Einfach mal Rot sehen

Hagebutten pflanzen: Das müssen Sie beachten

An der Hundsrose, der Rosa canina, wachsen Hagebutten – aber längst nicht an jedem Rosenstrauch.

An der Hundsrose, der Rosa canina, wachsen Hagebutten – aber längst nicht an jedem Rosenstrauch.

Wer jetzt durch die Natur streift und einmal bewusst darauf achtet, entdeckt sie auf einmal überall: im Wald, an Wegrändern oder an Gebäudemauern. Waren sie bislang noch grün gefärbt, wechseln die Hagebutten nun langsam ihre Farbe und leuchten rot an den Sträuchern.

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Dass sie vor allem dort zu sehen sind, hat einen Grund: „Die wilden Rosensträucher, an denen die Hagebutten wachsen, schneidet meist niemand“, sagt Klaus Körber. Er arbeitet als Landwirtschaftsdirektor an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau und ist seit 2021 Vizepräsident der Rosengesellschaft, die Rosenliebhaber und Rosenliebhaberinnen aus ganz Deutschland vereint.

Hagebutten wachsen nicht an jedem Rosenstrauch

Die Hagebutte ist die Frucht der Rose. Dennoch zeigt sie sich längst nicht an jedem Rosenstrauch. Körber erklärt, woran das liegt: „Wenn die erste Blütephase vorüber ist, schneidet man die verblühten Rosenköpfe gerne ab. Dieser Rückschnitt stimuliert eine zweite und bei manchen Sorten auch dritte Blühphase.“

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Werden die Blüten nicht geschnitten, entwickeln sich später die Früchte.

Werden die Blüten nicht geschnitten, entwickeln sich später die Früchte.

Für die Pflanze bedeutet das jedoch, dass eine bereits befruchtete Blüte auch abgeschnitten wird und somit keine Frucht ausbilden kann. Nach einer zweiten oder dritten Blühphase fehlt ihr dafür zudem die Zeit. Denn wenn der Herbst vor der Tür steht, werden die Tage kürzer und die Sonne strahlt in flacherem Winkel auf die Erde – somit reicht ihre Intensität nicht mehr aus, um Früchte reifen zu lassen.

Anders sieht das aus, wenn die Rose ihre Kraft nach der Blüte in ihre Früchte investieren kann: „Wenn im Juni der erste Blütenflor einsetzt, bleiben der Rose bis zum Herbst noch einige Monate, um Hagebutten auszubilden“, sagt Körber.

Form und Größe unterscheiden sich von Sorte zu Sorte

In der Regel sind es vor allem Wildrosen, die nur einmal im Jahr blühen und anschließend Hagebutten ausbilden. Ihre kultivierten Verwandten blühen hingegen mehrmals. Das bedeutet jedoch nicht, dass nur Wildrosen Hagebutten ausbilden. Im Gegenteil, sagt Experte Körber: „Tatsächlich bilden viel mehr Sorten Hagebutten aus, als man denkt, darunter auch solche, die öfter blühen oder gefüllte Blüten tragen. Einzig bei extrem stark gefüllten Sorten ist das nicht der Fall.“

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Denn bei diesen würden Züchtungen die Staubblätter mit den Pollen daran in Blütenblätter verwandeln – weshalb Insekten solche Blüten nicht befruchten und entsprechend keine Hagebutten entstehen können. Umgekehrt sei es jedoch auch so, dass nicht jede ungefüllte Sorte automatisch Hagebutten bilde. Letztlich bleibt Gartenbesitzern und Gartenbesitzerinnen somit nichts anderes übrig, als einzelne Sorten mit Augenmerk auf ihre Früchte miteinander zu vergleichen. Denn Form, Größe und manchmal auch die Farbe der Hagebutten unterscheiden sich von Sorte zu Sorte.

Laut Körber achten viele Menschen auf Biodiversität. „Derzeit setzen viele Gartenbesitzer auf sogenannte Bienenrosen“, sagt er. Demnach gehe der Trend zurück zu ungefüllten oder halb gefüllten Sorten. Das Ziel: die Biodiversität im eigenen Garten zu erhöhen und mit entsprechenden Rosensorten ein breites Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten zu schaffen – und das auch bis in den Herbst hinein, wenn viele Pflanzen bereits verblüht sind.

Kleinere Früchte für Vögel und Wildtiere

Doch nicht nur Blüten, sondern auch Hagebutten sind nützlich für die Tierwelt. „Im Winter dienen die Früchte zum Beispiel Vögeln, Steinmardern oder Haselmäusen als Futterquelle“, sagt Körber. Um nicht auf eine zweite oder dritte Blühphase verzichten zu müssen und trotzdem Hagebutten zu erhalten, empfiehlt er, einfach einen Teil der verblühten Rosen abzuschneiden und die übrigen stehen zu lassen, sodass sie Früchte bilden können.

Wer Vögeln, Mäusen und Wildtieren etwas Gutes tun will, entscheidet sich am besten für eine Sorte, die kleine kompakte Früchte bildet. Dazu zählen Rispenrosen und ihre veredelte Form, die Ramblerrosen. Essbar sind sie zwar auch für uns Menschen. „Wie alle Bestandteile der echten Rosen sind auch Hagebutten für den Menschen ungiftig“, sagt der Landwirtschaftsdirektor. „Die sehr kleinen Früchte zu pflücken und zu verarbeiten ist aber eher mühsam.“

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Größere Exemplare zum Weiterverarbeiten

Wer Hagebutten selbst nutzen möchte, setzt besser auf Rosensorten mit großen Früchten. Dafür empfiehlt Körber alle Sorten, die die Gattungsbezeichnung Rosa rugosa tragen. Diese bilden sehr große und dicke Hagebutten aus. Rundliche Früchte entstehen auch bei der Majalisrose Duplex oder den Essigrosen Complicata, Scharlachglut, Splendens oder Violaceae. Hingegen bilden Albarosen wie Belle Amour, Sappho, Semiplena oder Suaveolens eher längliche, mittelgroße Früchte aus.

Ein heimisches ­Superfood

Hagebutten eignen sich gut, um sie zu ernten und weiterzuverarbeiten: etwa zu Hiffenmark, wie die traditionelle Bezeichnung für Hagebuttenmarmelade lautet. Man kann aus den Früchten auch Gelee zubereiten; es gibt zudem zahlreiche Rezepte für Likör, Sirup, Smoothies oder auch Soßen mit Hagebutten. Schon seit dem Mittelalter bereiten Menschen auch Tee aus frischen oder getrockneten Früchten zu. Der soll Verdauungsbeschwerden lindern und vor allem das Immunsystem stärken – denn die Hagebutte gilt wegen ihres hohen Gehalts an Vitamin C und anderer Vitamine als eine Art heimisches Superfood. In größeren Mengen wirken die Früchte der Rose jedoch auch abführend.

Wenn im Garten nur wenig Platz zur Verfügung steht oder die Rose im Topf auf einem Balkon gezogen werden soll, sei es zudem sinnvoll, auf die Größe der Pflanze zu achten. „Geeignet sind dann Beetrosen oder Kleinstrauchrosen, die nicht zu stark wachsen – etwa die Sorten Ro­tilia, Resonanz, Heidetraum oder Topolina“, sagt Körber.

Wer sich lieber abseits der Klassiker und in Richtung neuer Sorten orientiert, ist mit der Strandperle Norderney oder der Strandperle Amrum gut beraten. Und auch die noch relativ neuen Persica-Hybriden, die auf die Persischen Rosen zurückgehen, sind eine gute Wahl: Sie tragen Namen wie See you in Pink oder Sweet Babylon Eyes, bezaubern mit zweifarbigen Blütenköpfen und tragen im Herbst Hagebutten.

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Steht die Wunschsorte fest, braucht es einen möglichst sonnigen Standort. Im Herbst nach der ersten Blütezeit warten dann die ersehnten Früchte.

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