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Wunstorf Experte bedauert: „Viel Wissen über die Natur ist verloren gegangen“
Umland Wunstorf

Wunstorf Karl-Heinz Girod bleibt Naturschutzbeauftragter der Region Hannover für Wunstorf

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16:00 09.01.2020
Karl-Heinz Girod trägt mit einem Insektenhotel in seinem Garten zur Artenvielfalt bei. Quelle: Sven Sokoll
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Steinhude

Karl-Heinz Girod ist für weitere fünf Jahre Naturschutzbeauftragter der Region Hannover für Wunstorf. Nachdem die Regionsversammlung ihn im Dezember bestätigt hat, hat Umweltdezernentin Christine Karasch ihm am Dienstag die Urkunde überreicht.

Naturschutzbeauftragte sind gesetzlich vorgesehen und agieren ehrenamtlich, um ein unabhängiger Mittler zwischen Naturschutzbehörde und Bürgern sein zu können. Die Region hat 26 bestellt, in Hannover und Neustadt wegen ihrer größeren Fläche jeweils mehrere.

Umweltdezernentin Christine Karasch überreicht die Urkunde an Karl-Heinz Girod. Quelle: Claus Kirsch/Region Hannover

Für Wunstorf war bereits vor 25 Jahren ein Nachfolger für Günter Wollenzien gesucht worden, und Girod kam als Vorsitzender des Naturschutzbundes in den Blick. Häufig übernehmen Vertreter der Naturschutzverbände, aber auch Jäger und Landwirte diese Aufgabe.

Wissen über Natur ist verloren gegangen

Schon früh hat er sich als Kind für die Natur, vor allem für Vögel interessiert. Er stammt auch aus einer Landwirtfamilie und erinnert sich: „Eigentlich wollte ich Förster werden, doch mein Vater wollte lieber etwas Handwerkliches.“ Nach Bundeswehr und Abitur war er in der Umweltschutztechnik tätig und bildete sich in einem Kontaktstudium in Ökologie fort.

„Seit 35 Jahren mache ich damit haupt- oder nebenamtlich Naturschutz.“ Mittlerweile ist er zwar Rentner, doch die Funktion als Naturschutzbeauftragter kostet zu Spitzenzeiten, vor allem in der Brut- und Setzzeit, auch schon mal acht bis zehn Stunden in der Woche.

Hier hat jemand das Gelege von Graugänsen zerstört. Quelle: privat

„Ich habe in den 25 Jahren festgestellt, dass bei den Menschen viel Wissen über die Natur verloren gegangen ist“, erzählt Girod bedauernd. Den Leuten sei früher eher bewusst gewesen, was der Lauf der Natur ist, welche Gefahren möglicherweise von ihr ausgehen und welche vielleicht auch gerade nicht. Das Leben mit der Natur sei selbstverständlicher gewesen.

Öffentlichkeitsarbeit ist deshalb auch ein wichtiger Teil, und so macht Girod auch Führungen, aber meistens über andere Institutionen wie die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer. Im Nabu ist er auch weiter tätig und kümmert sich dort um das Thema Artenschutz.

Girod muss auch mal laut werden

Häufig muss Girod reagieren, wenn Bürger sich bei ihm melden. „Wenn irgendwo im Freien eine Säge knattert, klingelt bei mir meist bald das Telefon.“ Vielfach bekommt er Hinweise auf möglicherweise bedrohliche Hornissen- und Wespennester. 2018 waren es sogar 130 – im Jahr davor und danach waren es rund 50.

Wespennester wie dieses sind häufiger der Grund für Anrufe bei Karl-Heinz Girod. Quelle: privat

„90 Prozent sehe ich mir dann vor Ort an und darf auch entscheiden, was damit passiert.“ Das Anspruchsdenken habe dabei zugenommen. Wer ein Nest in seinem Haus hat, könne aber nicht von der Allgemeinheit erwarten, die Kosten für eine Beseitigung zu tragen.

Bei seinen Kontrollgängen muss er auch mal laut werden, etwa wenn ein Hundebesitzer während der Brut- und Setzzeit seinen Liebling auch beim dritten Aufeinandertreffen noch nicht angeleint hat. „Es ist also nicht unbedingt ein Job, um sich Freunde zu machen.“ Manchmal werde der Naturschutz aber auch für Dinge verantwortlich gemacht, mit denen er gar nichts zu tun hat.

Müll in der Natur verärgert auch den Naturschutzbeauftragten. Quelle: privat

Allerweltsarten dürfen nicht aus dem Blick geraten

Der Beauftragte arbeitet auch mit der Stadt zusammen. So ist er Ende vergangenen Jahres wieder mit umhergefahren, um abzusprechen, wie die Gehölze zurückgeschnitten werden. „Dabei einigt man sich eigentlich immer auf einen Weg, die Zusammenarbeit ist gut.“ Auch zu Bebauungsplanverfahren kann Girod immer Stellungnahmen abgeben.

Der Biber hat an den Wunstorfer Flüssen schon vielfach Spuren hinterlassen. „Wir überlegen gerade, ob wir Bäume deshalb mit einem Schutz versehen. Girod freut sich darüber, dass er und andere besondere Tiere wie die Störche und Adler in der Region auf dem Vormarsch sind. „Aber wir dürfen darüber die Allerweltsarten nicht vergessen, von denen viele gefährdet sind.“

Die Biber hinterlassen mittlerweile wieder häufiger ihre Spuren. Quelle: privat

Greta Thunberg hat etwas in Bewegung gebracht

Die Artenvielfalt zu erhalten sei deshalb weiter eine der wichtigsten Aufgaben. „Dank Greta Thunberg ist ja jetzt einiges in Bewegung geraten, vielleicht dient das auch dem Natur- und Landschaftsschutz.“

Übertrieben findet Girod allerdings die Debatten um den Wolf. Ein Tier, das ein Kalb in Großenheidorn gerissen hat, ist später tot aufgefunden worden. Sonst habe diese Art in Wunstorf keine sichtbaren Spuren hinterlassen. „Ich hätte mehr Bedenken vor Wildschweinen – die gibt es mittlerweile wirklich wieder in jedem Ort.“

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Von Sven Sokoll

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