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Wennigsen Paar aus Sorsum hilft Familie aus Syrien
Umland Wennigsen Paar aus Sorsum hilft Familie aus Syrien
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00:18 28.03.2019
"Wir haben neue Freunde gefunden": Klaus-Arno Beckers (von links) und Dorothee Woltmann helfen Minnatollah (12), Amal Al Sheikh Ahmad, Ali (1), Mohammad (7) und Ahmad Salim nach ihrer Flucht aus Syrien. Quelle: Gerko Naumann
Sorsum

 Noch bevor Dorothee Woltmann überhaupt die Klingel betätigt, wird die Haustür aufgerissen. Die Brüder Mohammad (7) und Ali (1) stürmen ihr entgegen. „Omi, Omi!“, rufen sie und fallen erst der 72-jährigen und dann ihrem Lebensgefährten Klaus-Arno Beckers (71) lachend um den Hals. Etwas weniger euphorisch, aber ebenso herzlich begrüßen die große Schwester Minnatollah (12) und ihre Eltern die Gäste und bitten sie ins Wohnzimmer. Dort hat Mutter Amal Al Sheikh Ahmad bereits alles vorbereitet. Auf einem Tisch steht eine große Platte mit einer Süßspeise bestehend aus Teig und Käse bereit.

Minnatollah (12, von links) bringt Mohammad (7), Dorothee Woltmann und Ali (1) einen Teller mit einer Süßspeise. Quelle: Gerko Naumann

„Wir werden hier immer so freundlich empfangen, die Gastfreundschaft ist der Familie sehr wichtig“, sagt Woltmann. Das beruht offenbar auf Gegenseitigkeit. Denn: Woltmann und Beckers kümmern sich seit Ende 2015 um die Familie, die aus Syrien vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland geflüchtet und über viele Umwege in Wennigsen gelandet ist. Gelebt hat die damals noch vierköpfige Familie in Aleppo, einer der umkämpftesten Städte des Landes. „Unser Haus stand direkt neben dem Flughafen, dort sind ständig Bomben abgeworfen worden“, erinnert sich die Mutter.

Schon die Vorfahren waren Flüchtlinge

Immer wieder seien Nachbarn und Angehörige schwer verletzt oder getötet worden, sagt Al Sheik Ahmad. Fast zwei Jahre lang gab es in ihrem Haus weder Strom noch Gas, weil die Leitungen zerstört wurden. Und so beschlossen die Eltern – die bis dahin beide als Lehrer gearbeitet hatten – schweren Herzens, aus ihrem Heimatland zu fliehen. Bereits ihre Vorfahren seien selbst Flüchtlinge gewesen, berichtet die dreifache Mutter. „Mein Großvater und seine Familie kamen 1948 aus Palästina nach Syrien, weil sie dort verfolgt wurden“, sagt sie. Deshalb hat die ganze Familie laut Pass auch nach wie vor den Status als Staatenlose.

Die Flucht führte Al Sheik Ahmad, ihren Mann Ahmad Salim und die beiden kleinen Kinder zunächst in die Türkei. Von dort gelangten sie in einem Gummiboot nach Griechenland. Über die sogenannte Balkanroute durchquerten sie unter anderem Serbien, Kroatien und Österreich auf ihrem Weg nach Deutschland. Dort angekommen landeten sie zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft der Gemeinde Wennigsen. Und genau dort trafen sie erstmals auf Woltmann und Beckers. Beide waren zu dem Zeitpunkt bereits Rentner und hatten sich vorgenommen, Flüchtlingen zu helfen.

Beckers will positive Erfahrungen weitergeben

„Ich war auf der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe“, sagt Beckers. Und da habe er sich daran erinnert, dass er als Kind selbst erfahren hat, was es bedeutet, im einem fremden Land zu leben. „Meine Eltern sind beruflich nach Chile ausgewandert. Dort bin ich von der Bevölkerung sehr herzlich aufgenommen worden, obwohl ich die Sprache nicht konnte“, sagt der 71-Jährige. Diese positive Erfahrung habe er an andere weitergeben wollen. Und so übernahm er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin eine Art Patenschaft für die Familie Salim, die sich inzwischen zu einer fast familiären Freundschaft entwickelt hat. „Wir begleiten sie zu Behördengängen, Arztbesuchen und unternehmen etwas mit den Kindern“, sagt Beckers, der von 2001 bis 2006 Ortsbürgermeister in Sorsum war.

Vor allem bei der Wohnungssuche hat das Paar den Neubürgern geholfen. Dabei passte es zufällig, dass im Haus von Woltmann in Sorsum eine Wohnung frei geworden ist, die mit vier Zimmern genau die richtige Größe hatte. Dort wohnen die fünf seitdem – genau gegenüber von „Omi und Opi“, wie die Kinder Woltmann und Beckers liebevoll nennen. Die Miete übernimmt das Jobcenter. Das sei aber erst die Grundlage gewesen, sagt Beckers. „Wir versuchen sie nach und nach in die Dorfgemeinschaft zu integrieren.“ Und dabei gibt es schon echte Erfolge: Die Familie aus Syrien war etwa schon beim Osterfeuer zu Gast. Außerdem spielt Mohammad mit seinen Altersgenossen beim MTV Lemmie Fußball, seine ältere Schwester Minnatollah hat sich der Jugendfeuerwehr in Sorsum angeschlossen und besucht die Sophie-Scholl-Gesamtschule in Wennigsen. „Mir machen alle Fächer Spaß in der Schule und ich habe dort schon viele neue Freunde gefunden“, sagt die Zwölfjährige in nahezu perfektem Deutsch.

Nicht alle sind so aufgeschlossen

Trotz diese Fortschritte sind nicht alle im Ort den neuen Nachbarn gegenüber so aufgeschlossen, räumt Beckers ein. Er habe sogar im eigenen Umfeld Menschen, die sich kritisch über seinen Einsatz für die Flüchtlinge äußern. Das hält das Rentner-Paar aber nicht davon ab, sich weiter ehrenamtlich zu engagieren. „Wir lassen uns ganz bewusst mit der Familie sehen, um zu zeigen: Die leben jetzt bei uns, die gehören dazu“, sagt Beckers.

Familie Salim – die seit der Geburt des kleinen Ali in Gehrden zu fünft ist – ist für diese Hilfe sehr dankbar. Mutter Amal Al Sheikh Ahmad kann sich ein Leben ohne die neuen Nachbarn nicht mehr vorstellen: „Wir sind traurig, weil wir Teile unserer Familie zurücklassen mussten. Aber wir sind auch glücklich, weil wir hier neue Freunde gefunden haben.“

Von Gerko Naumann

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