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11:43 31.01.2018
Heiko Bothe (links), die Familie und fleißige Helfer schneiden die Goji-Pflanzen auf etwa einen Zentimeter zurück. Quelle: Vera Skamira
Hagenburg 

Sie sind klein und rot, schmecken süß, sind vor allem in China beheimatet und fühlen sich auch in hiesigen Breiten wohl, vertragen Temperaturen bis minus 25 Grad. In Hagenburg bauen Landwirt Heiko Bothe und Sohn Henning Goji-Beeren im großen Stil zur Vermarktung an – als erste und wohl bislang einzige Produzenten in Niedersachsen. Selbst in ganz Deutschland gebe es nur sechs bis sieben Hektar Goji-Anbaufläche, so Heiko Bothe.

Bothes, die Landwirtschaft im Vollerwerb betreiben, vor allem 220 Zuchtsauen halten, haben ein Hektar mit der neuen Frucht bepflanzt, gleich hinter dem Wohnhaus Am Vossacker. Hier haben schon Pferde gestanden und Mais. Aber das sei alles zu kleinteilig und unproduktiv gewesen, erklärt Bothe senior.

Für 10 000 Quadratmeter Land wurde also eine sinnvolle Nutzung gesucht. In diesem Fall habe man halt nicht für eine Frucht das passende Stück Land gesucht, sondern umgekehrt, beschrieb Henning Bothe. Heidelbeeren waren in der Familie im Gespräch. Aber diese würden in der Umgebung bereits massenhaft angebaut und außerdem passe der Boden nicht für die Frucht. Auch die Aronia, die Apfelbeere, wurde verworfen. Ada-Sophie Garbe-Bothe (33), Ehefrau von Henning Bothe, setzte sich schließlich für Gojis ein. Die kleinen roten Vitaminbomben, bislang nur getrocknet als China-Import zu haben, bekamen den Zuschlag. Die kleine ovalförmige Frucht gilt als sehr gesund, enthält viele Antioxidantien, Mineralien, Spurenelemente und essenzielle Aminosäuren.

Die roten Goji-Beeren - die ersten Exemplare hat Heiko Bothe 2017 geerntet und eingefroren - sind etwa einen Zentimeter groß. Quelle: Vera Skamira

Nach gründlicher Information über die trendige Beere haben Bothes bei der Biolandgärtnerei Umbach in Heilbronn 7800 Pflanzen der Sorte Turgidus geordert, eine Züchtung, bei der nicht nur die getrockneten, sondern auch die frischen Früchte süß schmecken.

In lange Reihen kamen die Pflanzen in die Hagenburger Erde, alle 50 Zentimeter ein Exemplar. Damit war die Arbeit jedoch nicht getan. Das Nachtschattengewächs wird am Spalier gezogen. Das heißt, in einer Höhe von 50 und 90 Zentimetern musste Draht gezogen werden, gespannt und gehalten von drei Meter hohen Pfählen aus Spannbeton, die jeweils 80 Zentimeter tief in die Erde gebracht sind. Ein hoher Material- und Arbeitsstundenaufwand musste darüber hinaus betrieben werden. Bislang habe man 100 000 Euro in das Projekt investiert, so Heiko Bothe.

Jüngst waren viele Hände damit beschäftigt, die Pflanzen, die leicht drei Meter hoch werden können, auf eine Höhe von 90 Zentimeter zurückzuschneiden und jeweils nur drei Haupttriebe stehen zu lassen. So soll der Ertrag gesichert und gesteigert werden. Im September 2016 wurde gepflanzt, im folgenden Jahr konnten die ersten vier Kilo geerntet werden. Die Menge soll sich freilich erhöhen. Und dann kann die Vermarktung beginnen. Gedacht ist unter anderem an einen Verkauf auf dem Hof.

Die Goji-Beeren, auch als Bocksdorn bekannt, werden als Saft genossen, kommen ins Müsli, in den Joghurt oder werden in Smoothies gemixt. Heiko Bothe ist nicht nur vom Wohlgeschmack der Beere überzeugt, sondern bestätigt die ihr zugeschriebene gesundheitsfördernde Wirkung. Bereits mehrmals habe der Genuss der Beeren bei ihm den Ausbruch einer Erkältung verhindert. Einen Gesundheitsaspekt bringt auf jeden Fall der Anbau der Frucht: viel Bewegung an frischer Luft.

Von Vera Skamira

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