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Wunstorf Boxen am Meer: Hymnenskandal weitet sich aus
Umland Wunstorf

Boxen am Meer in Steinhude: Hymnenskandal weitet sich aus 

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11:09 11.07.2019
Der Boxring auf der Steinhuder Seebühne bei Boxen am Meer. Quelle: Christian Hanke
Steinhude

Die Veranstaltung Boxen am Meer hatte sich das Motto „Sportler gegen Rassismus und Gewalt“ auf die Fahne geschrieben. Doch jetzt hat der Präsident des Niedersächsischen Boxverbands, Manfred Schumann, selbst mit dem Vorwurf des Rassismus zu tun. Am 29. Juni wurde bei dem Länderkampf zwischen Südafrika und Box-Sportlern aus Niedersachsen bei der Präsentation der deutschen Sportler statt der Nationalhymne, die erste Strophe des Deutschlandlieds gespielt. Als offizielle Nationalhymne Deutschlands gilt jedoch seit 1991 die dritte Strophe des Liedes der Deutschen von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Die erste Strophe des Liedes gilt als verpönt, weil sie von der NSDAP genutzt wurde, ist aber nicht verboten.

Jürgen Kyas stoppte falsche Hymne

Bei der Boxveranstaltung am Steinhuder Meer wurde der Fauxpas von dem Präsidenten des Deutschen Boxverbandes Jürgen Kyas nach einigen Sekunden bemerkt und das Lied gestoppt. Stattdessen wurde im Anschluss das Niedersachsenlied gespielt. Als Begründung für die musikalische Fehlauswahl gibt Organisator Schumann in einer Pressemitteilung vom Dienstag folgende Gründe an: „Das Abspielen eines Teiles der ersten Strophe der Deutschen Nationalhymne basiert auf dem Fehler eines Mitarbeiters der Beschallungsfirma. Diese bedauert diesen Fehler außerordentlich und würde ihn am liebsten ungeschehen machen. Dem schnellen Eingreifen des Präsidenten des Deutschen Boxverbandes, Herrn Jürgen Kyas, ist es zu verdanken, dass nicht mehr Schaden angerichtet wurde.“ Zudem entschuldigt sich Schumann für den „unentschuldbaren Fehler“ bei den Personen, die sich direkt betroffen fühlten.

Keine Versöhnung zwischen Kyas und Schumann

Doch zu den nachhaltig betroffenen Personen gehören ausgerechnet Jürgen Kyas sowie der Verein Rukelli Trollmann. Zwischen den Sportfunktionären Kyas und Schumann herrscht derzeit Funkstille, sie kommunizieren nur noch über ihre Anwälte miteinander. Kyas teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit: „Mir ist es gelungen, bei der Veranstaltung den Stecker zu ziehen. Im Publikum regte sich schnell Unmut über die erste Strophe.“ Und weiter: „Man hat es gut gefunden, dass ich so schnell reagiert habe und eingeschritten bin.“ Er würde niemandem Vorsatz unterstellen, hätte sich aber eine direkte Entschuldigung der Veranstalter gewünscht. Diese Aussage hatte Kyas bereits Anfang der Woche vor der nationalen Presse getätigt. Schnell verbreitete sich die Meldung, Schumann sei untätig gewesen. Der niedersächsische Box-Chef sagt jedoch, er habe sich entschuldigt. Dies habe er ebenso bei dem Verein Rukeli Trollmann getan, der in einer veröffentlichten Mitteilung anderes behauptet.

Verein Rukeli Trollmann fordert Entschuldigung

Ramos-Farina Diekmann, eine Verwandte des im KZ umgebrachten Weltklasse-Boxers Johann „Rukeli“ Trollmann, war zu dem Event gekommen, um die tragische Geschichte des Sinto-Boxers in Erinnerung zu rufen. Diekmann erklärte Anfang der Woche in einer Pressemitteilung, dass sich niemand bei ihr entschuldigt hätte und erklärt darin: „Es wurde doch tatsächlich die erste Strophe des Deutschlandliedes gespielt. Keiner der anwesenden Verantwortlichen, hier der Präsident des Niedersächsischen Boxsportverbandes, schritt ein.“ Erst durch couragiertes Einschreiten von Jürgen Kyas sei das Abspielen abgebrochen worden. Auch vom Ringsprecher habe es keine Entschuldigung gegeben. Diekmann weiter: „An der Teilnahme der anschließenden Bootsrundfahrt haben wir als Nachkommen des Holocaustopfers Johann Rukeli Trolmann dann aus Pietätgründen nicht mehr teilgenommen.“

Box-Chef Schumann ist empört. Er sagt: „Ich entschuldigte mich auch schon nach dem ersten Teil der Veranstaltung, aber noch einmal ausführlicher bei den 90 geladenen Gästen der Dampferfahrt.“ Auch bei der Familie Diekmann habe er sich entschuldigt. Den Rassismusverdacht finde er absurd, da er selbst Mitglied im Verein Rukeli Trollmann sei und sich zudem seit Jahren für die Integration ausländischer Sportler stark mache.

Die Zeilen, die jetzt jedoch die Anwälte beschäftigen, sind nicht die versöhnlichen Worte aus Schumanns Pressemitteilung. Vielmehr ist es ein privat versendetes Schreiben an Kyas, das dieser Zeitung vorliegt. Es endet mit den Worten Schumanns: „Und jetzt werfen sie mir noch vor, dass ich und der Verband der rechten Szene angehören. Sie sollten sich schämen, Herr Kyas.“ Dieser sagt zu dem Schreiben: „ Herr Schumann hat den Pfad des persönlichen Angriffs gewählt, jetzt werden die Dinge mit harter Klinge verfolgt. Ich bin nicht bereit nachsichtig zu sein.“ Auch Schumann ließ verlautbaren, seinen Anwalt mit der Angelegenheit beauftragt zu haben.

Von Marleen Gaida

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