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Wunstorf Radtour informiert über Schulentwicklung in Wunstorf
Umland Wunstorf

Wunstorf: Radtour informiert über Schulentwicklung in Wunstorf

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17:00 24.05.2019
Stadtführung zur Wunstorfer Schulgeschichte: Zwei Lehrerinnen und Sabrina Bauch (Mitte) hören Stadtführer Norbert Tornow zu. Quelle: Rita Nandy
Wunstorf

Geschichtsunterricht muss nicht trocken und langweilig sein. Das zeigte Stadtführer Norbert Tornow am Donnerstagabend bei seiner lehrreichen und unterhaltsamen Radtour zur Schulgeschichte Wunstorfs. „Es ist interessant, dass nur Frauen teilnehmen“, sagte er zur Begrüßung. Diese spielten anfangs nämlich keine große Rolle in der Schule. Den Treffpunkt für die Führung vor der Stiftskirche hatte er nicht zufällig gewählt. Auf den Gelände erhielten die ersten Knaben im Herrenstift Unterricht. „Wir wissen nicht, wo hier der Unterricht abgehalten wurde“, erläutert Tornow.

Schulunterricht mal anders. Stadtführer Norbert Tornow informiert auf einer zweistündigen Radtour unterhaltsam über die Wunstorfer Schulgeschichte im Wandel der Zeit.

Eltern erhielten für Schulbesuch der Kinder Geld

Neben der Stiftsschule gab es auch eine städtische Abteilung. Diese besuchten Mädchen und Jungen die ersten zwei Jahre. Die Jungen gingen dann für weitere zwei Jahre auf die Stiftsschule. Bei der Einschulung waren die Kinder zwischen acht und zehn Jahre alt. Die Eltern schickten ihre Kinder nicht gern zur Schule. Arbeitskraft ging dadurch verloren. So erhielten Bedürftige sogar Geld, damit der Nachwuchs zum Unterricht kam. Lehrer hatten anfangs einen schlechten Ruf. Häufig wurden für diese Aufgabe arbeitslos gewordene Soldaten und Vagabunden eingesetzt.

Bildung gewann erst nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) an Bedeutung. „Kaufleute und Handwerker hatten sich in den Städten etabliert“, erzählt Tornow. Ab 1790 wurde die heutige Dechanei, damals Versammlungshaus, an der Stiftsstraße für den Unterricht genutzt. Als erstes Schulgebäude entstand 1890 die rote Stadtschule (heutiges Bauamt). Ende 1950 wurden dort rund 1400 Schüler in elf Klassenräumen unterrichtet. Als zusätzliches Gebäude wurde die weiße Stadtschule errichtet. 1973 musste sie der Umgehungsstraße weichen.

Höhere Schule entsteht nach Bürgerbefragung

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Wunstorf keine weiterführende Schule. Eine Bürgerbefragung im Jahr 1903 ergab, dass 90 Eltern bereit wären, ihre Kinder in Wunstorf einzuschulen. Im ehemaligen Königlichen Postamt an der Alten Bahnhofstraße entstand die private Höhere Mädchen- und Knabenschule. 1910 erhielt sie den Namen Scharnhorstschule.

Nur Fräuleins durften unterrichten

Das Hölty-Gymnasium an der Hindenburgstraße wurde 1874 zunächst als Lehrerseminar, später als Oberrealschule, geschaffen. Nach siebenjährigem Schulbesuch und drei Jahren waren die Jungen bereits Lehrer. „Mein Großvater hat das Lehrerseminar besucht“, erzählt Tornow, der in seine Fußstapfen trat. Er studierte Englisch, Erdkunde und Biologie auf Lehramt. Seine berufliche Laufbahn führte ihn jedoch anschließend nicht an die Schule, sondern ins Gefängnis. „Ich war bundesweit der erste Diplompädagoge im Landesdienst.“ Die ersten acht Abiturienten verließen 1928 die Schule. Es gab auch schon Lehrerinnen. „Sie wurden nur als Fräulein beschäftigt“. Als Frau verloren sie Beruf und Pensionsansprüche. „Erst 1957 wurde das Lehrerinnenzölibat aufgehoben.“ In den alten Trakt der Schule, dem heutigen Oberstufengebäude, zogen 1911 die Mädchen von der Höheren Realschule, ein, die Jungen folgten. „Bis 1976 pulsierte hier das Scharnhorstleben.“

Die zweistündige Führung, die mit einer kirchlichen Einrichtung begann, endete nach fünf Kilometern an der Evangelischen IGS am Nordbruch. Doch zunächst war dort ab 1976 die Orientierungsstufe, Klasse 5 und 6, untergebracht. Es folgte die Haupt- (Erich-Kästner-Schule) und Scharnhorst-Realschule und schließlich die Umwandlung in eine Gesamtschule. 2010 startete sie als städtische Schule, ein Jahr später übernahm das evangelische Schulwerk die Trägerschaft.

„Die Führung war sehr lehrreich und aufschlussreich. Eine gute Mischung“, lobte eine Teilnehmerin, die als Lehrerin in Großenheidorn unterrichtet. „Ich fand es sehr spannend“, lautete das Fazit von Sabrina Bauch, die in der Stadtverwaltung für die Stadtführungen zuständig ist.

Weitere Fahrrad-Führungen geplant

Die nächste kostenlose Führung mit dem Rad ist am Sonnabend, 25. Mai. Dabei geht es um „Jüdisches Leben in Wunstorf“. Treffen ist um 10 Uhr am Jüdischen Friedhof an der Nordrehr. Über die Schulgeschichte Wunstorf informiert Norbert Tornow wieder am Sonnabend, 1. Juni, 13.30 Uhr. Los geht es an der Stiftskirche. Wer mitradeln möchte, muss sich im Stadtarchiv unter Telefon (0 50 31) 10 13 26 anmelden.

Von Rita Nandy

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