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Wennigsen Warum auf dem Dachboden des Holtenser Kindergartens ein Gespenst namens Hugo lebt
Umland Wennigsen

Wennigsen: Gespenst auf dem Dachboden: Warum im Holtenser Kindergarten ein Gespenst namens Hugo lebt

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14:37 26.12.2019
Auf dem Dachboden des Kindergartens Nimmerland in Holtensen wohnt das Gespenst Hugo. Kinder dürfen sein Zuhause nicht betreten, können ihm aber Bilder malen. Quelle: Stephan Hartung
Holtensen

Das Weihnachtsfest ist fast vorbei – und damit für viele Kinder auch die Frage, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt oder nicht. Im Kindergarten Nimmerland in Holtensen gibt es dagegen eine imaginäre Figur, die für die Kinder das ganze Jahr über ein Thema ist – und auch ein kleiner Freund: Hugo. Ein guter Geist des Hauses sozusagen.

Kinder dürfen Hugos Reich nicht betreten

Hugo ist ein Gespenst und lebt auf dem Dachboden. Er ist sehr scheu, nur nachts aktiv und möchte tagsüber seine Ruhe haben – das mitunter laute Treiben der 43 Kinder im Erdgeschoss ist nicht seine Sache. Das Betreten des nicht gesicherten Obergeschosses im alten Kindergarten-Gebäude ist den Kindern untersagt, weil sie sich dort verletzen könnten – da passt es aus pädagogischer Sicht perfekt, das Verbot mit dem geschützten Heimbereich von Hugo zu verbinden.

Geschichte beginnt mit Spuren auf dem Sofa

Alles begann vor rund eineinhalb Jahren. „Wir haben den Bezug eines Sofas abgezogen. Die Kinder haben sich gewundert, dass darauf die Abdrücke von drei Füßen zu sehen waren“, berichtet Nimmerland-Leiterin Sandra Pyka. Auf die Nachfrage der Kinder, wer denn drei Füße habe, antwortete eine Erzieherin spontan, dass es sich dabei um das Gespenst Hugo handele, das im Kindergarten lebe. Warum auch immer.

Die Kinder malen ein Bild für ihren kleinen Freund, das Gespenst Hugo. Quelle: Stephan Hartung

Eltern sind in Geheimnis eingeweiht

Hugo ist seitdem fester Bestandteil des Kindergartenalltags. Vor allem die Älteren unter den drei bis sechs Jahre alten Kindern interessieren sich für ihn. „Da hat sich eine Eigendynamik entwickelt. Die Kinder glauben an ihn, diesen Zauber wollen wir ihnen nicht nehmen – die Eltern haben wir aber informiert“, sagt Pyka. Hin und wieder erhält Hugo von den Kindern gemalte Bilder, sie stellen ihm Süßigkeiten auf die Treppe oder basteln ihm zu bestimmten Anlässen Geschenke. Denn natürlich hat auch ein Gespenst Geburtstag – passenderweise zu Halloween. Am 31. Oktober feierte Hugo seinen vierten Geburtstag.

Am 31. Oktober feiert Hugo Geburtstag – mit Konfetti

Und weil der 31. Oktober ein Feiertag ist, war im Kindergarten ein Ruhetag. Nicht aber für Hugo. „Er hat eine Party gefeiert. Am nächsten Tag war überall Konfetti im Kindergarten“, erzählt Joris. Was die Kinder nicht wissen: Um die Geschichten rund um Hugo am Leben zu halten, sorgen die Erzieherinnen mit Absicht für etwas Unordnung, wenn sich Hugo Freunde einlädt.

Erzieherinnen übermitteln Nachrichten vom Gespenst

Sie nehmen auch die Bilder und Süßigkeiten an sich, die angeblich von Hugo in der Nacht von der Treppe geholt werden. Außerdem verstehen die Erzieherinnen, und nur diese, die Sprache von Hugo – und können den Kindern Informationen überbringen, umgekehrt aber auch Nachrichten der kleinen Nimmerländer ausrichten.

Hugo fährt gerne ins Rasti-Land

Einmal ging es jedoch im alltäglichen Stress der Kinderbetreuung unter, die an Hugo geschriebenen Briefe einzusammeln. Zwei Wochen lang antwortete Hugo nicht – die Kinder waren erbost: Gibt es Hugo vielleicht doch nicht? Mit leichter Verspätung flatterte dann doch ein Brief von Hugo ins Haus. Er entschuldigte sich vielmals, er sei im Urlaub im Rasti-Land zu Besuch bei seinem Freund Gustav gewesen. Dazu muss man wissen: Die Nimmerland-Erzieher fahren mit den Kindern einmal pro Jahr ins Rasti-Land, zur dortigen Geisterbahn gehört ein Maskottchen namens Gustav.

Die Wut auf Hugo war vergessen. „Wir sind ins Rasti-Land gefahren und haben Gustav gesagt, dass er Hugo von uns grüßen soll“, sagt Marlene.

Marlene (5) malt ein Bild für Hugo. Quelle: Stephan Hartung

Hugo braucht eine Freundin

Vielleicht kann Hugo in Zukunft in Begleitung in den Urlaub fahren. Er ist zwar erst vier Jahre alt, die Kinder machen sich aber bereits Gedanken über eine Freundin. „Bilder mit einer Hugoline wurden bereits gezeichnet“, berichtet Pyka und lacht.

Ein bisschen Skepsis zeigt der kleine Joris dann doch, ob es Hugo wirklich gibt. „Er ist ja nur ein Geist.“ Dass der Mann von der Zeitung da ist und dass er einen Fotoapparat mitgebracht hat, macht Joris dann aber stutzig. „Hmm, vielleicht doch, er ist wohl berühmt.“ Jayden hat dagegen überhaupt keine Zweifel. „Ich glaube an Hugo!“, sagt der Fünfjährige, während er Süßigkeiten in eine Schale füllt. „Sind für Hugo, die mag er gern.“ Es wäre ja auch schade, wenn der Spuk im Kindergarten Nimmerland eines Tages vorbei ist.

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Von Stephan Hartung

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