Frühlingsboten

Lang lebe die Tulpe!

Foto: Farbenpracht im Garten: Von März bis Mai blühen Tulpen in vielen Farbvariationen.

Farbenpracht im Garten: Von März bis Mai blühen Tulpen in vielen Farbvariationen.

Bereits im März – und in diesem Jahr damit passend zu Ostern – blühen die ersten Tulpen im Garten. Dank der Vielzahl an Arten und Sorten zieht sich die Blütezeit lange hin, das Schauspiel lässt sich bis in den Mai fortsetzen. Der Zwiebelblumengärtner Bernd Schober aus Augsburg hat für die Blütezeit eine Merkformel: „Je größer und üppiger die Blüten sind, desto später öffnen sie sich.“ Den Anfang machen vor allem die kleineren, dafür kräftig gefärbten Wildarten. Bei deren Sorten handelt es sich um Auslesen. „Für die gefüllten und großen Blüten von Papageientulpen braucht es dann mehr Zeit im Frühjahr, bis sie sich entwickelt haben“, erklärt Schober.

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Keine Eintagsfliegen

Tulpen sind aber keine Eintagsfliegen. „Theoretisch sind die meisten Tulpen mehrjährig“, sagt Schober. Nach der Blütezeit – also im Sommer – ruhen sie erst einmal. Zum Winter beginnt das Wurzelwachstum wieder, und sobald die Temperaturen im Frühjahr steigen, treibt die Zwiebel erneut aus. Allerdings darf man nach der Blüte zu den Tulpen keine einjährigen Sommerblumen pflanzen – und diese regelmäßig gießen. „Das mögen die Zwiebeln gar nicht“, erklärt der Gärtner. Trockenheit sei deshalb besonders wichtig für das Überleben.

Foto: Tulpenzwiebeln kommen im Herbst in die Erde, im Frühling treiben sie aus.

Tulpenzwiebeln kommen im Herbst in die Erde, im Frühling treiben sie aus.

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Zwischen Sträucher und Stauden

Besser werden die Tulpen daher zwischen Sträucher und Stauden gesetzt – und dazu noch ein bisschen abseits davon, sodass sie es trocken haben. Das schadet ihnen auch nicht. „Eigentlich alle Zwiebelpflanzen besitzen das unterirdische Speicherorgan, um eine sommerliche Trockenperiode gut zu überstehen“, erläutert Schober. Und weil ganz alleine wachsende Blumen im Garten nicht gut wirken und das auch für den heimischen Garten gilt, hat Jacqueline van der Kloet, Gartengestalterin und Buchautorin aus Weesp in den Niederlanden, einige Tipps. „Tulpen sollten immer ein Teil der Gesamtgestaltung sein“, sagt sie und rät dazu, die Zwiebelblumen eben mit mehrjährigen Stauden und Sträuchern zu kombinieren. „Dabei achte ich darauf, dass die Tulpen möglichst natürlich wirken“, erklärt van der Kloet. Sie verteilt die Zwiebeln beim Setzen im Herbst locker zwischen die Stauden, damit eine gleichmäßige Streuung entsteht und die großen Blüten auf den kräftigen Stielen nicht zu schwer wirken.

Auf den Nachbarn kommt es an

Passende Nachbarn im Frühlingsgarten sind für van der Kloet die Stauden Lungenkraut (Pulmonaria), Storchschnabel (Geranium) und Goldlack (Erysimum). „Sehr natürlich wirken in diesen Wochen auch die Blüten von Akelei (Aquilegia) und Nachtviolen (Hesperis) als Rahmen für die großen kräftigen Kelche der Tulpen“, sagt die Gartendesignerin. Darüber hinaus empfiehlt sie Gräser. Das Nest-Kopfgras (Sesleria nitida) und das Wald-Flattergras (Milium effusum) sind zwei gute Partner, weil diese Gräser recht früh blühen und mit dem hellgrünen Laub eine eigene Note einbringen.

Schattiges Sommerlager

Um die Trockenheit im Sommer zu garantieren, wurden Tulpen früher ausgegraben. „Das ist heute eigentlich nicht mehr nötig“, erläutert Schober. Sinnvoll ist das nur noch an nassen Standorten. Allerdings darf man erst mit dem Ausgraben beginnen, wenn die Blätter braun oder fast verschwunden sind. Zum Ausgraben verwendet der Gärtner am besten eine Grabegabel, um die Knollen möglichst nicht zu verletzen. Sie kommen in ein schattiges und luftiges Lager. Dort müssen sie vor Nagetieren geschützt sein – bis sie im Herbst wieder in die Erde dürfen. „Besser ist es, wenn man die Zwiebeln nicht an exakt derselben Stelle in den Boden bringt“, empfiehlt Schober.

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Anspruchslose Gartenbewohner

Tulpen stellen keine besonderen Ansprüche an ihren Standort im Garten. Der Boden sollte locker und durchlässig sein. Wildarten kommen auch auf eher mageren Böden mit wenigen Nährstoffen gut klar. „Bei Wildtulpen beobachtet man selten Nahrungsmangel“, erklärt Schober. Die hochgezüchteten Arten müssen dagegen gut versorgt sein. „Die Nährstoffe müssen zur Verfügung stehen, wenn das Laub grün ist“, betont der Gärtner. Nur so kann sich eine kräftige Zwiebel mit einem guten Blütenansatz für das nächste Jahr entwickeln. Werden die Blüten klein und mickrig, ist das ein Zeichen dafür, dass es an Nährstoffen im Boden fehlt.

Vielfältige Farbkombinationen

Foto: Manche Tulpen fallen besonders auf, wie die gemusterte Papageientulpe.

Manche Tulpen fallen besonders auf, wie die gemusterte Papageientulpe.

Wildtulpen, die auch als Botanische Tulpen bekannt sind, sind beliebt. Das liegt an ihrer frühen Blütezeit, der natürlichen Wirkung und der Robustheit. Bei den Zuchtformen dagegen spielen die Farbe und extravagante Blütenformen eine Rolle. Für die Farbkombination hat die Gartendesignerin Jacqueline van der Kloet ganz unterschiedliche Vorschläge: „Man kann die verschiedenen Rottöne von klarem Rot über Pink und Rosa bis Purpur mischen.“ Eine Alternative sei eine eher zarte Verbindung von blassem Gelb, Apricot, Orange und hellem Rot. „Kraftvoll dagegen sind die starken Kontraste von Cremeweiß, Blassgelb, dunklem Purpur und nahezu schwarzen Blüten.“

Reizvoll ist es auch, die Farbenpracht im Garten immer wieder zu verändern – mit Hilfe von Tulpen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Für den März können Pastelltöne gesetzt werden, und im Mai blühen dann die Sorten mit knalligen Blütenfarben. Wer sich an extravagante Formen wie die Horntulpe (Tulipa acuminata) traut, die mit ihren schmalen, langen Blütenblättern geradezu exotisch wirkt, sollte farblich keine großen Kontraste setzen, sondern lieber die Gelb- und Rottöne aufgreifen und so für eine farbliche Sättigung in der Gestaltung sorgen.

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Aus Fernost in die Niederlande

13470939Wer Tulpen sieht, verbindet die Frühlingsboten vor allem mit den Niederlanden. Dabei stammen die Blumen ursprünglich aus dem Mittleren Osten und Zentralasien. Erst im 16. Jahrhundert gelangten die Pflanzen in die Niederlande und wurden dort von dem berühmten Botaniker Charles de l’Écluse in den botanischen Garten der Universität Leiden gepflanzt – der Beginn der holländischen Tulpe. Durch Zucht entstand eine Vielzahl von Sorten, Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelte sich eine „Tulpenmanie“. Tulpen wurden zum Spekulationsobjekt, die Preise für Zwiebeln stiegen in schwindelnde Höhen. Erst nachdem auf der Frühjahrsversteigerung 1637 die Käufer ausblieben, normalisierte sich der Preis wieder. Es war der erste überlieferte Börsenkrach der Geschichte. In den folgenden Jahrzehnten konnte sich die Tulpe schließlich von einer Blume für Adlige in eine weit verbreitete Zierpflanze entwickeln.

Von Dorothée Waechter

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