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Wunstorf Angelsportverein setzt Krebse in Tonkuhle
Umland Wunstorf Angelsportverein setzt Krebse in Tonkuhle
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15:59 21.10.2018
Der Vorsitzende des Angelsportvereins Luthe Jan Schiffers setzt europäische Flusskrebse in der Luther Tonkuhle aus.
Der Vorsitzende des Angelsportvereins Luthe Jan Schiffers setzt europäische Flusskrebse in der Luther Tonkuhle aus. Quelle: Rita Nandy
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Luthe

Sauberes Wasser, Versteckmöglichkeiten sowie ausreichend Pflanzen und Kleinstlebewesen als Nahrung: Diese idealen Bedingung für europäische Flusskrebse herrschen im Pflanzenfilterbecken des Naturerlebnisbades Luthe. Dort fühlen sich die vom Aussterben bedrohten Tiere äußerst wohl und entwickeln sich prächtig.

350 von ihnen zogen nun in die Luther Tonkuhle um. An verschiedenen Stellen setzte der Vorsitzende des Angelsportvereins (ASV) Luthe, Jan Schiffers, die Tiere am Sonnabend ins vereinseigene Gewässer. Die Voraussetzungen für die Entstehung einer neuen Population sind ideal. Das ist keine Selbstverständlichkeit. In vielen Fließgewässern und Seen hat sich bereits der amerikanische Flusskrebs breit gemacht. „Dieser überträgt die Krebspest“, erklärt Matthias Emmrich vom Anglerverband Niedersachsen.

Der Verband ist Kooperationspartner des Artenschutzprojektes. Normalerweise kommt diese Art hier nicht vor, doch sie wird in Zoohandlungen verkauft. Diese sollen die Käufer davor warnen, die amerikanischen Krebse in heimische Gewässer auszusetzen. Doch nicht jeder halte sich daran, wenn er seinen Gartenteich aufgebe, bedauert der Vereinsvorsitzende Schiffers. „Der europäische Flusskrebs stirbt binnen 24 Stunden nach Kontakt mit dem Krebspest-Erreger.“

Der Angelsportverein Luthe hat in Kooperation mit dem Anglerverband Niedersachsen europäische Flusskrebse in die Tonkuhle gesetzt. Die rund 350 Tiere kommen aus dem Pflanzenfilterbecken des Luther Bads.

Um zu testen, ob die Vereinsgewässer des ASV Luthe auch tatsächlich frei von amerikanischen Krebsen sind, legten Vereinsmitglieder und Fischereibiologe Emmrich über einen längeren Zeitraum Krebsreusen aus. Dabei stellte sich heraus, dass einzig die Tonkuhle für den Besatz mit europäischen Edelkrebsen geeignet ist.

Eine Empfehlung für dieses Artenschutzprojekt gab es auch vom Fischereikundlichen Dienst des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Außerdem wurden die Luther Angler vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung im September in eine Studie aufgenommen. Ziel ist, einen Handlungsleitfaden zu erarbeiten, wie europäische Edelkrebstämme erhalten, beziehungsweise die Zahl der Populationen erhöht werden können. Die Resultate, unter anderem aus der Neuansiedlung in der Tonkuhle, sollen später beispielsweise Anglerverbänden zur Verfügung gestellt werden.

Von Rita Nandy