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Wennigsen Steine mit Geschichte: Philosophin bietet erste kulturhistorische Führung über den Friedhof
Umland Wennigsen

Wennigsen: Heidrun Ahrens bietet kulturhistorische Führungen über den Friedhof an

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12:00 13.06.2019
Heidrun Ahrens führt die interessierten Besucher über den Friedhof. Quelle: Lisa Malecha
Wennigsen

„Warum stehen Steine auf den Gräbern, und warum stehen sie meistens aufrecht?“, „Welche Bedeutung haben die Symbole auf den Grabsteinen?“ und „Kann man die Steine beschriften lassen, wie man will?“ Um diese und viele weitere Fragen ging es bei der ersten kulturhistorischen Führung über den Wennigser Friedhof im März – nun folgt die zweite Führung am 22. Juni. Angeboten hatte die Tour Pädagogin und Philosophin Heidrun Ahrens, die sich auch mit der Geschichte des Friedhofs beschäftigt hat. Zahlreiche Besucher waren zu der Premiere gekommen.

Heidrun Ahrens hat interessierte Besucher über den Friedhof Wennigsen geführt.

Bis 1822 sind die Wennigser unmittelbar südlich der Klosterkirche beigesetzt worden. Doch irgendwann reichte der Platz an der Kirche nicht mehr aus, der heutige Friedhof entstand. Das war Anfang des 19. Jahrhunderts. Seit 1822 wurde der Friedhof fünfmal erweitert. Er ist als Ensemble denkmalgeschützt.

Ist Friedhof Schauplatz von Altenmorden?

Es ging aber auch um ein unangenehmes Kapitel der Wennigser Geschichte: Nachforschungen der Leibniz-Universität Hannover haben allerdings ergeben, dass das Kloster im Nationalsozialismus womöglich Schauplatz grässlicher Altenmorde gewesen ist. Konkret geht es um den Tod von sechs Männern und acht Frauen im Alter zwischen 54 bis 84 Jahren, die nach Einträgen im Friedhofsbuch am 9. April 1945 auf dem Wennigser Friedhof beigesetzt wurden. Eine Erinnerung an die Gräber gibt es nicht. Heute ist dort, wo die Menschen verscharrt worden, lediglich eine Wiese. „Die Menschen sollen gezielt nach Wennigsen gebracht worden sein, um hier umgebracht zu werden“, sagt Ahrens. Nun würde daran gearbeitet, diese Verbrechen aufzuarbeiten.

Neben der Geschichte des Friedhofs ging es Ahrens vor allem darum, warum der Friedhof und die Gräber so gestaltet sind, wie sie es sind. So berichtet sie, dass Grabsteine in der Regel stehen, um die Auferstehung zu symbolisieren. Liegende Steine seien meist in Form eines Buches gestaltet und symbolisieren die Bibel.

Was bedeuten die Symbole auf den Grabsteinen

Auch die Symbolik der Gestaltung wurde erklärt. Ähren und Trauben sind Symbole für Brot und Wein. Beim Abendmahl bezeichnete Jesus Christus diese als seinen Leib und sein Blut. Sie symbolisieren die enge Verbindung zwischen Christus und den Gläubigen und stünden unter anderem für die Ewigkeit. Anker sind ein Bild der Hoffnung und der Zuversicht, Bäume sind Zeichen des Friedens, Segens, der Auferstehung und der Unsterblichkeit. Das Lamm als Opfertier symbolisiert die Kraft des Opfertodes Jesu und dessen Auferstehung. Es steht also für den Sohn Gottes als Erlöser und Versöhner. Die Rose ist das Zeichen der Mutter Maria und steht für ewige Liebe, Schönheit und Reinheit. Ihre Dornen symbolisieren aber auch das Leiden und den Schmerz.

Eine zweite Führung von Ahrens am Sonnabend, 22. Juni, hat dann das Schwerpunktthema „Friedhofspflanzen und ihre Farbsymbolik“. Beginn ist um 15 Uhr. Treffpunkt ist am Haupteingang des Friedhofs. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Von Lisa Malecha

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