan. Das Mädchen aus Mazedonien besucht dort bereits die vierte Klasse und spricht sehr gut Deutsch. Die Schulleitung bescheinigt ihr eine gute Lernentwicklung. Auch ihr Bruder, der sechsjährige Shukri, wurde gerade in Wennigsen eingeschult. Borchert wollte es nicht hinnehmen, dass die Demirovas trotz akuter Gefährdung in Mazedonien und trotz positiver Bleiberechts-Entscheidung der Härtefallkommission auf Anweisung des Innenministers in das als sicheres Herkunftsland eingestufte Mazedonien zurück müssen. Vor wenigen Tagen hatte sie deshalb im Internet eine Petition an Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius gestartet, damit Demirova mit ihren Kindern eine weitere Aufenthaltsgenehmigung erhält. „Innerhalb von drei Tagen haben rund 570 Menschen die Petition unterschrieben“, berichtet Borchert. Sie hatte diese Petition in einem Brief an den Innenminister geschickt – ebenso wie eine Mappe mit gemalten Bildern von Djanans Klassenkameraden und einem Schreiben der Schule.

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Am Donnerstag dann die Überraschung: „Ich wurde von der Härtefallkommission angerufen und von der positiven Entscheidung des Ministeriums sowie einer Anordnung der Ausländerbehörde von der Region Hannover unterrichtet“, sagt die Ratsfrau, Integrationslotsin und Rechtsanwältin Christina Müller-Matysiak. Sie betreut die Familie Demirova juristisch. „Die Familie darf bleiben, wenn die Mutter eine Ausbildung beginnen kann“, sagt Müller-Matysiak. Ein weiteres behördliches Zugeständnis angesichts fortgeschrittener Integration: Abweichend vom geltenden Aufenthaltsgesetz wird während der Ausbildung von der vollständigen Lebensunterhaltssicherung abgesehen.

Ausbilder zeigen sich kulant

Trotz der Bescheinigung wurde es dann noch einmal hektisch. Denn: Demirova hätte ihre Ausbildung schon am 1. September beginnen sollen. Bis zum Donnerstag lag dafür jedoch keine Genehmigung vor. Doch auch in der Senioreneinrichtung Haus Gehrden zeigten sich die Verantwortlichen angesichts der Entwicklung kulant. „Sollte die Berufsschule wegen des verzögerten Beginns der Ausbildung Probleme machen, erhält Demirova im Haus Gehrden erst eine Arbeitsstelle und kann zum nächstmöglichen Termin ihre Ausbildungsstelle dort antreten“, sagt Müller-Matysiak.

Christina Müller-Matysiak (links) und Eva Rudolph (rechts) freuen sich, dass Merem Demirova mit ihren Kindern Shukri (6) und Djanan (10) doch noch in Deutschland bleiben darf. Quelle: Ingo Rodriguez

Von Ingo Rodriguez