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Wunstorf Die syrische Künstlerin Roaa Obaid schafft Zeitzeugen aus Ton
Umland Wunstorf

Wunstorf: Die syrische Künstlerin Roaa Obaid schafft Zeitzeugen 

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19:15 01.10.2019
Die Syrerin Roaa Obaid (33) lebt seit dreieinhalb Jahren in Wunstorf. Die Fluchterfahrung prägt heute ihre Arbeit. Quelle: fotos: Mario Moers
Wunstorf

Roaa Obaid schafft Kunstwerke, die Zeitzeugen sind. Der faustgroße rote Tonkopf etwa, mit den Pausbacken und der aufgeplatzten Schädeldecke. „Kind nach Angriff tödlich am Kopf getroffen“, ist der Titel. „IS-Kämpfer mit zwei Mädchen“ lautet der einer anderen Tonfigur.

Vor dreieinhalb Jahren ist Obaid mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern vor dem Krieg in Syrien geflohen. Nach Aufenthalten in Camps und Wohnheimen lebt die Familie heute in einer eigenen Wohnung in Wunstorf. „Es war ein gefährlicher, langer Weg“, sagt die 33-Jährige. Vor dem Krieg war die junge Frau auf der Zielgeraden ihres Kunststudiums.

Kunststudium in Damaskus

Wie viele syrische Exil-Künstler, deren Arbeiten derzeit vielerorts ausgestellt werden, besuchte sie den Studiengang Bildende Kunst an der Universität von Damaskus. Flucht- und Kriegserfahrungen prägt die eindringliche Kunst der Flüchtlinge, die man vielleicht sogar als eigene, zeitgeschichtlich bedingte Gattung bezeichnen könnte. „Wenn ich eine Arbeit beginne, wird sie zu dem, was ich gerade denke“, sagt Obaid. Bis etwa vor einem Jahr war das augenscheinlich das, was gerade hinter der jungen Familie lag.

Roaa Obaid - "Frau, die sich mit eigener Kraft aus der Gefangenschaft befreit" Quelle: Mario Moers

Als die Familie aus dem ersten Exil in Dubai über die Türkei in das winterliche Deutschland floh, wurde die älteste Tochter Joulya schwer krank. Der Wechsel von 40 Grad Hitze zu Minus 12 Grad und die Ungewissheit des fremden Landes waren zu viel für die heute Siebenjährige. „Eine Mutter schützt ihre Kinder“, heißt eine Skulptur, die Obaid jetzt erstmalig mit ihren anderen Arbeiten zum „Länderabend: Syrien in der Abtei ausgestellt hat. Auffällig und stark ist die Bandbreite der Themen, in der Obaid ihre persönliche Auseinandersetzung mit dem Krieg in Ton festhält. Auf der einen Seite ist da das rohe Leid, symbolisiert in einer verrußt-rostigen Maske und einem IS-Kämpfer. Wie ein aus Schlamm geformter Golem hält der bärtige Mann zwei Kinderköpfe vor seiner Brust. Er scheint zu lachen, den Mund weit aufgerissen. Die Köpfe der Mädchen wirken kraftlos, die Augen sind geschlossen.

Es gibt aber auch die schützende Mutter, die „Politiker, die sich im Kreis drehen“ und eine „Frau, die sich mit eigener Kraft aus der Gefangenschaft befreit“. Die Künstlerin ist nicht nur Opfer, sondern auch eine starke Frau, die sich und ihre Familie körperlich und seelisch zusammenhält.

Zeitzeugen aus Ton

Konkrete Gewalt, sensibel verarbeitet. Die syrische Künstlerin Roaa Obaid hat nach ihrer Flucht in offenen Kunstprojekten Skulpturen geschaffen, die bewegen.

Aus dem Süden des Landes stammend (As-Suwaida) zog Obaid allein in die Hauptstadt, verdiente ihr eigenes Geld, etwa als Kunsterzieherin. „Für meine Eltern war das Kunststudium nie ein Problem. Ich komme aus einer sehr offenen Familie“, erzählt sie. As-Suwaida ist die Heimat der Drusen, einer Religionsgemeinschaft, zu der auch Obaid zählt.

In Wunstorf führte der Weg zurück zur Kunst über ein städtisches Malprojekt für Geflüchtete. In einem umgenutzten Container in Großenheidorn begann sie zu malen – in einer Töpfergruppe der St.-Bonifatius-Gemeinde konnte sie töpfern. Zu Hause in der Zweizimmerwohnung kommt die Mutter heute kaum mehr dazu, künstlerisch zu arbeiten. Joulya, Marian und ihr Jüngster Joseph halten sie auf Trab.

Roaa Obaid - "Mutter schützt ihre Kinder" Quelle: Mario Moers

Und dann ist da immer diese Unsicherheit. „Wir haben nur eine begrenzte Aufenthaltserlaubnis, es gibt keine Stabilität“, sagt sie besorgt. An den Krieg und die Flucht will sie nicht mehr ständig denken. Stattdessen träumt sie von einer Wohnung, die groß genug ist für ein eigenes Atelier. „Ich will jetzt Kunst machen, die etwas Glückliches zeigt“, sagt Obaid. In ihren Skulpturen ist ihre Geschichte verewigt.

Von Mario Moers

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