Geflügelzüchter in Wunstorf sind wegen Vogelgrippe in Sorge
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Wunstorf Geflügelzüchter wegen Vogelgrippe in Sorge
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Geflügelzüchter in Wunstorf sind wegen Vogelgrippe in Sorge

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16:00 22.11.2020
Niko Riggers (links) und sein Partner Jan Anderle müssen ihre Zwerg-Seidenhühner zum Schutz vor Vogelgrippe in den Stall sperren.
Niko Riggers (links) und sein Partner Jan Anderle müssen ihre Zwerg-Seidenhühner zum Schutz vor Vogelgrippe in den Stall sperren. Quelle: Anke Lütjens
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Großenheidorn

Die Geflügelzüchter, die Parzellen im Rassegeflügelpark in Großenheidorn haben, mussten am Sonnabend ihre Tiere in den Stall sperren. Grund ist, dass die Region Hannover als zuständige Veterinärbehörde ab diesem Tag eine Stallpflicht als Vorsorge gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe verordnet hat, nachdem eine tote infizierte Wildgans im Raum Nienburg aufgefunden wurde. Die Pflicht betrifft Geflügelhaltungen rund um das Steinhuder Meer, also auch in Steinhude, Mardorf und Großenheidorn. Insgesamt sind nach Angaben der Region 39 Betriebe und Geflügelhaltungen betroffen.

Tiere langweilen sich im Stall

Auch Niko Riggers, stellvertretender Vorsitzender des Rassegeflügel-Zuchtvereins Steinhude (RGZV) und sein Lebenspartner Jan Anderle mussten ihre Zwerg-Seidenhühner in den Stall sperren. „Das ist für die Tiere kein Vergnügen. Die fühlen sich nicht wohl damit, permanent im Stall zu sein“, sagte Riggers. Die Hühner, Enten und Gänse bräuchten Beschäftigung, sonst langweilten sie sich. Riggers erinnert sich, dass es 2005 und einige Jahre später schon einmal eine Stallpflicht für Geflügel und andere Vögel gegeben hat. „Dass betrifft alle Vogeltiere von der Wachtel bis zum Strauß“. Auch die beiden Leinegänse, eine vom Aussterben bedrohte Rasse, müssen drinnen bleiben.

Die Zwerg-Seidenhühner von Niko Riggers und Jan Anderle müssen wegen der Verordnung der Region im Stall bleiben. Quelle: Anke Lütjens

Schwäne müssen eingefangen werden

Riggers züchtet auch Schwäne. Für die gelte eine Sondergenehmigung, erläutert er, weil sie als Wildtiere nicht eingesperrt werden müssen. Eine Kotprobe und ein Rachenabstrich müssten genommen und zur Untersuchung in ein Labor geschickt werden. Vorsorglich hat Riggers die Tiere nach Wunstorf gebracht. „Das hat einen Tag gedauert, die einzufangen“, berichtet er. Riggers vermutet, dass die Vogelgrippe auch etwas mit dem Covid-19-Virus zu tun hat. „Das ist der gleiche Stamm. Als es in China mit Corona losging, waren auch Vögel befallen“, sagt er. Das sei wie ein grippaler Infekt.

Die Vogelgrippe wird nach Auskunft der Geflügelzüchter durch Kot übertragen. Der Stall muss daher laut Riggers so abgeriegelt sein, dass kein Wildtier hineinkommt. Über den Gehegen müsse zudem ein Netz mit einer Maschengröße von 2,5 Zentimetern gespannt sein. Die Vorschriften gelten auch für Hobbyhalter.

Züchter vermieten Hühner auf Probe

Riggers und Anderle haben im Jahr 2018 damit begonnen, Hühner auf Probe zu vermieten. „Hühner liegen voll im Trend, jeder will welche haben“, meint Riggers. Doch sie bräuchten auch Platz und hätten ihre Bedürfnisse. So brauchten sie zum Beispiel einen Stall und Auslauf. Daher können Interessierte beim „Hühnermobil“ zunächst testen, ob die Tiere überhaupt etwas für sie sind. „Wir vermieten unsere Zwerg-Seidenhühner an soziale Einrichtungen und Privathaushalte in der Region“, erläutert Riggers. Zudem stehen er und sein Partner beratend zur Seite. Nur von November bis Februar sind die Miethühner im Urlaub, ab März geht es dann wieder los – wenn die Corona-Pandemie es zulässt.

Das ist der Rassegeflügelpark Großenheidorn

Wegen der Corona-Pandemie bleibt der Rassegeflügelpark des Rassegeflügel-Zuchtvereins Steinhude in diesem Jahr für Besucher geschlossen. Auch der jährliche Tag der offenen Tür ist ausgefallen. Dadurch sind Einnahmen aus dem Verkauf von Kaffee und Kuchen sowie Spenden ausgeblieben. Das Geld benötigt der Verein zum Erhalt und zur Pflege des Parks.

Dieser wurde im Jahr 2007 erbaut und im Frühjahr 2008 offiziell eröffnet. Es gibt zehn Pächter. die Hühner, Zwerghühner, Tauben und Wassergeflügel züchten. Die Züchter konnten in diesem Jahr wegen Corona auch keine Ausstellungen besuchen.

 

Von Anke Lütjens