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16:49 05.02.2017
Regattasegeln in den Dreißiger Jahren.
Regattasegeln in den Dreißiger Jahren. Quelle: privat
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Steinhude

Während Deutschland nach dem verlorenen Weltkrieg einen Systemwechsel erlebte, sich vom Kaiserreich zur Demokratie wandelte, große Wirtschaftskrisen sowie eine Phase kultureller Blüte erlebte, vollzog auch der einst so verschlafene Ort am Südufer einen tiefgreifenden Wandel.

Fortschreitende Industrialisierung der einst handwerklichen Branchen wie Weberei, Gerberei und Tischlerei hinterließen im Fischer- und Weberort ebenso ihre Spuren wie der Tourismus - auch dieser habe insbesondere in den Jahren zwischen den Weltkriegen dort Fuß gefasst, berichten Fesche und andere Heimatforscher in ihren Werken.

Insbesondere die Steinhuder-Meer-Bahn brachte immer mehr Erholung suchende Gäste in den Ort. "Das Meer wurde zum Ziel für ein Massenpublikum, das nun vor allem zum Baden und zum Treiben von Wassersport kam", so Fesche. Zusätzlich zum Strandhotel (gebaut 1899) bauten in den folgenden Jahren insbesondere Hannoveraner auch immer mehr Wochenend- und Ferienhäuser am Ufer. Mit all dem sei auch eine stärkere Belastung von Natur und Landschaft einhergegangen, berichtet Fesche - eine frühe Umweltbewegung habe sich dagegen gewandt.

"Die große Anziehungskraft des Sees schließlich lockte auch Prominenz aus Kultur und Politik an, Repräsemntanten des schönen Scheins und der rauen Wirklichkeit", so Fesche, "so spiegelte sich in Steinhude Glanz und Elend der Weimarer Republik."

Wer mehr dazu wissen will, kann den Vortrag des Stadtarchivars mit dem Titel "Von Wochenend und schönem Schein" beim Heimatverein, Ortsgemeinschaft Seeprovinz, besuchen: Mitglieder und Gäste sind für Mittwoch, 15. Februar, 19 Uhr, in den Schaumburger Hof eingeladen, Graf-Wilhelm-Straße 22. Der Eintritt ist frei.

Fesche weist darauf hin, dass der Vortrag ein Vorgriff auf eine geplante Ausstellung zum Thema Weimarer Republik in Wunstorf ist, die 100 Jahre nach Gründung der ersten parlamentarischen Demokratie auf deutschem Boden (November 1918) gezeigt werden soll. Außer dem Stadtarchiv sind auch das Forum Stadtkirche, der Heimatverein Wunstorf und die Steinhuder Museen beteiligt, eventuell kämen noch weitere Kooperationspartner hinzu.

Steinhude um 1932: das Fischerhus an der heutigen Graf-Wilhelm-Straße. Quelle: privat

Von Kathrin Götze