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Umland Wunstorf Nachrichten Rasche will Miegel-Stein im Lager lassen
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11:07 12.01.2017
Der Gedenkstein für Agnes Miegel soll vorerst nicht wieder aufgestellt werden. Quelle: privat
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Wunstorf

"Wenn wir ihn wieder aufstellen, entehren wir die Opfer des Nationalsozialismus, an die wir an anderer Stelle in der Stadt erinnern", sagt Rasche. Er ist Vorstandsmitglied beim Heimatverein Wunstorf, betont aber, dass es sich um seine persönliche Einschätzung handele.

Nach Rasches Ausarbeitung war die 1879 geborene Miegel ein führendes Mitglied des nationalsozialistischen Kulturbetriebs. "Und sie hat sich danach nie öffentlich davon distanziert", wirft Rasche ihr vor. Als 1933 viele Mitglieder aus der Preußischen Akademie der Künstler ausgeschlossen wurden, rückte sie in den Vorstand auf und wirkte an der ideologischen Ausrichtung der Szene mit. Dabei unterschrieb sie selber eine Erklärung, mit der sie sich in den Dienst des Nationalsozialismus stellte. Und in ihren Werken setzte sie das um. Auch wenn sie bei der Entnazifizierung nach dem Krieg als unbelastet galt, kreidet Rasche ihr an, dass sie später kein Zeichen der Reue gesetzt hat.

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Der Heimatforscher setzt sich auch mit der Agnes-Miegel-Gesellschaft auseinander, die in Bad Nenndorf ansässig ist. Dort hatte die Dichterin nach dem zweiten Weltkrieg gelebt. Er wirft dem Verband vor, sie als unpolitisch darzustellen und die Vorgänge in der NS-Zeit zu verniedlichen.

1968, vier Jahre nach Miegels Tod, wurde auf Initiative eines Bekannten der Dichterin der Gedenkstein in Wunstorf aufgestellt. Für Rasche charakterisiert die Zeit gut, dass damals von offizieller Seite eine Initiative keine Unterstützung bekam, das Schicksal der Wunstorfer Juden zu dokumentieren. "Erst nach dem Aussterben der Generation der Täter und Sympathisanten war in vielen Fällen eine Auseinandersetzung mit der NS-Zeit auch auf lokaler Ebene möglich." Den Gedenkstein wieder aufzustellen wäre für Rasche auch ein falsches Signal in Zeiten, in denen rechte Ideologie wieder erwacht.

Von Sven Sokoll