Kletterpflanzen

Die Wand blüht

Foto: Ein Hingucker, der störende Blicke abwehrt: Kletterpflanzen wie die Prunkwinde wachsen schnell und bunt.

Ein Hingucker, der störende Blicke abwehrt: Kletterpflanzen wie die Prunkwinde wachsen schnell und bunt.

Der Sommer ist da, der Garten lockt – endlich kann das Fleisch auf den Grill und der Körper auf die Liege geworfen werden. Doch zuweilen können die Blicke des Nachbarn stören. Bevor jedoch zu Holz oder gar Stein für Palisaden und Wände gegriffen wird, um die Grenze zum Gegenüber ein für alle Mal abzustecken, gibt es freundlichere Methoden: ein Sichtschutz aus Kletterpflanzen. Der passt sich mit dem üppigen Blattwerk nicht nur nahtlos ins Grün des Gartens ein, sondern bietet auch etwas fürs Auge – oder gar für den Magen.

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Blüten schon im Jahr der Aussaat

Für die ungeduldigen Gärtner bieten sich mit ihrem schnellen Wuchs die einjährigen Kletterpflanzen an. Ob am Balkongeländer oder an Rankhilfen aus Bambus oder gespannten Seilen, zur Verschönerung von Zaun und Mauer oder im Staudenbeet – Kletterpflanzen sind vielseitig einsetzbar. Und sie blühen bereits im Jahr der Aussaat. Auch wenn sie mehrjährig sind, werden sie meist nur einjährig kultiviert. Denn weil sie oft aus wärmeren Gefilden stammen, überleben sie unseren Winter nicht. Für den Gärtner bedeutet dies: Im nächsten Jahr kann er etwas Neues ausprobieren, über das er jetzt im Spätsommer bereits nachdenken kann.

Was Kletterpflanzen guttut

Wer keinen eigenen Garten hat, kann einjährige Kletterpflanzen auch im Kübel säen. Sie brauchen wenig, aber regelmäßig Wasser sowie eine gute, qualitätvolle Erde, die locker und humos, dabei gleichzeitig strukturstabil ist. Der Topf sollte eine ausreichende Größe haben, sodass die Pflanze gut versorgt ist und einen standfesten Platz zum Wachsen hat. Außerdem sollte man entweder wöchentlich düngen oder einen Depotdünger verwenden, rät Bärbel Faschingbauer, Diplom-Ingenieurin für Landespflege. „Bei der Kultur im Gefäß muss ein Loch im Boden für den Wasserabzug vorhanden sein“, betont sie. Sie rät auch zu einer fünf bis zehn Zentimeter hohen Drainageschicht aus Kies oder Blähton im Topfboden, die Staunässe verhindert.

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Foto: Wand aus Blumen: Die Schwarzäugige Susanne wächst besonders dicht.

Wand aus Blumen: Die Schwarzäugige Susanne wächst besonders dicht.

Sichtschutz mit Blütenpracht

Eine Wand aus Blüten, das gelingt mit verschiedenen Sorten: Einjährig geeignet sind Sternwinde, Schönranke und Schwarzäugige Susanne mit ihren gelben Blüten. Letztere zählt zu den leicht kultivierbaren Kletterpflanzen. Charakteristisch ist das schwarze Auge in der Blütenmitte. Die Pflanze schlingt sich rasch in die Höhe und bedeckt eine Wand dicht mit großen Blattflächen. Sie gedeiht gut an halbschattigen Plätzen. Eine blaue Blütenwand gibt es mit den Prunkwinden. „Sie haben große, herzförmige Blätter und riesengroße, himmelblaue Blüten“, erklärt Faschingbauer. Zwar sind die Blüten nur einen einzigen Tag lang geöffnet, aber das fällt durch die große Anzahl an Knospen kaum auf. Sie empfiehlt die Sorte „Heavenly Blue“, es gibt aber auch weiße, pinke und dunkelviolette Sorten. Biologin  Tanja Beddies rät, die Pflanzen möglichst sonnig und vor allem windgeschützt zu setzen. Staunässe und dichte Böden mögen sie nicht. „Ideal ist ein lehmhaltiger, eher basischer als saurer Boden.“

Spitzensportler: Glockenrebe

Die Glockenrebe bildet bis zum ersten Frost eine dichte Blättertapete. Beddies bezeichnet sie als den Spitzensportler unter den Kletterpflanzen, weil sie in nur zwei Monaten bis zu drei Meter in die Höhe klettern kann. „Und das nicht an dünnen, spiraligen Trieben, sondern mit einem dichten Blätterkleid.“ Die glockenförmigen Blüten sind zunächst weiß und färben sich mit der Zeit rasch violett. „In der mexikanischen Heimat wächst die Glockenrebe als mehrjährige Pflanze, wobei Höhen von zehn Metern keine Seltenheit sind“, berichtet Beddies. Sie empfiehlt für die Anzucht einen warmen, hellen Standort. Unbedingt nötig ist ein ausreichend feuchter und nährstoffreicher Boden.

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Essbar: Feuerbohne und Kürbis

„Zu den Klassikern zählt die Feuerbohne“, meint Faschingbauer. Die Pflanze wächst rasant schnell und blüht rot. „Ein weiterer Nutzen bei dieser Kletterpflanze sind die essbaren Bohnen, die man nach der Blüte ernten kann.“ Aber auch andere Pflanzen bieten Essbares: Kalebassen sind einjährige Kletterkürbisse, sie werden in Einzeltöpfen im Zimmer ausgesät, benötigen später im Garten einen vollsonnigen, aber geschützten Platz. Sie brauchen täglich Wasser und zweimal wöchentlich Dünger.

Foto: Erst die Blüte, dann die Ernte: Die Früchte der Feuerbohne sind essbar.

Erst die Blüte, dann die Ernte: Die Früchte der Feuerbohne sind essbar.

Vorsicht beim Klassiker

Zwar ist Efeu das ganze Jahr hindurch grün, doch greift das Gewächs Mauerwerk an und erwürgt umliegende Bäume, die Haftwurzeln sind zudem von der Wand schwer zu entfernen. Efeu benötigt ständige Pflege, die hochwachsenden Triebe werden mit den Jahren sehr dick und lassen sich nur schwerlich zurechtschneiden. Die Blüten des alten Efeus locken zudem Insekten an – für manche ein sommerliches Summen, für andere eine störende Plage. Die sich überrankenden Blätter wiederum decken die Fläche großzügig ab, die Hauswand ist gegen Kälte und Wärme isoliert.

Von Katharina Derlin und Dorothée Waechter

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Mehrjährige Blütenfavoriten

Wer längerfristig planen möchte, der kann zu Kletterrosen oder -hortensien, Blauregen oder Klematis greifen. Sie sind nicht schädlich für das Gemäuer und tragen bei der richtigen Pflege jedes Jahr eine volle Blütenpracht. Während die üblichen Kletterrosen oft krankheitsanfällig sind, eignen sich Stammrosen besser für die Wandbewachsung. Für sie ist ein sonniger bis halbschattiger Platz zu wählen, während die Kletterhortensien mit ihren weißen Blüten schattige, der Blauregen wiederum vollsonnige, aber windgeschützte Plätze bevorzugen. Der Blauregen benötigt eine intensive Pflege und entwickelt mit den Jahren ein schweres Gehölz. Anders verhält es sich bei der Klematis (Foto unten): Sie wird nur zum Winter 20 bis 50 Zentimeter zurückgeschnitten, ist aber ansonsten eine recht durstige Pflanze. Sie fühlt sich im Schatten besonders wohl.

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