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Wunstorf Nabu warnt: Schwalbenbestände gehen weiter zurück
Umland Wunstorf

Wunstorf: Mehlschwalbenbestände gehen weiter zurück

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18:15 03.06.2019
Eine Mehlschwalbe beim Einsammeln von Nistmaterial. Quelle: Eric Neuling
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Wunstorf

Die Boten des Sommers sind zurück in der Region: Mehlschwalben. Doch Karl-Heinz Nagel vom Nabu ist besorgt: „In diesem Jahr ist die Masse unserer Mehlschwalben endlich mit reichlich Verspätung eingetroffen. Wir stellen jedoch mit Erschrecken fest, dass der Bestandsrückgang seit Jahren weiterhin anhält.“ In manchen Ortsteilen sei überhaupt kein Brutvorkommen feststellbar. 2014 sei der Brutbestand in ganz Niedersachsen noch auf circa 80.000 Brutpaare geschätzt worden. „In den letzten 80 bis 100 Jahren ist der Bestand stark zurückgegangen.“ Für 2019 gebe es noch keine neueren Zahlen, aber Kurz- und Langzeittrends verschiedener ornithologischer Verbände würden diese Annahme bestätigen, sagt Nagel. Und der Vorsitzende des Nabu kennt auch die Gründe dafür und die haben vor allem mit dem Fortschritt zu tun: Mehlschwalben finden aufgrund von Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden immer weniger geeignete Nistmöglichkeiten und Nahrungsangebot wird aufgrund des Insektensterbens knapp.

Gartenfreunde können von den Schwalben profitieren

Ein weiteres Problem sei zudem, dass die Nester bewusst von Menschen beseitigt würden. „Viele Bürger stören sich daran, dass ihre Balkone, Fensterbretter oder Hauswände durch Schwalbenkot verschmutzt werden.“ Eine Lösung hierfür könnten sogenannte Kotbrettchen sein, die 60 Zentimeter unter den Schwalbennestern angebracht werden und den Schmutz abfangen. Von dem abfallenden Schmutz würden vor allem Gartenfreunde profitieren: „Der Kot eignet sich hervorragend als Blumendünger“, sagt Nagel.

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Der Nabu weist ausdrücklich daraufhin, dass Schwalben nach Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes geschützt sind. Der Vorsitzende macht deshalb deutlich: „Das Zerstören von Schwalbennestern auch außerhalb der Brutzeit stellt eine Straftat dar.“ Ausnahmegenehmigungen für das Beseitigen der Nester müsste bei der Unteren Naturschutzbehörde eingeholt werden.

Wer möchte, kann sich vom Nabu eine Auszeichnung für ein schwalbenfreundliches Haus ausstellen lassen. Schwalbenfreundlich ist, wer die Vögel duldet und nicht bekämpft oder sogar eine künstliche Nisthilfe aus Holzbeton unter dem Dach installiert.

Von Marleen Gaida