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Wunstorf Entschlammung soll im Herbst beginnen
Umland Wunstorf Entschlammung soll im Herbst beginnen
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00:19 20.08.2018
Christiane Schweer (stehend) berichtet bei der Bootsfahrt von ihren Gesprächen.
Christiane Schweer (stehend) berichtet bei der Bootsfahrt von ihren Gesprächen. Quelle: Sven Sokoll
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Steinhude/Mardorf

Die Entschlammung des Steinhuder Meeres soll im Oktober in die nächste Runde gehen. Diese Pläne der Domänenverwaltung des Landes hat die Steinhuder CDU-Politikerin Christiane Schweer am Freitag bei einer Bootstour des Ortsverbands ihrer Partei mitgeteilt. Dass der Schlamm aus dem See muss, zeigte sich auch bei der Auswandererfahrt mit den schwarzen Wolken, die unterwegs immer wieder aufgewirbelt wurden.

In den vergangenen Tagen war gepeilt worden, wo die Entschlammung notwendig ist, bald soll die Ausschreibung folgen. Wenn die Firmen rechtzeitig bereit sind, kann nach der Saison begonnen werden. Geplant ist, am Nordufer noch Reste zu erledigen, die bei der letzten Aktion nicht geschafft wurden. Am Südufer stehen der Bereich um die Badeinsel und die Grachten im Ostenmeer im Fokus. Eine Unsicherheit ist allerdings, dass die Domänenverwaltung noch auf die Genehmigung des Gewebeaufsichtsamts wartet, den Schlammpolder in Großenheidorn dauerhaft nutzen können. Die erste befristete Genehmigung war ausgelaufen. Dezernatsleiter Conrad Ludewig, mit dem Schweer gesprochen hatte, hofft aber, dass er sie bald bekommt.

Hinter dem Auswanderer wird Schlamm im Wasser aufgewirbelt. Quelle: Sven Sokoll

Erstmals seit den neunziger Jahren sollen im Winter auch wieder die Tiefen und Schlammdicken genau gemessen werden. „Da bin ich gespannt, was dabei herauskommt“, sagte Schweer. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr vorliegen.

Neben dem Schlamm ist in diesem Jahr auch der Wasserstand ein großes Problem. Nach Informationen von August Lustfeld, Geschäftsführer des Meerbach-Unterhaltungsverbands, ist der Wasserstand durch Trockenheit und Hitze um 37 Zentimeter gesunken. Ähnliche Stände hatte es zuletzt 2003 und 2008 gegeben. Im Sommer 1959, von dem derzeit viele Zeitzeugen am Meer berichten, waren es allerdings noch einmal 20 Zentimeter weniger.

Mittlerweile seien alle Zuflüsse trocken gefallen, so dass nur noch Grundwasser nachströmt. Der Ablass zum Meerbach, über den im Vergleich zur Verdunstung nur ein Bruchteil der Wassermenge verloren geht, wird dennoch auf einem Mindestmaß belassen. Bisher zeigt das beim Sauerstoffgehalt dort trotzdem keine negativen Auswirkungen. Wenn die Trockenheit in den nächsten sechs Wochen noch anhält, befürchtet Lustfeld Schwierigkeiten dabei, den Wasserstand über den Winter wieder auf das Normalmaß steigen zu lassen.

Positiv wäre der Pegel allerdings, um die Fischtreppe am Meerbachwehr zu bauen. Doch damit muss der Unterhaltungsverband noch warten. Er hatte EU-Fördergeld dafür eingeworben, allerdings auf der Basis einer Kostenschätzung von 80.000 Euro. Anfang das Jahres erbrachte die Ausschreibung dann aber fast die dreifache Höhe, so dass die Planung noch einmal überarbeitet wird. Nächstes Jahr soll es einen weiteren Anlauf geben.

Mit seiner Messboje im Steinhuder Meer hat der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz keine besonderen Auffälligkeiten ermittelt. Die laufenden Temperaturmessungen ergaben im Juli allerdings eine Rekord-Wassertemperatur von 31 Grad. Der Limnologe Hans-Heinrich Schuster, mit dem Schweer dort ebenfalls ein Gespräch geführt hat, hat aber darauf hingewiesen, dass der niedrige Wasserstand den Schilfwuchs fördert, weil mehr Licht durchkommt. An der Badeinsel hatte das Schilf unter anderem am Eisgang und am Gänsefraß gelitten. Es soll dort wieder welches angepflanzt werden.

Von Sven Sokoll