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Wunstorf Landwirte kritisieren Auswahl des Nitrat-Messpunkts
Umland Wunstorf

Wunstorf: Landwirte kritisieren Auswahl des Nitrat-Messpunkts 

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17:16 26.11.2019
Anlieger und Nebenerwerbslandwirt Frank Mühlke bezweifelt, dass der Brunnen am Blumenauer Schützenplatz ein sinnvoller Messpunkt ist. Quelle: Sven Sokoll
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Wunstorf

Nach neuen Einschränkungen der Landesregierung zum Düngen sind viele Wunstorfer Landwirte verärgert. Rund 30 von ihnen haben nach Angaben von Bezirkslandwirt Torben Wegener auch an der Demonstration in Berlin teilgenommen, bei der die Landwirtschaft ihren allgemein großen Unmut zum Ausdruck gebracht hat.

In der vergangenen Woche hat das Land die sogenannten roten Gebiete beschlossen, in denen der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eine zu große Nitrat-Belastung festgestellt hat. Dazu zählt auch der Brunnen Am Blumenauer Garten als einzig erfasster im Wunstorfer Stadtgebiet. Die Landwirte sind indes der Meinung, dass er eigentlich für ganz andere Zwecke angelegt worden ist. Anlieger und Nebenerwerbslandwirt Frank Mühlke hat eine entsprechende Anfrage an das NLWKN geschickt und wartet noch auf Antwort.

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Brunnen liegt an alter Mülldeponie

Neben dem Blumenauer Schützenhaus befand sich einmal eine Sandgrube, die erst zum Teich wurde und bis in die Siebzigerjahre als Mülldeponie genutzt worden ist. Weil der Deponiekörper nach unten nicht abgedichtet war, entstanden drei Kontrollbrunnen, von denen zwei noch existieren. Auch hier werde der Nitrat-Grenzwert von 50 Gramm pro Liter in den nächsten Jahren wohl unterschritten werden. Jedoch: „Bei dieser Sachlage sollten auch Laien einsehen, dass die Landwirtschaft diesen Brunnen nicht beeinflussen kann“, schreiben die Landwirte in ihrer Erklärung.

Nur noch 80 Prozent der Düngemenge erlaubt

Trotzdem dürfen in weiten Teilen Wunstorfs die landwirtschaftlichen Felder jetzt nur noch mit 80 Prozent der Mengen gedüngt werden, die über die vergangenen Jahre im Betrieb eingesetzt wurden. „Die Pflanzen werden also nicht ausreichend versorgt“, betonen die Landwirte. Das lasse die Erträge sinken. Zudem dürfe bei der nächsten Düngeplanung dann noch weniger Dünger eingesetzt werden, eine „Abwärtsspirale“ entstehe. Dabei werde im Boden Humus abgebaut – und das, obwohl sich mit dem Aufbau von Bodenhumus gut CO2 binden lasse.

Investitionen werden gefordert

Außerdem müssen die Landwirte nach den neuen Vorgaben ihr Lager so vergrößern, dass sie Gülle, Gärrest und Mist für den Bedarf von sieben statt bisher sechs Monaten zurückhalten können. Die Landwirte geben an, dass diese Investition einen durchschnittlichen Betrieb mit Viehhaltung etwa 50 Prozent eines Jahreseinkommens koste.

Sie weisen zudem darauf hin, dass andere Brunnen im Stadtgebiet keine überhöhten Nitrat-Konzentrationen anzeigen und die Landwirte im Bereich zwischen Wunstorf und Kolenfeld im Wasserschutzgebiet Barne schon seit Mitte der Achtzigerjahre freiwillig verstärkt Rücksicht auf das Grundwasser nehmen. Doch nicht nur hier soll künftig ein rotes Gebiet liegen, der Bereich reicht sogar über die Stadtgrenzen hinweg. Die Landwirte betonen, dass sie nicht gegen Naturschutz sind. Aber: „Wir möchten gehört werden und Konzepte mitentwickeln.“

Von Sven Sokoll