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Wunstorf Weihnachtswunsch: Vermieter mit Herz
Umland Wunstorf Weihnachtswunsch: Vermieter mit Herz
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15:17 21.12.2018
Josef (65) kommt weiterhin regelmäßig zum Tagestreff Wunstorf, obwohl er eine eigene Wohnung hat.
Josef (65) kommt weiterhin regelmäßig zum Tagestreff Wunstorf, obwohl er eine eigene Wohnung hat. Quelle: Rita Nandy
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Wunstorf

Das Leben auf der Straße macht einsam. Zeit für Gespräche, ein wärmendes Getränk und ein Schließfach für die wenigen Habseligkeiten bietet der Tagestreff Wunstorf an der Albrecht-Dürer-Straße 3. Die Einrichtung nennt sich Wohnungslosenhilfe, doch Wohnungen vermitteln, können die beiden sozialpädagogischen Fachkräfte Sabrina Koster und Manfred Ratzmann nicht. Sie können lediglich bei der Suche unterstützen, beim Ausfüllen der Formulare behilflich sein. „Der Wohnungsmarkt ist einfach leer gefegt“, bedauert Koster. Nicht nur Obdachlose, auch Alleinerziehende und Senioren mit geringer Rente benötigen preiswerten Wohnraum. „Ich wünsche mir Vermieter oder Investoren mit Herz, die nicht nur das Geld im Auge haben“, sagt sie.

Sozialarbeiterin Sabrina Koster kümmert sich seit 2011 um Wohnungslose im Tagestreff Wunstorf. Quelle: Rita Nandy

Wunstorfer Obdachlose finden schwer eine Wohnung

Mit dem Wunstorfer Bauverein hat Josef so einen Vermieter gefunden. Ein halbes Jahr habe sich die Vermittlung hingezogen. Seit Sommer 2017 lebt er nun in seiner eigenen Wohnung. „Eine wirklich schöne Wohnung. Mir geht es gut. Ich bin zufrieden“, freut sich der 65-Jährige. Dennoch kommt er weiterhin regelmäßig zum Tagestreff. In letzter Zeit allerdings nur noch freitags. An den restlichen Tagen der Woche arbeitet er im Kinder- und Jugendzentrum des Bau-Hofs. Dabei geht es ihm nicht um die 1,30 Euro Stundenlohn. „Ich möchte etwas zurückgeben“, sagt er. Zwei Jahre habe er ohne festen Wohnsitz gelebt, in einem kleinen Waldstück Richtung Haste. Als er eines nachts aufwachte und ihm eine Ratte über die Brust lief, stand für ihn fest. „Das kann es nicht sein. Das ist nicht mein Leben.“ Man habe zwar seine Freiheiten, aber Josef wollte weg von der Straße. Auch die Notunterkunft an der Bahnhofstraße sei keine Lösung gewesen. Den Dreck, den die anderen hinterließen, konnte er nicht ertragen. „Bei mir kann man vom Fußboden essen. Es ist schön, wenn ich heimkomme und alles ist blitzeblank.“ Als er im Zelt gelebt hat, sei er jeden Tag zum Duschen zum Tagestreff gegangen. So lautete sein Ziel: eine eigene Wohnung. Dass dafür notwendige Durchhaltevermögen habe er beim Sport erworben. „Sport bringt Disziplin.“ Dabei musste er sich jahrzehntelang um eine Unterkunft keine Sorgen machen. Die Hälfte seines Lebens verbrachte er immer wieder Gefängnis. Und beinahe wäre er dort auch erneut gelandet, als er im Winter mit 150 Euro in der Tasche und Sommerkleidung entlassen wurde. Der Oberpfälzer wollte nur noch weg aus seiner Heimat. Eigentlich nach Hamburg, doch er strandete in Wunstorf. Für ihn ein glücklicher Zufall.

Darauf dürften auch mehr als 50 Haushalte hoffen, die auf der Suche nach einer Sozialwohnung sind. Alkoholismus, Schufa-Einträge erschwerten jedoch oftmals die Vermittlung, teilt Stadtsprecher Alexander Stockum mit. Diesen Personenkreis möchte die Stadtverwaltung ab Januar 2019 stärker unterstützen. Sofern vorhanden, werde sie Wohnraum anmieten und den Wohnungssuchenden gegen Mietzahlung zur Verfügung stellen. Ein städtischer Sozialarbeiter soll künftig für sie als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und die Vermietung koordinieren.

Von Rita Nandy