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Wunstorf 150 Jahre Posaunenchor: Wie ein Missionar die Bläser nach Großenheidorn brachte
Umland Wunstorf

Wunstorf: 150 Jahre Posaunenchor: Wie ein Missionar die Bläser nach Großenheidorn brachte

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18:42 17.09.2019
Gut aufgestellt: Der Posaunenchor hat derzeit 34 aktive Mitglieder. Vergleicht man Fotos von heute mit historischen Bildern des Chors, fällt auf, dass er heute deutlich jünger besetzt ist als früher. Quelle: Posaunenchor Steinhuder Meer-Großenheidorn
Großenheidorn

„Wenn Sonne und Mond den Schein verlieren und die Sterne vom Himmel fallen, werden Engel mit hellen Posaunen das Ende der Zeit ankündigen“, schreibt der Evangelist Matthäus in der Bibel. Wenn am Freitag in Großenheidorn die Posaunen aus dem Festzelt ertönen, kündigen sie von einem ungleich fröhlicheren Ereignis. Der Posaunenchor Steinhuder Meer-Großenheidorn feiert am Wochenende auf der Pfarrwiese sein 150-jähriges Bestehen. Auch wenn dort am Freitag vermutlich keine Engel vom Himmel herabsteigen, ist die Geschichte des Chores doch eng mit der evangelischen Kirche verbunden. Ein charismatischer Prediger der Erweckungsbewegung veranlasste 1869 einen Kirchenvorsteher, im Dorf einen Posaunenchor zu gründen.

Ursprung in der Erweckungsbewegung

Am Wochenende feiert der Posaunenchor Steinhuder Meer-Großenheidorn sein 150-jähriges Bestehen. Hier eine kleine Zeitreise in die Geschichte des Traditionsvereins.

An der heutigen Dorfstraße 35 lebte damals der Kirchenvorsteher Dietrich Schwabe. Einen eigenen Pastor hatte Großenheidorn zu der Zeit nicht. Vielleicht war das auch ein Grund, weshalb Schwabe mit Begeisterung die Zeltmissionen im Umland besuchte. Dort hielt der charismatische Missionar Ludwig Harms flammende Predigten. Der „Erwecker der Heide“ gilt als einer der bedeutendsten Erweckungsprediger des 19. Jahrhunderts. Bei seinen Freiluftgottesdiensten setzte er regelmäßig kräftige Posaunenchöre ein. Der Prediger und seine Bläser beeindruckten den Großenheidorner Kirchenvorsteher so sehr, dass dieser beschloss, im Ort einen eigenen Chor auf die Beine zu stellen. „Vom lebendigen Glauben erfüllt, rief er die jungen Leute des Dorfes zusammen, um mit ihnen zur Ehre Gottes die Posaunen erklingen zu lassen“, heißt es dazu in einer Festschrift zum 100-jährigen Bestehen 1969.

Projekt Zukunftsmusik gibt es seit zehn Jahren

50 Jahre später spielt der Posaunenchor jährlich bei rund 20 Gottesdiensten der Gemeinden Großenheidorn und Steinhude. „Es gibt keine Probe, die nicht mit einem Vaterunser endet“, schreibt die Kirchenvorstandsvorsitzende Ute Peters in der aktuellen Festschrift. Die anhaltende Verbindung zur evangelischen Kirche ist ein wesentliches Merkmal, das viele der rund 6000 Posaunenchöre in Deutschland von anderen Blaskapellen unterscheidet. Vergleicht man die historischen Bilder und Programme der alten Festschriften mit den jüngsten Auftritten, fallen aber auch die Unterschiede ins Auge: Der Großenheidorner Posaunenchor von 2019 ist größer, jünger und musikalisch längst nicht mehr auf Kirchenmusik begrenzt.

Vor zehn Jahren begann der große Wandel. „Damals haben wir das Projekt Zukunftsmusik gestartet“, sagt Chorleiter Jörg Nickel. Er wurde damals mit dem Umbau der traditionsreichen Gruppe beauftragt. Als Nickel selbst in den späten Siebzigerjahren zur Posaune griff, hatte die Runde nicht mal ein Dutzend Mitglieder. Auftritte bei Zeltmissionen hat er selber noch erlebt – vieles war noch wie in den Anfangstagen. Das hat sich geändert.

Bürgermeister verleiht Pro-Musica-Plakette

Für seine besonderen Verdienste um die Pflege der Instrumentalmusik wird der Posaunenchor im Jubiläumsjahr mit der Pro-Musica-Plakette des Bundespräsidenten ausgezeichnet. Es ist das erste Mal, dass ein Verein aus Wunstorf diese Auszeichnung erhält. Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt überreicht die Plakette am Sonntag im Anschluss an den Bläsergottesdienst im Festzelt. „Diese Ehrung hat sich der Posaunenchor redlich verdient, und ich bin stolz, bei der Verleihung dabei sein zu dürfen“, sagt Eberhardt.

Neue Zielgruppe: Erwachsene, die angekommen sind

Heute sind es 34 Aktive, Tendenz steigend. Zeigen alte Fotos ein greises Männerorchester, spielen nun vier Generationen in dem Ensemble. Neben der Kirchenmusik werden auf Konzerten auch bekannte Stücke aus der Film- und Popmusik gespielt. Neben der Posaune gehören dabei Trompeten, Flügel- und Waldhörner, die Tuba und das Euphonium zum Instrumentarium des Chors. Die können auch Laien ohne musikalische Vorbildung und ohne eigenes Instrument spielen lernen. „Seit dem Beginn der Zukunftsmusik haben wir selbst 21 Bläserinnen und Bläser ausgebildet“, sagt Nickel. Auf die erfolgreiche Nachwuchsgewinnung ist das Ensemble stolz. Der Chorleiter weiß, dass es ohne dieses Engagement 2069 keine Feiern zum 200-jährigen Bestehen geben wird. „Wir müssen am Ball bleiben. Was wir aufgebaut haben, kann genauso schnell wieder vorbei sein“, sagt er.

Für 2020 hat der Posaunenchor deshalb eine neue Strategie zur Nachwuchssicherung. „Wir wollen gezielt Erwachsene aus Großenheidorn und Steinhude ansprechen“, sagt er. Die Achillesferse vieler Vereine ist der Übergang von der Jugend ins Erwachsenenalter. Dort verliert auch der Posaunenchor regelmäßig Mitglieder, die zum Studieren oder Arbeiten ihre Heimat verlassen. Der Posaunenchor will deshalb verstärkt Erwachsene ansprechen, die bereits angekommen sind.

Die nächste Ausbildung soll im Januar/Februar 2020 beginnen. Interessenten können sich bereits unter Telefon (0163) 1683854 oder mit einer E-Mail an joergnickel@freenet.de vormerken lassen.

Das Festprogramm am Wochenende

Am Freitag, 20. September, findet um 18 Uhr das Jubiläumskonzert im Festzelt auf der Pfarrwiese an der Klosterstraße statt. Das Motto lautet „150 Jahre – Posaunenchor im Wandel der Zeit“.

Am Sonntag, 22. September, beginnt um 11 Uhr ein Bläsergottesdienst im Festzelt. Dazu werden mehr als 100 Bläser von Posaunenchören aus der Umgebung erwartet. Der Landesbischof der Schaumburg-Lippischen Landeskirche, Karl-Hinrich Manzke, und der Obmann des Evangelischen Posaunendienstes in Deutschland, Rolf Bartels, nehmen daran teil. Wunstorfs Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt verleiht die Pro-Musica-Plakette des Bundespräsidenten an den Chor.

Um 15 Uhr schließen die Feierlichkeiten in der Thomaskirche, Klosterstraße, mit einem Konzert des professionellen Bläserquartetts Classic Brass Ruhr aus Ostwestfalen.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

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Von Mario Moers

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