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Wennigsen Wasserbüffel kommen in wenigen Wochen ins Winterquartier
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Wennigsen: Wasserbüffel kommen in wenigen Wochen ins Winterquartier

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12:58 25.10.2019
Auf den Weideflächen entlang der Landesstraße zwischen Wennigsen und Sorsum grasen seit wenigen Monaten sieben junge Wasserbüffel. Quelle: Ingo Rodriguez
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Wennigsen

Keine Krankheiten, genug Futter und Auslauf sowie rundum artgerechtes Weideland: Wenige Monate nach ihrer Ankunft haben sich sieben junge Wasserbüffel im Biotop am Wennigser Mühlbach bestens eingelebt. „Es geht den Tieren dort gut“, sagt Landwirt Sören Baumgarte aus Linderte.

Auf den Weideflächen entlang der Landesstraße grasen seit wenigen Monaten sieben junge Wasserbüffel. Quelle: Ingo Rodriguez

Seiner Familie gehören nicht nur die Jungtiere in Wennigsen. Seit 2012 schon weidet auch in Vörie im Landschaftsschutzgebiet Ihme-Niederung eine Wasserbüffelherde, um dort zwischen Evestorf und Ihme-Roloven als tierische Rasenmäher die Grünlandflächen zu pflegen. Aus dieser Herde stammen auch die Jungtiere in Wennigsen. Nachdem es in Vörie Nachwuchs gegeben hatte, hatte Familie Baumgarte zunächst im Juni vier etwa acht bis neun Monate alte Wasserbüffel zum Biotop am neuen Regenrückhaltebecken entlang der Landesstraße zwischen Sorsum und Wennigsen gebracht.

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Vor etwa sechs Wochen kamen laut Baumgarte noch drei weitere Artgenossen dazu. „Die weiblichen Jungtiere brauchen eigene Weideflächen, weil es sonst passieren kann, dass sich der Vaterbulle mit geschlechtsreifen Weibchen paart: Und das ist nicht gewollt“, sagt Baumgarte. Die Nachzügler wiederum waren erst mit Verspätung nach Wennigsen gekommen, weil Jungtiere laut Baumgarte erst mit einem Alter von etwa acht Monaten von der Mutterkuh getrennt werden.

Auf den Weideflächen am Mühlbach grasen seit wenigen Monaten junge Wasserbüffel. Quelle: Ingo Rodriguez

Die sieben jungen Wasserbüffel sind nicht nur eine neue Attraktion für Naturliebhaber und Tierfreunde im Calenberger Land, sie sollen auch dafür sorgen, das Biotop offen zu halten. Die „sanften Riesen“ fungieren als tierische Rasenmäher – vor allem in Gebieten, die für Maschinen nicht geeignet sind, sollen sie das Gras auf den Wiesen kurz halten. Das Regenrückhaltebecken, das an der L391 zwischen Wennigsen und Sorsum gebaut wurde, ist ein Feuchtbiotop, das als ökologische Ausgleichsfläche für das Neubaugebiet Caleidis angelegt wurde. Um den ökologischen Wert der Fläche zu erhalten, muss das rund 5,5 Hektar große Gelände regelmäßig gepflegt werden. Doch die Fläche ist sumpfig, Fahrzeuge kämen dort nur schwer oder gar nicht durch –im Gegensatz zu den Wasserbüffeln.

Auf den Weideflächen entlang der Landesstraße zwischen Wennigsen und Sorsum grasen Wasserbüffel. Quelle: Ingo Rodriguez

Gerade einmal heimisch geworden, heißt es für die inzwischen etwa ein Jahr alten Büffel aber in wenigen Wochen schon wieder, Abschied nehmen vom Revier in Wennigsen. Für Ende November – je nach Wetterlage – ist laut Baumgarte geplant, die Tiere in ein Winterquartier zu bringen. „Sie vertragen zwar das schlechte Wetter, aber die Wiesen sind dann abgegrast, deshalb müssen wir mit Heu zufüttern.“ Allerdings werden die Tiere vorsichtshalber getrennt von der alten Herde untergebracht. „Auf einer Wiese mit Unterstand“, sagt Baumgarte. Spätestens im Frühjahr geht es für die Wasserbüffel aber wieder zurück nach Wennigsen. „Wenn auf den Wiesen wieder genug Gras und Futter zu finden ist“, sagt der Landwirt.

Wasserbüffel sind Landschaftspfleger

Ausgewachsene Wasserbüffel werden bis zu eineinhalb Meter groß und bis zu 500 Kilogramm schwer. Für Spaziergänger sind sie trotzdem ungefährlich. Die Tiere sind nicht angriffslustig und am Mühlbach mit einem Elektrodraht umzäunt. Landwirt Sören Baumgarte ist jedoch wichtig: „Die Tiere dürfen nicht gefüttert werden.“ Denn das Futter, wie etwa Äpfel oder trockenes Brot, könne sich leicht festsetzen. „Dann verenden die Tiere qualvoll“, sagt Baumgarte.

Die Idee mit den Büffeln als schonende Landschaftspfleger kam vom Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere Leine. Der Landschaftspflegeverband ist für die Bewirtschaftung der neuen Biotopfläche zuständig. „Die Wasserbüffel kommen gut mit dem Wasser auf der Fläche und dem minderwertigen Futter zurecht“, sagt Landwirt Baumgarte. Wasserbüffel seien robuster als andere Rinderarten. Die Tiere eigneten sich ideal, um ein Gebiet zu renaturieren, da sie nicht nur den Boden auflockern, sondern im Vergleich zu anderen Weidetieren wesentlich mehr Pflanzenarten abgrasen. Zudem sind die Büffel auch für die Artenvielfalt förderlich: Ihr Kot lockt Insekten an.

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Von Ingo Rodriguez