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Wunstorf Abtei Wunstorf: Künstler stellen Mittellandkanal in den Fokus
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Wunstorf: Künstlergruppe stellt Mittellandkanal in die Fokus

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17:00 31.10.2019
Eröffnung der interaktiven Ausstellung „Mittelland“ in der Abtei. Mit dem Thema Mythosbildung beschäftigt sich die Gruppe um Autor Bernd Ellerbrock (rechts). Quelle: Rita Nandy
Wunstorf

Die Künstlergruppe Syndikat Gefährliche Liebschaften setzt sich in einer außergewöhnlichen Ausstellung mit dem Mittellandkanal auseinander. Äußerst gelungen war der Ausstellungsbeginn am Donnerstagvormittag mit Gesprächen über die Zukunft der Wasserstraße in der Abtei. Die vier Akteure teilten die Besucher in vier Gruppen zu den Themen Nachwuchs, Vergemeinschaftung, Diplomatie und Mythosbildung auf. Für die Zuordnung stellten die Künstler verschiedene Fragen.

Silvan Stephan (von links), Alishe Spalthoff, Marleen Wolter und Nadja Sühnel eröffnen die interaktiven Ausstellung „Mittelland“ in der Abtei. Quelle: Rita Nandy

Fragerunde teilt Ausstellungsbesucher auf

Zunächst wurden jene Zuhörer separiert, die wegen der Ausstellung gekommen waren. Die weiteren Auswahlkriterien lauteten: „Wer hat schon einmal den Kanal befahren, überquert in regelmäßig oder ist in ihm geschwommen?“. Leicht beschämt gab eine Besucherin preis, schon einmal etwas in den Kanal geworfen zu haben. Wer etwas beruflich mit der längsten deutschen Wasserstraße zu tun hat oder auch regelmäßig dort mit dem Rad entlang fährt, qualifizierte sich für den Workshopbereich „Nachwuchs“. Die Teilnehmer dort sollten Ideen gegen den Nachwuchsmangel sammeln. Als Experte stand ihnen Thorsten Steigert zur Seite.

Ein Binnenschiff fährt auf dem Mittellandkanal. Quelle: Rita Nandy

Binnenschifffahrt ist ein umweltfreundliches Transportmittel

„Ich bin seit 23 Jahren in der Binnenschifffahrt tätig“, sagte Steigert von der Niedersächsischen Verfrachtungsgesellschaft Hannover (NVG) am Rande der Veranstaltung. Er freue sich, dass mit der Ausstellung der Mittellandkanal die Wertschätzung erhalte, die er verdiene. Wasserstraßen verbänden die Nutzer anders als Autobahnen, erläuterte Steigert. Sportboot- und Binnenschifffahrt funktionierten friedlich nebeneinander. Auf den Schnellstraßen dagegen bestimme Aggressivität von Autofahrern und Güterverkehr den Umgang. Die Binnenschifffahrt werde endlich auch in der EU als ein umweltfreundliches Transportmittel wahrgenommen. Was viele nicht wüssten: Es gebe mehr Binnenhäfen als Güterbahnhöfe. Steigert bedauerte jedoch den Investitionsstau der dringend renovierungsbedürftigen Schiffsbauwerke.

Thorsten Steiger (rechts) von der Niedersächsischen Verfrachtungsgesellschaft diskutiert mit seiner Gruppe über Nachwuchsgewinnung. Quelle: Rita Nandy

Mit Plakaten für Ausbildung werben

Die Nachwuchsgewinnung bereitet ihm zudem Sorgen. Pro Jahr bildet die NVG drei Jugendliche zu Binnenschiffern aus. 150 Bewerbungen erhalte das Unternehmen jährlich. „Es werden immer weniger“, bedauerte Steigert. Wer für eine Ausbildung an Bord gehen möchte, benötige einen Haupt- oder Realschulabschluss, Naturverbundenheit, Teamfähigkeit und technisches Interesse. Die Verdienstmöglichkeiten lägen nach der Ausbildung bei etwa 2500 Euro, sagte er seinen Workshopteilnehmern. Um mehr auf diesen Beruf aufmerksam zu machen, schlugt ein Besucher eine Plakataktion vor und nannte als positives Beispiel die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr.

Mittellandkanal wurde in Abschnitten gebaut

Nach dem Zweiten Weltkrieg verkehrten auch Fähren über den Mittellandkanal, erzählte Bernd Ellerbrock in seiner Gruppe „Mythosbildung“. Grund war die Zerstörung der Brücken. Ellerbrock hat sich in seinem Buch „Der Mittellandkanal. 325 Kilometer Wasserstraße von A –Z“ intensiv mit der künstlichen Wasserstraße auseinandergesetzt. Anders als andere Kanäle sei dieser als einziger in mehreren Abschnitten gebaut worden. „Das hat immer mit den politischen Verhältnissen zu tun“ erläuterte der Autor und Fotograf. Während früher Bürgerkomitees den Ausbau der Infrastruktur vor der Haustür begrüßten, stieß er in den Achtzigerjahren auf Protest. „Im Wasser spiegelt sich 150 Jahre deutsche Geschichte wider“, sagte Ellerbrook.

Eröffnung der interaktiven Ausstellung „Mittelland“ in der Abtei. Dirk Arnemann (Mitte) übernahm die Bunkerstation in Lohnde, die sein Großvater gebaut hatte. Zum Thema Vergesellschaftung hebt er den sozialen Aspekt der Feierabendstellen hervor. Quelle: Rita Nandy

Die interaktive Ausstellung „Mittelland“ in der Abtei, Wasserzucht 1, ist noch bis Sonntag, 3. November, jeweils von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Eröffnung der interaktiven Ausstellung „Mittelland“ in der Abtei. Vier Gruppen beschäftigen sich mit dem Mittellandkanal. Quelle: Rita Nandy

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Von Rita Nandy

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