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Wärme für ein gutes Klima: Wie kann möglichst nachhaltig geheizt werden?

Es lohnt sich finanziell, die Heizung während eines Urlaubs zurückzudrehen.

Wenn es im Winter kalt wird, sind wir es gewohnt, einfach die Heizkörper aufzudrehen. Schon wird es kuschelig warm. Woher die Wärme stammt, darüber machen sich vermutlich die wenigsten Menschen Gedanken. Aber wenn die politischen Klimaziele erreicht werden sollen, muss insbesondere beim Thema Heizen an einigen Stellschrauben gedreht werden. Denn laut Umweltbundesamt gehen fast 75 Prozent der Energie, die fürs Wohnen verbraucht wird, aufs Konto der Heizungen. Sie verursachen etwa ein Zehntel des gesamten CO₂-Ausstoßes in Deutschland.

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Energieexperte: Energetische Anforderungen im Neubau noch zu wenig ambitioniert

2045 soll der Gebäudesektor klimaneutral sein. Das erscheint zunächst noch viel Zeit. Aber die Aufgabe ist immens. Denn noch immer werden gut 40 Prozent aller Zentralheizungen mit Gas und knapp 30 Prozent mit Öl betrieben. Bei Einzelöfen sieht es nicht besser aus. Hinzu kommt: Viele Heizungen sind auf keinem guten technischen Stand und arbeiten nicht effizient. Im Durchschnitt beträgt ihr Lebensalter 17 Jahre, in 40 Prozent aller Wohngebäude sind sie sogar älter als 20 Jahre.

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Zwar gelten im Neubau inzwischen relativ hohe energetische Anforderungen, vor allem wenn Fördermittel eingeworben werden sollen. Für Energieexperte Alexander Steinfeldt vom Verbraucherportal „CO2online“ sind die Vorgaben aber immer noch zu wenig ambitioniert. Deshalb sei es gut, dass Ende dieses Monats die Förderung für den Standard Effizienzhaus 55 auslaufe, erklärt er. Finanzielle Unterstützung gibt es dann nur noch für Wohngebäude, die höchstens 40 Prozent der Energie eines Referenzgebäudes verbrauchen.

Viele Bauherren setzen bereits auf Wärmepumpen

Wie diese Effizienzklasse erreicht werde, sei nicht vorgegeben, erläutert Matthias Wagnitz, Experte beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Dazu können etwa gute Dämmungen oder moderne Anlagentechnik wie Lüftungen mit Wärmerückgewinnung beitragen. Viele Bauherren setzen mittlerweile auch auf erneuerbare Energien – vor allem auf Wärmepumpen. Sie kommen inzwischen bei etwa jedem zweiten Neubau zum Einsatz. Steinfeldt hält es sogar für möglich, dass in großem Stil Passivhäuser gebaut werden, die kaum noch Heizenergie benötigen.

Besonders schwierig ist die Situation im Bestand: Ältere Wohngebäude mit vergleichsweise schlechten energetischen Eigenschaften machen in Deutschland den weitaus größten Anteil aus. Laut Gebäudeenergiegesetz (GEG) müssen Ölheizungen, die älter als 30 Jahre sind, ausgetauscht werden. Neue Ölheizungen dürfen nur noch bis 2025 installiert werden, Ausnahmen sind hybride Anlagen, die zum Beispiel zusätzlich erneuerbare Energien nutzen. Ein ähnliches Schicksal wie Ölheizungen drohe Gasheizungen, ist Steinfeldt überzeugt: „Ihr Ende wird kommen.“

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Expertin: „Der erste Schritt sollte eine Sanierung und Dämmung sein“

Alte, ineffiziente Heizungen durch neue zu ersetzen, bringt zwar in der Regel eine große Energieeinsparung. Expertinnen und Experten raten jedoch, es nicht dabei bewenden zu lassen. Vielmehr sollten Gebäude als Gesamtsystem betrachtet werden. „Der erste Schritt sollte eine Sanierung und Dämmung sein“, erklärt Ramona Mittag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie empfiehlt Eigentümerinnen und Eigentümern, zuvor eine Energieberatung in Anspruch zu nehmen. Die werde gefördert und koste nur wenige Euro. Die Expertinnen und Experten wiederum wissen, welche Fördermittel beantragt werden können und beraten produktneutral.

Zu empfehlen sei grundsätzlich, einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellen zu lassen, sagt Steinfeldt. Dieser wird zu 80 Prozent bezuschusst. Außerdem werden damit in manchen Fällen höhere Förderungen bewilligt. „Der individuelle Sanierungsfahrplan verpflichtet erst einmal zu nichts, gibt aber wertvolle Hinweise auf die Art und Reihenfolge der Sanierungsschritte“, erklärt Wagnitz.

Studien: Energieeinsparung nach Sanierung nur zwischen 8 und guten 50 Prozent

Ziel sei es, den Energieverbrauch möglichst weit zu senken, ergänzt Steinfeldt. Im Anschluss könne die neue Heizungsanlage passend ausgewählt und dimensioniert werden. Eine umfassende Sanierung sei auch deshalb wichtig, weil Gebäude anschließend meist jahrzehntelang nicht mehr verändert werden: „Für den Klimaschutz sind sie dann erst einmal weg.“ Steinfeldt rät dazu, den Erfolg der Maßnahmen zu kontrollieren und gegebenenfalls nachzusteuern. Denn Studien zufolge beträgt die Energieeinsparung nach einer Sanierung zwischen lediglich 8 und guten 50 Prozent.

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Die Investitionen werden im Laufe der Jahre in der Regel durch geringere Heizkosten zumindest teilweise kompensiert. Denn die Preise für fossile Energieträger werden auch künftig starken Schwankungen unterliegen und tendenziell weiter steigen – allein schon wegen der beschlossenen CO₂-Steuer. Wer auf Selbstversorgung und erneuerbare Energien setzt, macht sich hingegen unabhängig von Anbietern und Entwicklungen des Energiemarktes. Mittag weist auch darauf hin, dass derzeit üppige Fördergelder in Anspruch genommen werden könnten: „In einigen Jahren drohen hingegen vielleicht sogar Ordnungsgelder.“

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