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Wunstorf Die neuen Transportmaschinen machen deutlich weniger Lärm
Umland Wunstorf

Fliegerhorst Wunstorf: Die neuen Transportmaschinen machen deutlich weniger Lärm

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17:42 18.07.2019
Sie informieren: Reservist Jonas Geck (von links) und die Pressesprecher Doris Lammers und Martin Buschhorn. Quelle: Albert Tugendheim
Wunstorf

Das sonore Brummen wird langsam leiser, ein Blick gen Himmel zeigt: Es ist mal wieder eine Transportmaschine vom Fliegerhorst Wunstorf gestartet. 30 der modernen Maschinen vom Typ A400 M sind auf dem Flugplatz inzwischen stationiert, 40 sollen es werden. Aus den vielen Negativschlagzeilen ist der A400 M inzwischen heraus. Die erste war am 19. Dezember 2014 nach Wunstorf ausgeliefert worden. Von einer neuen Zeitrechnung des militärischen Lufttransports war seinerzeit die Rede.

Für die Menschen, die rund um den Fliegerhorst leben, ist die Umstellung auf das moderne Flugzeug ein Vorteil. Der Lärm der alten Transall-Maschinen ist verstummt. Das hängt auch damit zusammen, dass sich die Ausbildung der fliegenden Soldaten fundamental verändert hat. Das, was die Piloten lernen müssen, das lernen sie zu 95 Prozent am hochmodernen und mit viel Technik ausgestatteten Simulator, der vor Jahren auf dem Fliegerhorstgelände installiert wurde. So entfallen die sogenannten Rimini-Flüge zum großen Teil. Also die Runden, die früher die Transall-Maschinen zu Übungszwecken über den Bereich Rinteln, Minden und Nienburg führten und viele Start- und Landeübungen auf dem Fliegerhorst nötig machten.

Eine A400 M landet auf dem Fliegerhorst Wunstorf. Quelle: Bundeswehr

Aufträge kommen aus Eindhoven

Aufträge für die Flüge erhält das Wunstorfer Lufttransportgeschwader (LTG) 62 vom European Air Transport Command (EATC). Das Europäische Lufttransportkommando ist eine multinationale Behörde. Dazu gehören die Luftstreitkräfte aus Frankreich, Italien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Spanien und Luxemburg. Sitz der EATC ist Eindhoven in den Niederlanden. Hauptaufgabe ist die Koordination und Führung der Lufttransportkräfte sowie der Einsätze der Medizinischen Evakuierungsflüge und der Luftbetankungskräfte.

Zu den gegenwärtigen Standardaufträgen der Wunstorfer Lufttransporter gehört es, den Wechsel von Soldatenkontingenten in Jordanien zu vollziehen, berichtet Doris Lammers von der Pressestelle des LTG 62. In Jordanien ist die Bundeswehr seit 2015 am Kampf gegen den „Islamischen Staat“ (IS) beteiligt. Zu weiteren Aufgaben des Geschwaders gehört auch das Absetzen von Fallschirmspringern. Für die Betankungen von Jets in der Luft sind bestimmte Luftkorridore ausgewiesen. Erstmals ist vor wenigen Tagen eine A400 M mit Betankungsanlage in einen echten Einsatz gestartet, ein medial stark wahrgenommenes Ereignis.

Regelmäßig Bereitschaft

Die Bereitschaftsdienste für Medizinische Evakuierungsflüge teilt sich das Wunstorfer Geschwader mit anderen Verbänden. „Wenn wir dran sind, dann heißt das 24-Stunden-Bereitschaft an sieben Tagen in der Woche, das gilt dann auch für die Flughafenfeuerwehr“, erläutert Martin Buschhorn von der LTG-Pressestelle.

Die Frage, ob es beim bisherigen Flugbetrieb der Transporter zu kritischen Situationen gekommen sei, verneinen beide. Vereinzelt hätten die Bordsysteme Fehlermeldungen geliefert. „Die werden dann professionell abgearbeitet“, sagt Lammers. Dafür seien die Piloten geschult.

In jüngster Zeit gab es mehrfach Berichte über Probleme bei der Flugbereitschaft der Bundesregierung. Springt das Geschwader ein, um Politiker zu fliegen? Das sei schon vorgekommen, „das ist aber nicht unser Auftrag“, sagt Lammers.

Nachtsichtflüge werden trainiert

Die Nachtsichtfähigkeit der A400 M ist inzwischen entwickelt und wird trainiert. Dabei geht es darum, dass die Flugzeuge bei Gefährdungslagen nicht so leicht erkannt werden. Weil sie dann ohne Licht fliegen müssen – auch die zahlreichen Instrumente im Cockpit sind dann verdunkelt –, tragen die Piloten Helme mit integrierten Nachtsichtgeräten. Die Entwicklung dieser System wurde bereits begonnen, als in Wunstorf noch Transall-Maschinen stationiert waren.

Als diese Transporter regelmäßig über Wunstorf und der Nachbarschaft ihre Runden zogen, gab es immer wieder Beschwerden über den Lärm. Und heute? „Das kommt nur noch sehr vereinzelt vor“, berichtet Buschhorn. Noch keine zehn Anrufe habe es in diesem Jahr gegeben. Die Anrufer seien dabei sehr freundlich gewesen. Wenn besondere Flugbewegungen anstehen, dann werde das auch vorher bekannt gemacht. „Es gibt großes Interesse an dem Geschwader“, sagt Sprecherin Lammers. Regelmäßig führen die Öffentlichkeitsarbeiter Besuchergruppen über das Gelände, etwa 3500 Besucher pro Jahr. „Wir informieren gerne“, sagt Buschhorn. Der Fliegerhorst, der übrigens eine Werkstatt mit etwa 120 Auszubildenden betreibt, habe „ein gutes Standing in der Bevölkerung“.

Fliegerhorst nimmt Rücksicht auf Bestattungen

Auf Initiative des Bürgermeisters Rolf-Axel Eberhardt gibt es jetzt zu Zeiten von Bestattungen auf dem Friedhof Wunstorf Ruhe am Flughimmel. Kommodore Ludger Bette einigte sich mit Eberhardt darauf, dass die durchschnittlich 200 Beerdigungen pro Jahr im wöchentlichen Turnus von der Friedhofsverwaltung beim Fliegerhorst gemeldet werden, sodass das LTG 62 bei seinem Flugplan auf die Trauernden Rücksicht nehmen kann. Eberhardt: „Ich freue mich, dass wir für dieses Problem kurzfristig eine Lösung gefunden haben. Kommodore Bette hat sich sofort dafür eingesetzt.“ Zukünftig werden also während einer Beerdigung keine Übungsflüge mehr am Himmel Wunstorfs stattfinden.

Von Albert Tugendheim

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