Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Fischer legen Berufung gegen Otterschutz ein
Umland Wunstorf Nachrichten Fischer legen Berufung gegen Otterschutz ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:03 07.02.2013
Von Jörg Rocktäschel
Der Streit zwischen den Reusenfischern am Steinhuder Meer und Tierschützern geht weiter.
Der Streit zwischen den Reusenfischern am Steinhuder Meer und Tierschützern geht weiter. Quelle: dpa
Anzeige
Wunstorf

„Der Urteilsspruch gehört korrigiert. Wir bestreiten das Bedrohungspotential durch die Reusenfischerei. Das Gericht ist der Gegenseite sehr weit entgegengekommen“, sagte Carsten Brauer, Vorsitzender des Landesfischereiverbandes, am Dienstagnachmittag nach einem Treffen mit Berufskollegen bei Detlef Hodann, dem Vorsitzenden des Steinhuder Fischereivereins.

Auch ein Vertreter des Verbands der Deutschen Binnenfischerei (VDBI) war dabei. Möglicherweise werde der VDBI federführend den Prozess begleiten, sagte Brauer. Sie rechnen zudem mit der Unterstützung anderer Landesverbände, da diese ebenfalls aufgeschreckt sind.

Die Fischer bestreiten nicht die Schutzwürdigkeit der Tiere und wehren sich auch nicht gegen technisch umgerüstete Reusen. Doch bei deren Zulassung wollen sie mitreden und dies nicht nur dem Otter-Zentrum Hankensbüttel und der Aktion Fischotterschutz überlassen.

Letztere hatte die Klage gegen die Region und die Fischer angestrengt. „In etwa sechs Monaten wären wir mit unserem Prototypen auch so weit gewesen“, schätzt Brauer. Die Reusen dürften nicht nur den Schutz gewährleisten, sondern müssten auch Fänge garantieren. Er bezweifelt, dass dies mit den von der Aktion Fischotterschutz favorisierten Prototypen gelingt, die zurzeit in einem Institut in Potsdam getestet werden.

Weitreichender als das vorläufige Verbot beurteilen Brauer und die Fischer das dem Naturschutzverband vom Gericht zugestandene Mitspracherecht bei einer Verträglichkeitsprüfung der Reusenfischerei. Das Gericht sah die Fischerei als Projekt in dem Naturschutzgebiet Steinhuder Meer an, obwohl die Fischerei schon immer in dem Bereich üblich war.

Dem Fall vergleichbare Entscheidungen höherer Instanzen waren unterschiedlich ausgefallen, auch die Literatur ist nicht eindeutig. Aus diesem Grund ließ das Gericht die Berufung zu.

Sollte das Mitspracherecht in vergleichbaren Fällen durchgesetzt werden, könnte es sein, dass künftig auch der Land- und Forstwirtschaft in der Nähe von Naturschutzgebieten Verträglichkeitsprüfungen drohen, befürchten die Fischer. Sie setzen sich daher auch mit deren Berufsverbänden in Verbindung.

Brauer sieht schwarz bei so einer Zukunft. „Was ist, wenn ein Naturschützer Segler beobachtet, die schützenswerte Vögel aufscheuchen? Muss dann für das Steinhuder Meer auch eine Verträglichkeitsprüfung für Segeln durchgeführt werden?“

Albert Tugendheim 07.02.2013
Albert Tugendheim 05.02.2013
Jörg Rocktäschel 03.02.2013