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Wennigsen Darum weiden jetzt Wasserbüffel in Wennigsen
Umland Wennigsen

Wennigsen: Wasserbüffel weiden jetzt in Wennigsen

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17:13 10.06.2019
Sie sind endlich da: Seit Freitag weiden vier junge Wasserbüffel auf dem Areal am Wennigser Mühlbach zwischen Wennigsen und Sorsum. Quelle: Lisa Malecha
Wennigsen

Durch die hohen Sträucher und Gräser, den Abhang zum Teich hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf: Neugierig erkunden die sanften Riesen ihr neues Revier. Seit Freitag weiden vier junge Wasserbüffel am Wennigser Mühlbach zwischen Wennigsen und Sorsum. Noch ragt teilweise nur ihr Kopf aus dem dichten Bewuchs heraus, denn die vier Wasserbüffel sind gerade mal acht bis neun Monate alt. Doch das wird sich noch ändern: Die Tiere werden bis zu eineinhalb Meter groß und bis zu 500 Kilogramm schwer.

Seit Freitag hat Wennigsen eine neue Attraktion: Vier Wasserbüffel weiden jetzt am Mühlbach zwischen Sorsum und Wennigsen.

Drei weitere Artgenossen werden in den nächsten Monaten noch zu ihnen stoßen. „Noch sind sie allerdings zu jung, erst fünf bis sechs Monate alt“, sagt Landwirt Sören Baumgarte aus Linderte, dessen Familie seit 2012 eine Büffelherde besitzt. „Wir trennen sie erst mit neun Monaten von der Mutterkuh.“

Die vier Wennigser Wasserbüffel stammen aus Vörie. Die Herde weidet dort im Landschaftsschutzgebiet Ihmeniederung zwischen Evestorf und Ihme-Roloven, um dort vereinzelte Grünlandflächen zu pflegen. Dort hatte es nun Nachwuchs gegeben – „und die Jungtiere brauchen eigene Weideflächen“, sagt Gerhard Krick, Vorsitzender des Wennigser Naturschutzbundes (Nabu). Noch bis zum Wintereinbruch bleiben die Wasserbüffel auf der Fläche in Wennigsen, über den Winter geht es dann zurück nach Vörie.

Wennigser Wasserbüffel dürfen nicht gefüttert werden

Für Spaziergänger sind die Wasserbüffel ungefährlich. Die Tiere sind nicht angriffslustig. Zudem ist das Gebiet mit einem Elektrozaun gesichert. Auch gibt es eine Aussichtsplattform, von der aus man sie beobachten kann.

Eines ist Sören Baumgarte jedoch wichtig. „Die Tiere dürfen nicht gefüttert werden“, betont der Landwirt. Denn das Futter, wie etwa Äpfel oder trockenes Brot, könne sich leicht festsetzen. „Dann verenden die Tiere qualvoll, wenn man es nicht rechtzeitig mitbekommt.“

Tiere pflegen Biotop

Die Wasserbüffel sind nicht nur eine neue Attraktion für Naturliebhaber und Tierfreunde im Calenberger Land, sie sollen auch dafür sorgen, das dortige Biotop offen zu halten. Denn die „sanften Riesen“ fungieren quasi als tierische Rasenmäher – vor allem in Gebieten, die für Maschinen nicht geeignet sind. Wie an der Landesstraße 391.

Denn das Regenrückhaltebecken, das an der L 391 zwischen Wennigsen und Sorsum gebaut wurde, ist ein Feuchtbiotop, das als ökologische Ausgleichsfläche für das Neubaugebiet Caleidis angelegt wurde. Um den ökologischen Wert der Fläche zu erhalten, muss das 5,5 Hektar große Gelände regelmäßig gepflegt werden. Doch die Fläche ist sumpfig, Fahrzeuge kämen hier nur schwer oder gar nicht durch.

Sie sind endlich da: Seit Freitag weiden vier junge Wasserbüffel auf dem Areal am Wennigser Mühlbach zwischen Wennigsen und Sorsum. Quelle: Lisa Malecha

Also werden Wasserbüffel eingesetzt – mit dem Vorteil, dass wertvolle Lebensräume für die teils stark gefährdete Wiesenbewohner erhalten bleiben, die in der heutigen Kulturlandschaft immer weniger Rückzugsräume fänden. Nachdem zuletzt bereits auf einem Teil der Fläche Zwergzebus – eine Rasse des Hausrindes – geweidet haben, werden nun Wasserbüffel das Gras auf den Wiesen kurz halten.

Wasserbüffel sind robust

Die Idee mit den Büffeln kam vom Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere Leine, weil eine extensive Beweidung die schonendste Art der Biotoppflege sei. Der Landschaftspflegeverband ist für die Herstellung und Bewirtschaftung der neuen Biotopfläche zuständig, hat auch das Regenrückhaltebecken gebaut und rund ein Dutzend Bäume sowie 130 Sträucher auf der Ausgleichsfläche gepflanzt.

„Die Wasserbüffel kommen gut mit dem Wasser auf der Fläche und dem minderwertigen Futter zurecht“, erläutert Fritz Baumgarte, dem die Herde gehört. Selbstverständlich könnte aber auch jedes andere Rind auf dem Areal weiden. „Aber die Wasserbüffel sind schon etwas robuster als andere Arten.“ Die Tiere eigneten sich ideal, um ein Gebiet zu renaturieren, da sie nicht nur den Boden auflockern, sondern im Vergleich zu anderen Weidetieren wesentlich mehr Pflanzenarten abgrasen.

Artenvielfalt soll gefördert werden

Zudem zeigen andere Flächen, dass die Büffel auch für die Artenvielfalt förderlich sind. „Ihr Kot lockt Insekten an, diese legen ihre Eier auf ihm“, erläuterte Projektmanager Friedrich Hüper vom Landschaftspflegeverband unter anderem schon bei einem Ortstermin in Vörie. Dort seien immer mehr Vogel- und Insektenarten zu beobachten.

Feuerwehr ist auf tierische Einsätze vorbereitet

Die Ansiedlung der Herde hat auch schon die Feuerwehr beschäftigt. Zuständig für die Tierrettung sind im Gemeindegebiet Wennigsen die Argestorfer Einsatzkräfte, die sich bereits in Vörie bei Baumgarte über spezifische Verhaltensmerkmale von Wasserbüffeln informiert haben – und darüber, wie sich die Tiere im Notfall wieder einfangen lassen.

Von Lisa Malecha

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