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Wennigsen Deutschsprachige Flüchtlingskinder lernen arabische Schrift
Umland Wennigsen

Wennigsen: Integrierte Flüchtlingskinder lernen arabische Schrift

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00:17 28.06.2019
Der 28-jährige Adib Aljasem (links) und Maria Mascia (rechts) vom Integrationshilfeverein Miteinander präsentieren mit den Kindern aus Flüchtlingsfamilien Schilder ihrer Vornamen in der jeweiligen Muttersprache. Quelle: Ingo Rodriguez
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Wennigsen

Sie sprechen gut oder sogar perfekt Deutsch, sind inzwischen bestens in der Gesellschaft integriert – aber das Alphabet ihrer Muttersprache und die Schriftform haben sie nie gelernt oder wieder nahezu komplett verlernt: In Wennigsen wollen viele deutschsprachige Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien auch die arabischen Buchstaben kennenlernen oder ihre Grundkenntnisse vertiefen, um später auch in ihrer Muttersprache lesen und schreiben zu können. Der Integrationshilfeverein Miteinander macht das seit Januar möglich. „Wir haben mit unserem Arabischkurs sogar bei einem Ideenwettbewerb gewonnen und aus dem Integrationsfonds der Region Hannover 3600 Euro Fördergeld für die Anschaffung von Unterrichtsmaterial bekommen“, sagt Maria Mascia aus dem Vorstand von Miteinander.

Studierter Syrer leitet den Sprachkurs ehrenamtlich

Zu verdanken hat der Verein das Projekt vor allem dem 28-jährigen Syrer Adib Aljasem. Der studierte Tierarzt ist 2016 aus seiner Heimat geflüchtet und lebt seit mittlerweile einem Jahr in Wennigsen. Und der anerkannte Flüchtling hat ein Herz für Kinder: Er setzt das Sprachprojekt für den Verein ehrenamtlich um. Einmal pro Woche trifft er sich sonntags im Schulungsraum des Familienzentrums für eineinhalb Stunden mit etwa zehn deutschsprachigen Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien, um ihnen die arabische Schrift beizubringen. „Für mögliche Folgeprojekte gibt es schon eine Warteliste“, sagt Sozialpädagogin Mascia.

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Kursteilnehmer kannten die arabischen Buchstaben nicht

Die Projektbegleiterin hat Aljasem im Rahmen der integrationsfördernden Familienbegleitung kennengelernt. Er hat sich auf Nachfrage sofort bereiterklärt, die Kursleitung zu übernehmen, um den Kindern und Jugendlichen im Alter von neun bis 14 Jahren die arabische Schriftsprache näher zu bringen. „Keiner von ihnen kannte die arabischen Buchstaben, aber sie machen große Fortschritte“, sagt der junge Mann. Die zwölfjährige Lara kann das bestätigen. Sie ist in Deutschland geboren und zweisprachig aufgewachsen – aber ohne Kenntnis der Schriftzeichen ihrer Muttersprache. „Der Kurs bringt eine ganze Menge“, sagt sie. Im Alltag spreche ihre Mutter mit ihr Arabisch. „Ich antworte auf Deutsch“, erzählt Lara.

Ziel ist, sich mit Angehörigen in der Heimat schreiben zu können

Der 28-jährige Adib Aljasem (links) und Maria Mascia (rechts) vom Integrationshilfeverein Miteinander lehren und lernen die arabischen Buchstaben kennen. Quelle: Ingo Rodriguez

Die Eltern der Kursteilnehmer freuen sich über das Projekt. „Manche Elternteile können ja selbst nicht lesen und schreiben. Viele Kinder waren außerdem lange auf der Flucht und konnten deshalb das arabische Alphabet nicht in Schulen lernen“, sagt Projektbetreuerin Marcia. Durch den Kurs soll es den Kindern auch möglich gemacht werden, schriftlich mit Angehörigen in der Heimat zu kommunizieren – in Briefen, E-Mails oder Handynachrichten. „Wenn die Familien irgendwann in ihre Heimat zurückkehren wollen, müssen die Kinder auch die Schrift beherrschen“, sagt Marcia.

Die Kinder lernen schnell

Der Verein will beim Kursabschluss Ende Juli an die Kinder Urkunden und kleine Belohnungen für ihren Fleiß verteilen. Ein Kinderspiel ist das Lernen der arabischen Schrift nämlich nicht: 28 Buchstaben, jeweils in drei verschiedenen Formen, es wird von rechts nach links geschrieben. „Aber Kinder lernen ja schnell“, sagt Marcia und zeigt auf Namenschilder, die sie in ihrer Muttersprache beschriftet haben.

Mehr Infos zum Thema gibt es hier

Den Verein „Miteinander“ haben im vergangenen Jahr die Integrationshelfer der Welcome-Initiative gegründet. Die Mitglieder wollen Deutsche und Flüchtlinge zusammenbringen und Verständnis wecken.

Der Verein Miteinander hat sich die Integration von Flüchtlingen in Wennigsen zum Ziel gemacht. Dafür suchen die Ehrenamtlichen noch Helfer. Sie planen unter anderem Gemeinschaftsgärten und PC-Kurse.

Zu wenige Helfer und sich wandelnde Aufgaben: Die ehrenamtlichen Helfer von Miteinander Wennigsen stehen vor großen Problemen. Nun sollen Lösungen gefunden werden.

Von Ingo Rodriguez

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