Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Polizist in Wunstorf durch Schuss aus eigener Dienstwaffe verletzt
Umland Wunstorf Nachrichten Polizist in Wunstorf durch Schuss aus eigener Dienstwaffe verletzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:33 11.03.2011
Von Tobias Morchner
Zum zweiten Mal löst sich ein Schuss aus der Dienstwaffe eines 58-Jährigen. Quelle: Christian Elsner

Die Beamten des Polizeikommissariats Wunstorf stehen wegen eines tragischen Unfalls unter Schock. Ihr Kollege, der 58-jährige Oberkommissar Klaus D., hat sich am Donnerstagvormittag auf der Wache vor den Augen seiner Therapeutin eine lebensgefährliche Schussverletzung zugefügt. Beim Einstecken seiner Pistole in das Schulterholster löste sich eine Kugel und traf den Beamten im Brustbereich. Die Expertin für Traumatherapie war deswegen im Kommissariat, weil sich der 58-Jährige vor gut einem Jahr unter denselben Umständen einen schwere Schussverletzung zugefügt hatte.

Am Donnerstag wollte die Psychologin das damals Geschehene mit dem Oberkommissar, der seit dem ersten Unglücksfall keine Waffe tragen durfte, in dessen Büro aufarbeiten und ihn so wieder auf das Tragen seiner Dienstwaffe vorbereiten. Nach ersten Erkenntnissen hatte Klaus D. für die therapeutische Übung das Magazin seiner Dienstwaffe geleert, dabei aber offenbar vergessen, dass sich noch eine Patrone im Lauf der „Heckler & Koch P 2000“ befand. Warum sich beim Holstern der Waffe der Schuss löste, ist derzeit unklar. Der 58-Jährige wurde von einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht und dort operiert.

Er ist inzwischen außer Lebensgefahr. Auch die Umstände des ersten Unglücks am 12. Januar 2010 sind nach wie vor nicht restlos geklärt. Damals hatte D. seine P 2000, die nicht wie das Vorgängermodell über eine mechanische Sicherung verfügt, aus dem Schrank genommen, sie vorschriftsmäßig in der sogenannten Ladeecke, einer mit Sand gefüllten Kiste, durchgeladen um sie anschließend in das Holster zu stecken. Dabei löste sich der Schuss. Nach seiner Genesung war der Wunstorfer Beamte unter anderem als EDV-Spezialist im Innendienst, bei der Schulwegüberwachung und bei Fahrradkontrollen eingesetzt.

Seit April 2010 befand er sich in psychologischer Betreuung. Seit gut drei Monaten trainierte er regelmäßig mit einem Schießtrainer der Polizeidirektion die praktische Handhabung seiner Waffe. Einmal nahm er bereits an einer Schießübung teil. Im Zuge der Ermittlungen nach dem Unglück am Donnerstag geht die Polizei auch der Frage nach, warum bei der Übung eine echte Waffe und keine Attrappe zum Einsatz kam und warum der 58-Jährige selbst und nicht einer seiner Kollegen die P 2000 aus Sicherheitsgründen entladen hat.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdL) forderte unterdessen die Polizeidirektion Hannover auf, sich intensiv mit den Unglücksfällen zu beschäftigen. „Jetzt muss überprüft werden, ob künftig die Waffenhandhabungen auf den Dienststellen, also die Übungen mit den Schusswaffen, nicht intensiviert werden müssen“, sagte GdL-Landeschef Dietmar Schilff. Die Dienstwaffe vom Typ P 2000, die noch nicht sehr lange von den Beamten benutzt wird, sei technisch nicht problematisch. „Es kommt immer auf die individuelle Handhabung an“, sagte er.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!