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Umland Wunstorf Nachrichten Feldhamster behindern Hafenpläne am Mittellandkanal
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11:52 02.05.2011
Hamster oder Bauprojekt? Müssen die Nagetiere umgesiedelt werden? Quelle: dpa

Es ist eine kleine, beschauliche Anlegestelle. Am Mittellandkanal, nordöstlich von Wunstorf-Kolenfeld, befindet sich die Kaimauer, dort werden landwirtschaftliche Güter verladen. Dahinter liegen Felder, die Landwirte bauen Zuckerrüben und Weizen an.

Das Gebiet ist beliebt unter anderem bei Radfahrern. Für die Idylle gibt es große Pläne: Ein Hafen mit einer 300 Meter langen Kaimauer soll entstehen, der Platz für vier Schiffe zum Anlegen bietet. Es soll Fläche für Firmen geschaffen werden, um Hallen zu bauen, denn die direkte Nähe zur Autobahn 2 und die Möglichkeit, in das Gelände einen Gleisanschluss zu legen, sind attraktiv. So sollen Güter je nach Bedarf zwischen Zügen, Lastwagen und Schiffen umgeladen werden können.

Weichen für die Zukunft

Die Pläne sind so gut, dass sie sogar der Landeshauptstadt gefallen. Außer Wunstorf und Hannover setzen auch die Wirtschaftsförderer in der Regionsverwaltung viel Hoffnung in das Projekt. „Wir haben uns als Partner angeboten“, sagt der Chef der städtischen Häfen von Hannover, Jörn Ohm. „Damit stellen wir die Weichen für die Zukunft“, heißt es bei der Stadt Wunstorf.

Richtige Baupläne gibt es noch nicht, aber es gibt Projektstudien, Gespräche mit der Bahn und schöne Power-Point-Präsentationen. Und es gibt dort Feldhamster.

Die kleinen Tierchen könnten das Projekt in Schwierigkeiten bringen. Denn wenn die streng geschützten Tiere dort siedeln, wo ein Bauprojekt geplant ist, müssen sich Experten viele Gedanken machen. „Die Region Hannover ist als Naturschutzbehörde an das Bundesnaturschutzgesetz und die europäische Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie gebunden – sie kann also nicht nach Gutdünken verfahren“, sagt Regionssprecherin Christina Kreutz. Das gelte auch, wenn Bauvorhaben dadurch mitunter länger dauerten, als sich die Bauherren das vorstellten, meint sie.

Im Normalfall scheiterten solche Projekte aber nicht an den geschützten Tieren – sie müssen dann umgesiedelt werden.

Die Hamster-Expertin beim BUND, Hannelore Plaumann, hält das aber für eine Notlösung. „Es ist schwierig, wirklich alle Feldhamster zu bekommen, um sie neu anzusiedeln“, sagte die Frau aus Ronnenberg. Die Feldhamster sind Einzelgänger, die sich nur für die Paarung zusammenschließen. „Jedes Tier hat seinen eigenen Bau, oft mit unterschiedlichen Eingängen“, berichtet Plaumann. Außerdem nähmen die Tiere die für sie vorgesehenen neuen Gebiete oft nur schwer an.

Wunstorfs Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt sagt, dass man sich mit der Hamsterfrage auseinandersetzen werde. Von Feldhamstern in dem geplanten Gewerbegebiet sei ihm jedoch nichts bekannt. Allerdings sei der gesamte Bereich „hamsterbelastet“. Eberhardt erwartet, dass die Stadt die Frage mit der unteren Naturschutzbehörde bei der Region einvernehmlich löst. „Von der Hamsterpopulation wird unser Konzept nicht zerschlagen.“

Mathias Klein