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Nachrichten Exil-Tibeter organisiert Dalai Lama Besuch
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09:45 13.06.2013
Von Jörg Rocktäschel
Foto: Geshe Gendun Yonten vor dem Altar im Meditationsraum seines Steinhuder Hauses, das er gerade saniert.
Geshe Gendun Yonten vor dem Altar im Meditationsraum seines Steinhuder Hauses, das er gerade saniert. Quelle: Jörg Rocktäschel
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„Es wäre schön, wenn es ein Hotel am Steinhuder Meer wird. Es würde Seiner Heiligkeit hier sehr gefallen“, sagt Yonten, der fließend Deutsch spricht. Der 45-Jährige organisiert den Besuch, lebt seit einem Jahr im Fischerdorf. Den Steinhudern ist er schon seit Langem wegen der Tibet-Ausstellungen in der Kunstscheune bekannt.

Yonten ist so etwas wie ein Botschafter der tibetischen Exilregierung, hält per Computer und Telefon regelmäßig Kontakt. Wenn die Regierung Kontakt zu Organisationen in Deutschland aufnehmen will, recherchiert er die Ansprechpartner, erläutert deren Hintergrund und Positionen. Wenn die rund 200 in Deutschland lebenden Exil-Tibeter Probleme haben, wenden sie sich an ihn. „Zweimal im Jahr treffe ich irgendwo in der Welt den Dalai Lama“, ergänzt er.

Man braucht ein Papier in Deutschland

Wer in Steinhude von Yonten spricht, sagt Geshe. Dabei ist das gar nicht sein Name, sondern ein Grad, der dem Doktor der Philosophie entspricht. Ein Geshe hat Buddhismus studiert, ist jedoch kein Geistlicher, sondern Spezialist für Logik, Texte, Rituale. Studiert hat er im Gandan-Exilkloster in seinem Geburtsort Dharamsala in Nordindien - jenem Ort, in dem der Dalai Lama und rund 2.000 Exil-Tibeter leben. Das war Yontens Zeit als Mönch.

Seit 14 Jahren lebt Yonten in Deutschland. Er hat an der Humboldt-Universität in Berlin gearbeitet, sein Gebiet war die Tibetologie. Promoviert hat er dort in tibetischer Geschichte. „Man braucht ein Papier in Deutschland“, sagt Dr. Yonten. Der Ruhe ausstrahlende, ausgeglichen wirkende Mann schmunzelt dabei.

Bevor er nach Steinhude zog, hatte er ein Jahr lang in Hannover am buddhistischen Kloster Vien Giac unterrichtet. „Die Vietnamesen haben während des Krieges viel Wissen über den Buddhismus verloren“, erläutert Yonten.

In Steinhude hat er viele Freunde. Dazu gehören der Arzt Ingfried Hobert, der das Weltethos-Projekt an den Steinhuder Schulen initiiert hat, und Heinz Müller, der Organisator der Tibet-Ausstellungen. Dass der Dalai Lama den Ort besucht, liegt allerdings nicht nur am Weltethos-Projekt. Yontens eigenes Projekt „Zukunft für Kinder“ hat sehr viel dazu beigetragen. Er hilft Kindern in Tibet, Indien. Dazu gehört die Tibetan Homes Foundation, ein SOS-Kinderdorf in Mussoorie (Indien). 500 Flüchtlingskinder leben dort.

Die Flüchtlinge nehmen Erfrierungen in Kauf

„Seit 2011 werden die Kontrollen der Chinesen immer schärfer. Die Flüchtlinge nehmen Erfrierungen in Kauf, um endlich ein besseres Leben führen zu können“, sagt Yonten: „Der Dalai Lama kennt und schätzt meine Arbeit seit Jahren und will sie mit seinem Besuch unterstützen.“

Beruflich hat sich Yonten der traditionellen tibetischen Medizin verschrieben, auch die war Teil seiner Ausbildung als Mönch. „Viele Menschen spüren, dass Tabletten allein ihre Krankheit nicht heilen. Ich suche die Ursprünge in der geistlichen, psychischen Ebene“, sagt Yonten. Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen seien für den Erfolg wichtig. Er helfe mit Körperübungen, Yoga und Atemübungen. Dazu gibt es je nach Krankheitsbild tibetische Kräuterpillen.

Die Medizin anderer Völker interessiert ihn auch auf seinen Reisen. Ob indianischer Medizinmann in Kanada oder Schamane in Indien: Yonten sucht in Gesprächen das Verbindende, den Heilungsansatz, der auf dem Ganzheitlichen basiert.

Es gebe Werte, die sich überall in der Welt wiederfinden. Yonten freut sich, dass Schüler bei dem Projekt Weltethos diese Wahrheiten entdecken, die alle großen Religionen einen.

Friedensnobelpreisträger besucht Steinhude

Tendzin Gyatsho (Verteidiger der Lehre) ist der 14. Dalai Lama. Der buddhistische Mönch ist das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter. Er wurde am 6. Juli 1935 im tibetischen Dorf Takster als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Im Alter von zwei Jahren wurde er als 14. Reinkarnation des Dalai Lama erkannt und nach Lhasa gebracht. Am 22. Februar 1940 wurde er inthronisiert. Seine Ausbildung umfasste Dialektik, tibetische Kunst und Kultur, Grammatik und Sprachwissenschaft, Medizin und buddhistische Philosophie. China besetzte Tibet und schlug am 10. März 1959 den Volksaufstand blutig nieder. Rund 90.000 Menschen ließen bis 1960 ihr Leben. Der Dalai Lama und Zehntausende mit ihm flohen. Seit 1960 residiert er in Dharamsala, Nordindien. Dort hat die tibetische Exilregierung ihren Sitz. 1989 erhielt Tendzin Gyatsho für seine Bemühungen um eine gewaltfreie Lösung des Tibetproblems den Friedensnobelpreis. Die korrekte Anrede lautet Seine Heiligkeit.

Jörg Rocktäschel 11.06.2013
Albert Tugendheim 10.06.2013
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