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Wunstorf Darum wachsen am Steinhuder Meer jetzt Gojibeeren
Umland Wunstorf

Superfood: Am Steinhuder Meer ist Gojibeeren-Erntezeit

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13:52 23.09.2019
Landwirt Henning Bothe steht auf seinem Feld in Hagenburg und erntet Goji-Beeren. Quelle: Sina Schuldt/dpa
Steinhude

Sie gilt als supergesund und liegt seit einiger Zeit im Trend – die Gojibeere oder, ein bisschen weniger exotisch, der gemeine Bocksdorn. Viele kennen die rot-orangene Wunderbeere in getrockneter Form, meistens importiert aus China. In Hagenburg am Steinhuder Meer gibt es seit vergangenem Jahr nun auch frische Früchte, direkt vom Feld der Familie Bothe.

Seit Mitte Juli ist die Ernte in vollem Gange. An den Büschen, die bis zu vier Meter hoch werden, hängen hunderte tropfenförmige Beeren. „Dieses Jahr rechnen wir bei ungefähr 7800 Pflanzen mit einer Ernte von 700 bis 800 Kilo“, sagt Henning Bothe. 2018 waren es nur 270 Kilo. „Die Gojibeeren tragen erst im dritten Jahr die ersten Früchte, die Höchstausbeute ist dann erst vier, fünf Jahre später zu erwarten“, erklärt der Jungbauer. Die Beeren werden auf dem Hof Hagenburg alle von Hand geerntet, in der Hauptsaison jeden Tag.

Die Gojibeere, die zum sogenannten Superfood zählt, ist in Deutschland derzeit noch ein Nischenprodukt. „Bei uns in Niedersachsen gibt es einige experimentierfreudige Landwirte“, weiß Gabi von der Brelie, Sprecherin des Landvolks Niedersachsen. Die Schwierigkeit für die Landwirte bestehe darin, dass entsprechende Know-How für die Anbautechnik zu bekommen.

Die Gojibeere enthält viele Vitamine und Mineralstoffe. Quelle: Sina Schuldt/dpa

45.000 Euro Investition – allein für die Pflanze

Eine Erfahrung, die auch Henning Bothe machte. „Zuerst dachte ich, dass der Anbau an sich das Schwierige wird, im Nachhinein eine absolute Fehleinschätzung.“ Viel aufwendiger sei es gewesen, das Fachwissen für den Start der Plantage zu finden. Bevor er mit dem Pflanzen überhaupt starten konnte, reiste er quer durch Deutschland, immer auf der Suche nach einem der raren Experten, der ihm alles über die Superfrucht erzählen kann. „Bevor man solch eine Investition macht, sollte man sich schon informieren“, findet er. Rund 45.000 Euro hat er allein für die Pflanzen bezahlt.

Die reifen Beeren, die frisch, süßlich und im Nachgang ein wenig bitter schmecken, verkauft er direkt am Hof oder in den umliegenden Supermärkten. Der 30-Gramm Becher kostet 4,50 Euro. „Das kann man halt nicht so wegnaschen wie Heidelbeeren, das wird sonst schon ein teurer Spaß.“ Die tägliche Verzehrempfehlung der Gojibeere liegt bei 25 bis 35 Stück. Erst dann kann sie ihre vermeintliche Superkraft entfalten.

Landwirt Henning Bothe fährt mit einem Traktor über sein Goji-Beeren-Feld. Quelle: Sina Schuldt/dpa

Superfood? Wissenschaftlicher Beweis fehlt

Wissenschaftlich belegt ist die tatsächliche Wirkungsweise bislang jedoch nicht, meint Sonja Schäche vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE). „Die Gojibeere hat aufgrund ihrer Nährstoffkonzentration aber ein vielversprechendes Potenzial.“ Die roten Beeren enthalten reichlich Vitamin C und verschiedene Mineralien. „Zudem liefern sie mit beachtlichen Mengen an Polysacchariden und Carotinoiden bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe“, führt Schäche aus. Der Trendbeere wird nachgesagt, dass sie die Abwehrkräfte stärkt, den Blutzucker senkt und eine Anti-Aging-Wirkung hat. Weniger exotisch, aber von den Inhaltsstoffen her vergleichbar, ist nach Angaben von Schäche zum Beispiel die einheimische schwarze Johannisbeere.

Doch nicht nur die vielversprechende Wirkung ist nach Ansicht des DIfE Grund für den Gojibeeren-Hype. „Vermutlich sind die Beeren auch deshalb besonders hip, weil sie aus exotischen Gefilden kommen und in Europa bis vor einiger Zeit komplett unbekannt waren“, meint Schäche. Hennig Bothe kann diese Behauptung bestätigen. Er selbst habe sich für den Anbau entschieden, weil es etwas Neues ist, was es in der Region so noch nicht gibt. Der Fokus lag darauf, ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen. „So etwas braucht man heute, wenn man mit der Landwirtschaft erfolgreich sein will.“

Bioanbau statt Pestizidbelastung

In Verruf gerät die Gojibeere regelmäßig, weil sie, insbesondere in der getrockneten Form, in der Vergangenheit durch extreme Pestizidbelastung aufgefallen ist. Für Familie Bothe einer von vielen Gründen, den Anbau komplett auf Bio umzustellen. Neben dem ökologischen Faktor auch eine Sache der Vermarktung. „Wir glauben, dass der Markt im Bio-Segment für Gojibeeren deutlich größer ist“, verrät Bothe. Nach leichten Startschwierigkeiten verkaufen sich seine Beeren inzwischen gut. „Ich bin überzeugt davon, dass sich die Gojibeere in Deutschland etablieren wird.“

Von Marie Nehrenberg-Leppin/dpa/RND

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