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Wennigsen Steht der Waldorfkindergarten vor dem Aus?
Umland Wennigsen Steht der Waldorfkindergarten vor dem Aus?
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00:18 31.03.2019
Geschäftsführerin Angela Schrader (von links), Karsten Sohns vom Trägerverein und die pädagogische Leiterin Susan Köhler (Zweite von rechts) zeigen Katrin Göllinger, Nesrin Odabasi, Marion Gellermann und Petra Cordes den Waldorfkindergarten in Sorsum. Quelle: Gerko Naumann
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Sorsum

Die Verantwortlichen des Marien-Waldorfkindergartens Sorsum sorgen sich um die Zukunft der Einrichtung. Hintergrund ist der von der Landesregierung aus SPD und CDU beschlossene gebührenfreie Kindergarten. Die wegfallenden Elternbeiträge reißen ein großes Loch in die finanziellen Planungen, sagte Angela Schrader von der Geschäftsführung. Und Karsten Sohns vom Vorstand des Trägervereins ergänzte: „Uns steht das Wasser bis zum Hals.“

Region hilft für zwei Jahre

In Zahlen ausgedrückt heißt das: Seit es den beitragsfreien Kindergarten gibt, fehlen dem privaten Träger etwa 100 000 Euro pro Jahr, die vorher durch die Elternbeiträge mit abgedeckt wurden. Das ist nach der neuen Gesetzgebung nicht mehr möglich. Zumindest für zwei Jahre hat die Region Hannover diese Lücke nun zum großen Teil gestopft. Die Regionsversammlung hatte im Februar beschlossen, rückwirkend für das
laufende und für das kommende Kindergartenjahr insgesamt 233.000 Euro zu übernehmen. Für diese Entscheidung dankte Schrader einer Gruppe von CDU-Regionsabgeordneten um Nesrin Odabasi (jugendpolitische Sprecherin) auch, die den Waldorfkindergarten am Mittwoch besuchte.

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Der Waldorfkindergarten in Sorsum steht vor einer unsicheren finanziellen Zukunft. Quelle: Gerko Naumann

Schrader betonte aber auch, dass weiterhin „etwa 10.000 Euro pro Jahr fehlen“. Das führe unter anderem dazu, dass Instandhaltungsarbeiten am Gebäude verschoben werden müssen. Außerdem werde es schon Ende dieses Jahres wieder zu Engpässen kommen, wenn die Planung und Belegung für das Kindergartenjahr 2020/2021 beginnt. Den Waldorfkindergarten besuchen derzeit 75 Kindergartenkinder aus Wennigsen, Springe, Barsinghausen, Ronnenberg, Gehrden und Pattensen – sowie weitere zwölf Kinder in einer Krippengruppe. Das pädagogische Angebot ist in der Region Hannover einzigartig, weshalb auch die Region Hannover direkt die Einrichtung fördert und nicht wie sonst üblich die jeweilige Stadt oder Gemeinde, die im Zweifelsfall entstehende Defizite ausgleicht.

Kommunen sollen Defizit ausgleichen

Für diese besondere Rolle des Kindergartens müsse es in Zukunft eine Lösung geben, sagte Odabasi. Sie machte den Verantwortlichen aber wenig Hoffnung, dass noch einmal Geld von der Region fließt. „Wir müssen Gespräche mit den betroffenen Kommunen führen und klären, ob sie für das Defizit aufkommen“, sagte die CDU-Politikerin. Eine andere Lösung sei der sogenannte Härtefallfonds des Landes. Darüber soll Geld fließen, wenn Kommunen ansonsten besonders stark durch die Beitragsfreiheit belastet werden. Eine einheitliche Lösung könne es nicht geben, weil die Finanzierung der Kindergartenplätze von Träger zu Träger unterschiedlich sei. Odabasi versprach jedoch, sich mit den Vertretern der anderen Parteien in der Regionsversammlung über mögliche Lösungen für die Einrichtung in Sorsum auszutauschen.

Für die Eltern des Waldorfkindergartens wird es bereits ab dem 1. April spürbare Veränderungen geben, kündigte Schrader an. Der Trägerverein führt einen Vereinsbeitrag von 65 Euro pro Familie und Monat ein. „Der Beitrag ist freiwillig“, betonte Schrader. Wer nicht damit einverstanden sei, könne aus dem Verein austreten. Auch für finanziell schlechter gestellte Familien gibt es eine Lösung – sie zahlen nur 10 Euro pro Monat.

Von Gerko Naumann