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Wunstorf Was wird aus der ehemaligen Schokoladenfabrik in Steinhude?
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Wunstorf: Was wird aus der ehemaligen Schokoladenfabrik in Steinhude?

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17:14 06.11.2019
Das Gebäude der ehemaligen Schokoladenfabrik Am Anger 6 steht aktuell leer. Zuletzt befand sich darin ein Gasthaus. Quelle: Mario Moers
Steinhude

Die ehemalige Schokoladenfabrik in Steinhude gilt als eine der ältesten in Deutschland. 1765 erteilte Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe der Manufaktur, die sich am heutigen Anger 6 befand, eine Konzession. 1951 wurde die Steinhuder Schokoladenproduktion eingestellt, später zog dort eine Gastwirtschaft ein.

Ein historisches Foto zeigt die Schokoladenfabrik, in der sich bis in die Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts das Gasthaus Zur Linde befand. Quelle: privat / Sammlung Rudolf Diersche

Bisher nur Mutmaßungen über Investor

Nun wird das mehr als 250 Jahre alte Gebäude im Herzen Steinhudes höchstwahrscheinlich verkauft. Entsprechende Verhandlungen sind nach Informationen dieser Zeitung offenbar bereits gelaufen, der Transfer allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen. Was aus dem historischen Gebäude werden soll, ist derweil noch unklar. Gemunkelt wird über Abriss und Wohnbebauung. Der potenzielle Käufer wollte sich bisher nicht zu seinem Vorhaben äußern. „Über den Investor gibt es bislang nur Mutmaßungen, er hat sich dem Ortsrat noch nicht vorgestellt“, sagt Ortsbürgermeister Wilhelm Bredthauer (SPD).

Ungewöhnliche Geschichte

Schon 1725 soll an der Stelle ein Johann Heinrich Schwabe eine Schokoladenmacherei in Handarbeit betrieben haben. Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe hatte dort 1756 eine „Fürstlich schaumburg-lippische Hof-Schokoladenfabrik“ gegründet. Dabei zog er auch portugiesische Fachleute zu Rate, wie es in Meyers Konversationslexikon von 1920 heißt. Die frühe Historie der Schokoladenfabrik hat der Lokalhistoriker Rudolf Diersche in dem Buche „Steinhude ... bevor die Fremden kamen“ (1999) zusammengetragen.

Das ehemalige Gasthaus Am Anger 6 in Steinhude hat einmal die wohl älteste deutsche Schokoladenfabrik beherbergt. Nun laufen die Verkaufsverhandlungen.

Die Steinhuder Schokoladenproduktion wurde ihm zufolge 1951 eingestellt. Ursachen waren die Verteuerung des Rohstoffes sowie ein Brand in einer Scheune, in dem für 14.000 Mark Verpackungsmaterial lagerte. Zudem produzierte die moderne Industrie die Schokoladenerzeugnisse weitaus billiger. Zuletzt arbeiteten in der Schokoladenfabrik 35 Frauen in drei Schichten. Mitte der Fünfzigerjahre bis 1974 produzierte die Konditorei Dornbusch in Steinhude nochmals eine eigene Schokolade, teils in den alten Originalformen. Diese Formen seien in Privatbesitz, berichtet Jürgen Engelmann, Vorsitzender der Ortsgemeinschaft Seeprovinz im Schaumburg-Lippischen Heimatverein.

Eine historische Gußform aus der Steinhuder Schokoladenproduktion. Quelle: privat / Sammlung Rudolf Diersche

Familie verabschiedet sich

Schon zur Zeit der Schokoladenproduktion lebte in dem Haus die Familie Fehrmann, in deren Besitz es sich auch bis zuletzt befand. Gerhard Fehrmann und seine Frau Erika betrieben dort nach Schließung der Fabrik das Gasthaus Zur Linde. Der inzwischen verstorbene Wirt wurde unter dem Dach der Schokoladenfabrik geboren, schon die Großeltern arbeiteten und wohnten dort. Nach dem Tod der ehemaligen Wirtin in diesem Sommer verabschiedet sich die Familie nun offenkundig auch von dem Gebäude.

Trotz seiner außergewöhnlichen Bedeutung für Steinhude steht das Haus offenbar nicht unter Denkmalschutz. In den Sechzigerjahren wurde es mehrfach umgebaut. „Das mit dem Denkmalschutz hätte man in der Vergangenheit machen müssen. Jetzt hätte man wenig Aussicht auf Erfolg wie das Beispiel mit dem Gasthaus Blumenau zeigt“, sagt Bredthauer.

Bedauern im Ort

„Wenn es verschwindet, ist das schade, weil das Haus eine besondere Fassade hat und zwei große Linden davor stehen“, kommentiert der Vorsitzende des Heimatvereins die Gerüchte um den möglichen Verkauf. Er kann sich eine Erinnerungstafel an dem Ort vorstellen. „Wir wollten schon immer eine Tafel mit dem Hinweis auf die historische Schokoladenfabrik am Haus aufstellen. Vielleicht klappt das ja mit dem neuen Besitzer“, meint Engelmann zuversichtlich.

Eine alte Werbung für die Steinhuder Schokoladenproduktion. Quelle: privat / Sammlung Rudolf Diersche

Von Von Anke Lütjens und Mario Moers

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