Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wennigsen Neue Formen, neue Spielorte: Die junge Klosterbühne will experimentieren
Umland Wennigsen

Wennigsen: Neue Formen, neue Spielorte: Die junge Klosterbühne will experimentieren

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:04 19.08.2019
Das neue Stück „Auerhaus“ hat Tempo (von vorne): Nele Oetjens, Rosemarie von Strohe, Marieke Mollnau, Torbjörn Henke und Frederik Lutter. Quelle: Jennifer Krebs
Wennigsen

Die Wennigser Klosterbühne wird jugendlicher: Neun junge Leute gehören inzwischen zum Ensemble, alle sind unter 25. „Das ist richtig toll“, sagt Sprecherin Anja Fahrenbach. Die Idee, mit ihnen zusätzlich das „Auerhaus“ zu inszenieren, sei spontan entstanden, weil alle Zeit gehabt hätten, über den Sommer zu proben. Premiere ist am Freitag, 13. September.

Neue Formen, ungewöhnliche Orte, eigene Bearbeitungen entwickeln – „wir wollen uns ausprobieren“, sagt Regisseurin Noa Wessel, die jetzt seit zwei Jahren mit der Klosterbühne arbeitet. „Auerhaus“ ist ein bewegendes Theaterstück über Freundschaft, Zusammenhalt und das Leben. Es hat viel Tempo, aber auch nachdenkliche Momente.

Das neue Stück „Auerhaus“ spielt in der Klosterkirche: Levi Wessel (links) und Frederik Lutter bei der Probe. Quelle: Jennifer Krebs

„Ich wollte mich nicht umbringen, ich wollte nur nicht mehr leben.“ Frieder (Max Schulz-Helbach) fühlt sich erdrückt von seinem Elternhaus und dem täglichen Trott. Das löst eine Todessehnsucht bei ihm aus, und so versucht er sich mit Tabletten im Keller seiner Eltern zu töten. Doch sein Suizidversuch missglückt. Um ihn zu unterstützen und sein Leben zu retten, beschließen seine Freunde, mit ihm gemeinsam ins Auerhaus zu ziehen, das so heißt, weil die Nachbarn von dort ständig den Hit „Our House“ der britischen Band Madness hören, aber kein Wort Englisch verstehen – und in der schwäbischen Provinz wird dadurch aus „Our House“ das Auerhaus.

Es gibt auch Musik: Roman Pritsch (Trompete) und Levi Wessel (Keyboard). Quelle: Jennifer Krebs

Die Klosterbühe bringt den Erfolgsroman von Bov Bjerg in einer eigenen Fassung auf die Bühne. Auf die Bühne? „Stimmt nicht ganz“, sagt Wessel. „Wir bespielen die ganze Klosterkirche, und versetzen die Handlung von einem verfallenen Dorfhaus einfach dort hinein“.

Ungewöhnlich: Das Publikum wird im Altarraum sitzen

Das Publikum wird vorne im Altarraum sitzen – sicherlich ein ungewohnter Blick für die meisten, sagt Wessel. Auch für sie selbst ist es spannend, ein Theaterstück in einer Kirche zu inszenieren. „Wir werden viel mit Licht arbeiten, Blickachsen verstellen und dadurch Perspektiven verändern. Die Größe, die dieser Raum hat, ist einfach unheimlich toll.“

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Höppner (Thore Fahrenbach), Frieders bestem Freund. Das Erzähltheater ist eine für die Klosterbühne bisher neue Theaterform. Neu ist auch das Label Werkstatttheater innerhalb der Klosterbühne für die experimentelle Theaterarbeit. „Auerhaus“ ist die erste Werkstatttheater-Produktion. Für Regisseurin Wessel ist das neue Label die Konsequenz und der logische weitere Schritt einer spannenden Entwicklung.

Klosterbühne besteht seit 1983

Die Klosterbühne besteht seit 1983 als Gruppe der Kirchengemeinde. Gründer Burkhard Gums hatte die Klosterbühne 30 Jahre lang geleitet. 2013 zogen er und seine Frau sich zurück. 2014 und 2015 führte Susanne Theis die Regie. 2016 bei Ibsens „Nora“ war es Celine Irony Staigies und dann bei Brechts „Hans im Glück“ Ernst-Richard Köper. Regisseurin und Schauspielerin Noa Wessel aus Bredenbeck begleitet das Ensemble seit 2017 – und mit ihr traut sich die Klosterbühne mehr und mehr an neue Sachen heran.

Info: Premiere von „Auerhaus“ ist am 13. September. Weitere Weitere Aufführungen sind am 14. und 15. September und zwei Wochen später am 26., 27. und 28. September. Alle beginnen um 19.30 Uhr. Plätze können auch über die Internetseite der Klosterbühne reserviert werden.

Und noch einmal der „Gott des Gemetzels“

Es fängt ganz harmlos an mit einer Schulhof-Keilerei von zwei elfjährigen Jungs. Bruno wurde dabei ein Zahn ausgeschlagen. Also treffen sich die Eltern, zwei kultivierte Pariser Ehepaare, um ganz vernünftig über den Vorfall zu sprechen. Es fehlt nicht viel – und Véronique und Michel, Annette und Alain liegen sich in den Haaren.

Im Herbst wiederholt die Klosterbühne in der Kapelle auf dem Wennigser Friedhof noch einmal ihren „Gott des Gemetzels“. Die Aufführungstermine sind am 23., 24., 25. und 26. Oktober. Die Klosterbühne hat die bös-intelligente Komödie eigens für die Friedhofskapelle neu arrangiert. Es ist das erste Stück, mit dem das Amateurtheater die Kapelle auf dem Wennigser Friedhof bespielt.

Bettina Borchert und Yorck Heerhorst spielen das Ehepaar Véronique und Michel, Anja Fahrenbach und Peter Zanini sind das Ehepaar Annette und Alain. „Im Grunde genommen ist es nur ein Auffrischen. Aber auch das ist nicht zu unterschätzen. Man muss die Chemie wiederfinden. Und der Gott des Gemetzels ist ziemlich viel Text für jeden von uns“, sagt Fahrenbach.

Anders als im Original gibt es in der Klosterbühneninszenierung dann aber noch vier weitere Rollen. Die vier jungen Schauspieler – Nele Oetchens, Frederik Lutter, Lotta Wessel und Max Schulz-Helbach – mimen die inneren Stimmen. Weitestgehend sind sie ohne Text, aber man sieht, was sie denken.

Alle Vorstellungen beginnen zeitgleich mit dem Einlass gegen 19.20 Uhr. Plätze können unter der Telefonnummer (05103) 925192 und per E-Mail an info@kloster-bühne.de reserviert werden.

Morbid-witzig: Neues Hauptstück wird „Harold und Maude“

Und noch eine dritte Inszenierung: Neues Hauptstück der Klosterbühne im Klostersaal wird „Harold und Maude“, der morbid-witzige Kultfilm aus den Siebzigern, der an Tabus rüttelte und Klischees auf den Kopf stellt.

Worum es geht: Harold ist 18 Jahre alt, aus reichem Haus und depressiv. Die Aufmerksamkeit seiner Familie versucht er durch spektakuläre Selbstmordinszenierungen zu erringen. Um echte Emotionen zu erleben, schleicht er sich immer wieder auf fremde Beerdigungen. Dort lernt er die 79-jährige lebensfrohe und freche Maude kennen, deren Exzentrik ihn fasziniert. Harold verliebt sich in sie.

Über die Sommerferien war einige Wochen Pause bei den Proben, „auch hier werden wir jetzt aber langsam wieder loslegen“, sagt Anja Fahrenbach. Bei „Harold und Maude“ spielt das gesamte Ensemble mit – „das sind 19 Leute“, sagt Fahrenbach.

Premiere ist am 20. Februar 2020. Kartenreservierungen sind schon jetzt möglich.

Lesen Sie auch:

Klosterbühne feiert in Friedhofskapelle gelungene Premiere

Wer kennt sich aus mit Licht und Ton? Klosterbühne braucht Unterstützung

Neues Stück: Klosterbühne probiert was Neues

Von Jennifer Krebs

Wem ein ganz normaler Restaurantbesuch zu langweilig ist, der ist am Freitag, 27. September, in der Pinkenburg in Wennigsen an der richtigen Adresse. Dort geht es beim Krimidinner mörderisch zu.

19.08.2019

Der Ortsrat Evestorf lädt für den 24. August zu einem großen Spielplatzfest ein. Gefeiert wird gleich wegen zwei Anlässen – der Spielplatz am Dorfgemeinschaftshaus besteht seit 50 Jahren, und die Jugendfeuerwehr gibt es seit 45 Jahren.

19.08.2019

Im Streit um die Spielplatzsatzung und die Kleinspielfelder an der Sophie-Scholl-Gesamtschule gibt es noch keine Vorschläge vom Wennigser Jugendparlament. Die Jugendlichen wollen sich erst auf ihrem Klausurwochenende im September mit dem Thema beschäftigen.

19.08.2019