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Wunstorf Schüler machen Schau über Gebrüder Lazarus zur Multimediaausstellung
Umland Wunstorf

Wunstorf: Schüler des Hölty-Gymnasiums erweitern Ausstellung über jüdische Gebrüder Lazarus

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18:09 12.12.2019
Autor Heiner Wittrock sieht zu, wie Lucia (von links), Ben und Aron sich mit dem jüdischen Leben in Wunstorf beschäftigen.
Autor Heiner Wittrock sieht zu, wie Lucia (von links), Ben und Aron sich mit dem jüdischen Leben in Wunstorf beschäftigen. Quelle: Sven Sokoll
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Wunstorf

Zur Veranstaltungsreihe gegen Antisemitismus, die mehrere Partner für den Zeitraum vom 19. bis zum 27. Januar in Wunstorf planen, will das Hölty-Gymnasium eine Ausstellung beisteuern. Am Donnerstag hat der Geschichtskurs von Lehrer Lars Kreye aus dem zehnten Jahrgang einen Einblick in die Vorbereitungen gegeben.

Das Gymnasium hatte bereits vor fünf Jahren die Ausstellung „Stufen eines Leidensweges“ entwickelt, die das Schicksal der früheren jüdischen Schülern Ernst und Ludwig Lazarus in die damaligen Vorgänge in Wunstorf und im Dritten Reich einbettet. Der Anlass war ein entstehendes Denkmal für sie. Die Zwillinge waren im April 1938 an die Schule gekommen, mussten sie aber nach der Reichspogromnacht am 10. November wieder verlassen. Die Familie galt nach ihrer Deportation im Jahr 1942 als verschollen.

Die Zwillinge Ernst und Ludwig Lazarus (Pfeile) sind auf einem Klassenfoto der Stadtschule mit Lehrer Friedrich Beushausen zu sehen. Das Bild stammt aus dem Buch "Das Schicksal der Juden in Wunstorf" von Heiner Wittrock. Quelle: privat

Ausstellung wird multimedial

Die Ausstellung über die Zwillingsbrüder ergänzen die Schüler nun mit kurzen Filmen und Tonbeiträgen, die die Besucher mit Hilfe eines QR-Codes auf ihrem Handy abrufen können. „Sie sollen die Ausstellung in das multimediale Zeitalter heben“, sagte Kreye. Der Kurs mit Schülern der Klassen 10G4 und 10F1 hatte sich auch schon an der Ausstellung zur Zeit der Weimarer Republik beteiligt. Dieses Mal sollte der Arbeitsaufwand etwas geringer sein.

Anlass für die Veranstaltungsreihe gegen Antisemitismus ist der 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Koordinator Heiner Wittrock ist zum Thema auch als Autor aktiv geworden und war am Donnerstag mit dabei.

Die frühere Hölty-Schülerin Isabella Notarianni enthüllt 2016 das Denkmal nach ihrem Entwurf für die jüdischen Gebrüder Lazarus vor dem Hölty-Gymnasium Wunstorf. Quelle: Sven Sokoll

Die Schüler berichteten zunächst, welche Erkenntnisse sie zu ihren sechs Themenbereichen bisher gewonnen haben. Die Gruppe, die sich mit der Erinnerungskultur auseinandersetzt, hatte sich vorab gewünscht, auch auf die jüngsten antisemitischen Vorfälle einen Blick zu werfen. An Tag von Wittrocks Besuch waren die Schüler gerade dabei, sogenannte Storyboards zu erstellen. Sie sind das Drehbuch für ihre Beiträge.

Eröffnung für den 23. Januar geplant

In der Gruppe, die sich mit dem jüdischen Leben in Wunstorf beschäftigte, bündelten die Schüler zunächst Informationen über die jüdische Gemeinde, die sich unter anderem bei der Familie Goldschmied getroffen hat, und wollten dann das Schulwesen als nächstes behandeln. „Es ist interessant, sich so direkt mit Wunstorfer Themen zu befassen“, sagt Ben.

Projektarbeit hat auch Lehrer Kreye schon während seiner Schulzeit interessiert. „Deshalb setze ich das gern mit Schülern fort“, sagt er. Nachdem er an die Schule gekommen ist, hat er entdeckt, dass auch in der Vergangenheit schon viel Erinnerungsarbeit gelaufen ist und 1988 ein Reader zu den Gebrüdern entstanden ist, der heute noch ein wertvolle Quellengrundlage ist. „Es berührt die Schüler vor allem schnell, wenn sie lesen, dass die beiden hier direkt gegenüber gewohnt haben“, sagt Kreye.

Die Ausstellung des Hölty-Gymnasiums soll am Donnerstag, 23. Januar, am 17 Uhr in der Info des Heimatvereins im Keller des Wunstorfer Rathauses eröffnet werden. Interessierte haben vier Wochen Zeit, sie dort während der Öffnungszeiten zu betrachten. Für Schulklassen und andere Gruppen wollen die Organisatoren aber auch weitere Termine anbieten.

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Wunstorf gedenkt der Wunstorfer Juden

Jahr für Jahr wird bundesweit, so auch in Wunstorf, an die Ermordung der Juden gedacht. Gleichzeitig würden jedoch in Deutschland zunehmend Juden beleidigt und angegriffen. „Sie müssen, wie der Anschlag in Halle gezeigt hat, gar wieder um Leib und Leben fürchten. Der braune Ungeist gewinnt zunehmend an Raum. Hass und Gewalt breiten sich aus“, schreibt Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt. Dem müsse man sich widersetzen. „Wir sind verpflichtet, dazu beizutragen, dass sich Juden in Deutschland wohlfühlen und ein angstfreies Leben führen können“, sagt Eberhardt.

Daher hat sich die Stadt Wunstorf entschlossen, ihr Gedenken an die Wunstorfer Juden am Montag, 16. Dezember, um einen Programmpunkt zu erweitern. Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbands der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, wird über das Thema „Deutsche Juden oder nur noch Juden in Deutschland angesichts eines neuen braunen Terrors?“ ab 14.30 Uhr in der Abtei, Wasserzucht 1, sprechen. Um 15 Uhr folgt die Kranzniederlegung am Mahnmal.

Von Sven Sokoll