Schichtarbeit fürs Gemüse

Hügelbeet anlegen und bepflanzen: So geht’s

Bei einem neuen Hügelbeet eignen sich etwa Kohl und Mangold, später dann Blattgemüse wie Spinat oder Kohlrabi.

Bei einem neuen Hügelbeet eignen sich etwa Kohl und Mangold, später dann Blattgemüse wie Spinat oder Kohlrabi.

Wenn die ersten Blätter zu Boden segeln und die Sonne langsam an Kraft verliert, ist es so weit: Der Herbst ist im Anmarsch. Doch er ist nicht nur die richtige Zeit, um im Garten die letzten Früchte zu ernten und Blumenzwiebeln zu setzen, sondern auch, um ein Hügelbeet anzulegen.

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Dabei handelt es sich um eine sehr alte Beetform, die ursprünglich in China beheimatet war. „In Deutschland kam das in den Sechzigerjahren auf“, sagt Thomas Kirsch, Gartenbauwissenschaftler und Geschäftsführer des Bundesverbands Einzelhandelsgärtner (BVE), der dem Zentralverband Gartenbau angehört. Abgelöst wurde die Methode durch Hochbeete – „ein Trend der Neuzeit“, wie Kirsch sagt.

Dagegen sind Hügelbeete eher etwas in Vergessenheit geraten. „Es sind vielmehr die älteren Generationen, die das noch kennen“, sagt Kirsch. „Die geringere Bewerbung könnte unter anderem daran liegen, dass die Beetart einigen Platz benötigt und aufwendiger anzulegen ist als ein gewöhnliches Beet.“ Dabei bringt ein Hügelbeet nicht nur mehr Arbeit, sondern auch einige Vorteile mit sich.

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Gartenabfälle gleich mitbenutzen

Ein Hügelbeet besteht aus mehreren Schichten. Zunächst braucht es dabei etwas Platz: „Eine gängige Größe sind fünf Meter Länge und ein bis zwei Meter in der Breite“, erklärt der Gartenbauwissenschaftler. Wer ein Hügelbeet anlegt, hebt zunächst die Erde zehn bis zwanzig Zentimeter aus – idealerweise dort, wo vorher Rasen war, der sich später wieder für das Beet nutzen lässt.

Die erste Schicht besteht aus Rückschnitt wie Ästen und Gehölz, die zweite aus den Grassoden oder Muttererde. Es folgt eine Schicht Laub und Grobkompost. Die letzte Lage besteht aus feinem Kompost, gemischt mit Muttererde. So finden Gartenabfälle, die in den Herbstmonaten anfallen, gleich eine sinnvolle Verwendung. „Und über den Winter hat das Beet Zeit, sich etwas zu setzen, während im Inneren des Beets erste Rotteprozesse stattfinden“, so Kirsch.

Ein Hügelbeet besteht aus fünf Schichten: 1. Kern aus zerkleinertem Strauchschnittgut; 2. Erdaushub oder umgedrehte Rasensoden; 3. Schicht aus feuchtem Laub oder Stroh; 4. verrotteter Stallmist oder grober Kompost; 5. Gemisch aus Gartenerde und reifem Kompost.

Ein Hügelbeet besteht aus fünf Schichten: 1. Kern aus zerkleinertem Strauchschnittgut; 2. Erdaushub oder umgedrehte Rasensoden; 3. Schicht aus feuchtem Laub oder Stroh; 4. verrotteter Stallmist oder grober Kompost; 5. Gemisch aus Gartenerde und reifem Kompost.

Reichere Ernte durch Wärme

„Zwar braucht ein Hügelbeet relativ viel Platz“, sagt Kirsch. „Gleichzeitig vergrößert der Aufbau aber die Anbaufläche etwa um ein Drittel.“ Bei der Höhe von 80 bis 100 Zentimetern, die das Hügelbeet am Ende erreicht, erhalten die Pflanzen später zudem mehr Sonnenlicht. Ein weiterer wichtiger Faktor: „Der Kompost im Hügelbeet enthält viele Nährstoffe. Dadurch, dass er verrottet, setzt er Wärme frei.“ Das wiederum habe den Vorteil, dass Gärtner und Gärtnerinnen die Pflanzen früher im Jahr setzen und später länger ernten können.

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Allerdings, so gibt der Gartenbau­wissenschaftler zu bedenken, müsse man auf eine ausreichende Bewässerung achten. Gärtnern und Gärtnerinnen kommt es dabei aber zugute, dass das Hügelbeet in der Lage ist, Wasser bis zu einem gewissen Grad zu speichern. Und das Beet sollte während der Anbauzeit nicht wirklich nass sein, sondern nur eine gewisse Grundfeuchtigkeit enthalten. Insgesamt sind die Bedingungen für Gemüsepflanzen besser als bei einem Bodenbeet. So stehen die Chancen gut, im Frühjahr des Folgejahres und bis in den Herbst hinein eine reiche Ernte zu erhalten.

Mehrere Jahre lang verwendbar

Die gute Nachricht ist: Wer sich für ein Hügelbeet entscheidet, muss es nicht mühsam jedes Jahr neu aufbauen. Ungefähr sechs Jahre lang lässt es sich laut Kirsch nutzen. Der Fokus liegt dabei auf dem Gemüseanbau. „Dabei kommen gezielt einjährige Kulturen zum Einsatz, weil sich das Beet eben jedes Jahr verändert.“ Das betrifft einerseits den Nährstoffgehalt und andererseits die Höhe. Denn das Beet sackt jedes Jahr ein wenig in sich zusammen, bis es im sechsten mehr oder weniger komplett in sich zusammengesunken ist.

Und was ist mit dem Hochbeet?

Bekannter und weiter verbreitet als Hügelbeete sind Hochbeete. Was vielen Gartenfans besonders gefällt: Für ein Hochbeet braucht man relativ wenig Platz. Außerdem wissen viele Hobbygärtner und Hobbygärtnerinnen zu schätzen, dass man sich beim Gemüseanbau und Unkrautzupfen nicht so sehr bücken muss und der Rücken geschont wird. Zudem lässt es sich mit einem guten Pflanzplan sehr effizient und ertragreich nutzen. Nahezu alle Garten- und Baumärkte bieten Hochbeete aus Holz oder Plastik an. Im Internet findet man zahlreiche Anleitungen zum Selberbauen.

Mit Starkzehrern beginnen

Der Gartenbau­wissenschaftler rät dazu, die Auswahl der Pflanzen an das jeweilige Jahr anzupassen. „Gerade in den ersten zwei oder drei Jahren ist der Boden sehr nährstoffreich. Man sollte entsprechend Pflanzen verwenden, die viele Nährstoffe benötigen, sogenannte Starkzehrer“, empfiehlt er.

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Klassiker für ein Hügelbeet sind Tomaten. Sie sollten am besten ganz oben auf dem Damm platziert werden, wo sie viel Sonne erhalten. Für weiter unten auf dem Hügel empfiehlt Kirsch zum Beispiel Mangold, Sellerie, Zucchini und Kohlarten wie Brokkoli, Rosenkohl und Weißkohl. „In den Folgejahren kann man dann mit Ackerbohnen arbeiten und dann etwa Kohlrabi und Fenchel pflanzen.“

In den letzten Jahren, wenn der Kompost im Hügelbeet bereits viele Nährstoffe abgegeben hat, sollten vor allem Schwachzehrer auf dem Beet stehen. Für das fünfte und sechste Jahr eignen sich Blattgemüse wie Spinat. Und auch die Kartoffeln, die eigentlich Starkzehrer sind, kommen aus Gründen der Pflanzengesundheit zum Einsatz – außerdem lassen sich die Knollen dann besser ernten.

Pflegearme Beetform

Das Beet zu düngen ist theoretisch nicht nötig, da die Pflanzen bereits mit Nährstoffen versorgt sind. Allerdings empfiehlt Kirsch, wie bei allen Gewächsen im Garten genau hinzuschauen und darauf zu achten, ob sie Mangelerscheinungen zeigen. „Dann kann es sein, dass man vereinzelt Mikronährstoffe mit flüssigem Dünger nachgeben muss.“

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Besondere Gartenerfahrung ist Kirsch zufolge nicht nötig, um ein Hügelbeet anzulegen. Wer zum ersten Mal ein Hügelbeet anlegt, tut jedoch gut daran, sich vorab zu informieren: Online finden sich zum Beispiel Zeichnungen, die die verschiedenen Schichten des Beets zeigen. Auch Erfahrungsberichte von anderen Hobbygärtnern und Hobbygärtnerinnen sind hilfreich.

„Wichtig ist es nur, die Reihenfolge und Beschaffenheit der einzelnen Schichten einzuhalten, denn diese sind erprobt und haben sich bewährt“, sagt der Gartenbau­wissenschaftler. Ansonsten gilt dasselbe wie bei anderen Projekten im Hobbybereich: „Es gibt nicht viel falsch zu machen. Das Beste ist: ausprobieren und Erfahrung sammeln.“

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