Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wunstorf Aufbau für Weimar-Ausstellung beginnt in der Stadtkirche
Umland Wunstorf Aufbau für Weimar-Ausstellung beginnt in der Stadtkirche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 05.05.2019
Die Ausstellung "Wunstorf in der Weimarer Republik" wird in der Stadtkirche aufgebaut: Hinrich Ewert (links), Katja Ippisch.
Die Ausstellung "Wunstorf in der Weimarer Republik" wird in der Stadtkirche aufgebaut: Hinrich Ewert (links), Katja Ippisch. Quelle: Sven Sokoll
Anzeige
Wunstorf

Eine Woche vor dem Eröffnung hat am Donnerstag der Aufbau der Ausstellung „Wunstorf in der Weimarer Republik – Demokratie zwischen den Katastrophen“ in der Stadtkirche begonnen. Mitglieder des Arbeitskreises haben zunächst die 36 bis dahin sorgfältig eingepackten Tafeln von einem großen Stapel genommen und in der Kirche verteilt. Stellwände standen da schon bereit.

Seit zweieinhalb Jahren hatte eine Runde aus Stadtarchiv, Forum Stadtkirche, Fischer- und Webermuseum, Hölty-Gymnasium und den Heimatvereinen aus Wunstorf und der Seeprovinz an dem gemeinsamen Projekt gearbeitet. 100 Jahre nach dem Beginn der Weimarer Republik sollte nach dem Vorbild der Erste-Weltkriegs-Ausstellung von 2014 jetzt ein Bild erarbeitet werden, wie die Demokratie sich in Wunstorf etablierte – und welche Lehren sich für die heutige Zeit ziehen lassen.

In der Stadtkirche entsteht in den nächsten Tagen eine große Ausstellung.

„Das Weimarer Beispiel zeigt ebenso wie die gegenwärtige Situation: Demokratie liegt in den Händen der Menschen, die in ihr leben; sie zu bewahren, erfordert aktives Eintreten“, schreibt der Erste Stadtrat Carsten Piellusch in seiner Einladung zur Eröffnung. Doch in der Ausstellung wird nicht nur zu sehen sein, wie zum Beispiel die Kommunalpolitik nach anderen Regeln betrieben wurde. Auch in anderen Bereichen der Gesellschaft veränderte sich viel.

Auch Sport und Kultur spielen großes Rolle

So geht es auf einer Tafel um das Motorradrennen um den Goldenen Löwen, auf einer anderen um das Boxen, das sie etabliert. In der Kultur wecken die Kinos und das Radio großes Interesse und der Wunstorfer Joost Schmidt wird ein wichtiger Lehrer an der fortschrittlichen Bauhaus-Schule in Dessau. Das Hölty-Gymnasium wurde gegründet. Die Inflation und die Weltwirtschaftskrise sorgten auch in Wunstorf für wirtschaftliche Herausforderungen und die Frauen bemühten sich, eine stärkere Rolle in der Gesellschaft zu bekommen als bisher.

„Die Thementafeln sind alle rechtzeitig fertig geworden“, sagte Stadtarchivar Klaus Fesche zufrieden. Nun geht es darum, alles richtig anzuordnen. „Es gibt einen Stellplan, aber wir müssen in der Praxis sehen, ob er funktioniert“, sagte Fesches Mitarbeiter Hinrich Ewert. Zu den Tafeln kommen auch noch zeitgenössische Objekte wie ein Motorrad und die Fahne des Luthers Reichsbanners, eines Wehrverbands zur Verteidigung der Demokratie. Eine Litfaßsäule, wie sie früher im Straßenraum gestanden hat, wird mit zeitgenössischen Plakaten behängt. Auch Schaukästen mit weiteren Objekten werden noch aufgestellt. Rechtzeitig zur Eröffnung wird auch eine Begleitbroschüre zu der Ausstellung fertig sein.

Steinhuder Ausstellung folgt eine Woche später

Die Ausstellung in der Stadtkirche wird am Donnerstag, 9. Mai, um 19 Uhr eröffnet und ist dann bis zum 23. Juni dienstags, donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr und an den Wochenenden von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Der Ausstellungsteil im Steinhuder Fischer- und Webermuseum wird am Mittwoch, 15. Mai, um 19 Uhr eröffnet und wird dann bis Ende August betrachtet werden können, und zwar dienstags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr.

Weitere Veranstaltungen werden das Projekt begleiten. Zunächst hält Gerhard Radtke am Mittwoch, 22. Mai, ab 19.30 Uhr in der Abtei unter dem Titel „Unglückliche Liebe“ einen Vortrag über das Verhältnis von Schriftsteller Kurt Tucholsky zur Weimarer Republik. Nach weiteren Terminen beschließt der frühere HAZ/NP-Redakteur und Historiker Bernd Riedel die Reihe. In der Stadtkirche wird er am Mittwoch, 28. August, ab 19 Uhr die Verbindung zwischen der Weimarer Verfassung und dem späteren Grundgesetz darstellen.

Von Sven Sokoll