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00:15 12.03.2017
Von Anke Lütjens
Fünf Tage haben sich die Schüler um die Babysimulatoren gekümmert - eine wichtige Erfahrung für sie.
Fünf Tage haben sich die Schüler um die Babysimulatoren gekümmert - eine wichtige Erfahrung für sie. Quelle: Lütjens
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Wunstorf

Lehrerin Inka Pursche unterrichtet die 16- bis 17-jährigen Schüler in Biologie. Für den Themenbereich Sexualerziehung hat sie sich um das Projekt Eltern auf Probe der Region Hannover bemüht. Dafür musste sie sogar eine Fortbildung machen. Die Schule hat die Aktion finanziert. Die Teilnahme war für die Schüler freiwillig. "Manche Männer haben sich gleich raus gezogen und wollten gar nicht", sagt Pursche. Andere wie Dominic und Marcel schon.

Füttern, wickeln, waschen, anziehen, wiegen, Bäuerchen machen - und das rund um die Uhr: Die Real Care Babysimulatoren geben täuschend echt den Tagesablauf eines vier bis sechs Wochen alten Säuglings wieder. Zu verdanken ist das einer empfindlichen Computertechnik, die per Identifikator am Handgelenk gesteuert werden kann. Dafür erhalten die Schüler für die Dauer des Projekts ein nicht abnehmbares Armband, durch das "ihr Baby" die Eltern auf Zeit erkennt.

Es gibt vier Programme in unterschiedlichen Rhythmen und drei Stufen: leicht, mittel und schwer. Schule, Freizeit, unterwegs und zuhause - das Baby ist immer dabei. Es schläft und schreit, es muss versorgt und beruhigt werden. "Das macht Spaß und ist auch schön, aber eine Belastung für den Alltag", sagt Dominic. "Ein Kind ist mit Schule nicht zu vereinbaren", ergänzt Mitschülerin Inken. Marie hat festgestellt, dass sie keine Zeit mehr für sich hatte, weil sie stets beim Baby sein musste.

Mit Hilfe von Sensoren wird die Behandlung des Babysimulators gespeichert. Es reagiert auf gute Versorgung, falsche Positionierung, fehlende Stütze im Nacken, grobe Behandlung und Gewalt. Am Ende des Projektes wertet die Lehrerin die Aufzeichnungen aus.

Ziel des Projektes ist, den Jugendlichen die Aufgaben von Eltern nahezubringen und ihnen eine verantwortungsvolle Entscheidung vor dem Entstehen einer Schwangerschaft zu ermöglichen. Ein Baby verändert das Leben, es erfordert Wissen, Zeit und Zuwendung. Diese Botschaft ist bei den IGS-Schülern angekommen. "Es war eine Erfahrung", sagt Janina. Jetzt können sie und ihre Mitschüler wieder ruhig schlafen.

Fotostrecke Wunstorf: Babys bereiten Schülern schlaflose Nächte