Experte für Schimmelpilze im Interview

Schimmel in Innenräumen: Was Sie selbst entfernen können – und wann ein Experte ranmuss

Wer Schimmel in der Wohnung vermeiden möchte, sollte stets die Raumtemperatur konstant halten und mehrmals täglich durchlüften.

Wer Schimmel in der Wohnung vermeiden möchte, sollte stets die Raumtemperatur konstant halten und mehrmals täglich durchlüften.

Herr Betz, unter welchen Bedingungen kann sich Schimmel besonders leicht bilden?

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Schimmelpilze benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit, um überhaupt wachsen können. Bereits ab 80 Prozent kann es anfangen zu schimmeln, wenn die Feuchtigkeit über einen längeren Zeitraum anhält. Wird es kühler, kann die Luft die Feuchtigkeit nicht mehr halten. Hat man im Raum beispielsweise 20 Grad und ein Luftfeuchte von 50 Prozent, besteht an einer schlecht gedämmte Außenwand dennoch ein Schimmelrisiko, wenn diese eine Temperatur von lediglich 12 Grad aufweist. Unter diesen Umständen fällt die Raumtemperatur zum kalten Bauteil ab und die Luftfeuchtigkeit steigt auf mehr als 80 Prozent an.

Zur Person

Stefan Betz ist Sachverständiger für Schimmelpilze in Innenräumen und erster Vorsitzender des Bundesverbands Schimmelpilzsanierung e.V.

Und welche Rolle spielt dabei das Lüften?

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Das Lüften von Räumen ist das effektivste Mittel, um erhöhte Feuchtigkeit aus dem Gebäude zu befördern. Warme Luft ist nämlich in der Lage, mehr Feuchtigkeit aufzunehmen als kalte Luft. In der kühleren Jahreszeit kann durch das Lüften trockenere Luft von außen einströmen und die höhere Raumluftfeuchtigkeit abgeführt werden. Zusätzlich führt man durch das Lüften CO₂ ab, also verbrauchte Luft und auch Schadstoffe, die sich im Raum gesammelt haben.

Wie kann so ein richtiges Heiz-Lüft-Verhältnis aussehen?

Pauschale Empfehlungen zum Heizen und Lüften sind nicht sinnvoll, da die bauliche Situation, das Baujahr, die Wärmeisolation und letztlich auch die Feuchteproduktion in nahezu jedem Raum unterschiedlich sind. Man muss sehen, dass das Lüften bedarfsgerecht und situationsabhängig erfolgt. Es ist zudem immer sinnvoll, den Raum auf einer konstanten Temperatur zu halten und zumindest nicht vollständig auskühlen zu lassen. Ein ständiges Auf- und Abdrehen der Heizungen ist daher nicht förderlich.

Was meinen Sie mit bedarfsgerechtem Lüften?

Wenn etwa durch sportliche Aktivität oder nach dem Duschen hohe Feuchtemengen freigesetzt werden, sollte der betreffende Raum sofort gelüftet werden, um die Feuchte direkt ins Freie zu entsorgen. Eine mehrfache Stoßlüftung je nach Feuchteanfall ist daher sinnvoll.

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Schimmel hat also Auswirkungen auf die Luftqualität, die Gesundheit und die Bausubstanz, die dadurch Schaden nehmen kann.

Stefan Betz, Experte für Schimmelpilze in Innenräumen

Warum kann Schimmel überhaupt zum Problem werden?

Schimmelpilze sind in der Natur allgegenwärtig und sind unter anderem bei der Zersetzung organischer Materialien im Jahreszyklus beteiligt. Im Innenraum sind diese Zersetzungsprozesse allerdings nicht erwünscht. Wenn sich dort Schimmelpilze ansiedeln, können diese unter anderem Sporen, Fragmente, Stoffwechselprodukte und Mykotoxine an die Umgebung abgeben und sich in der Raumluft und den umgebenden Oberflächen anreichern. Das kann gerade bei Asthmatikern, Allergikern oder immungeschwächten Personen zu Atemwegsbeschwerden führen.

Überdies führt es dazu, dass feuchteempfindliche Materialien wie Tapeten, Holzwerkstoffe oder Gipskartonplatten zersetzt werden und Schimmelpilze auch in tiefere Materialschichten einwachsen können. Schimmel hat somit Auswirkungen auf die Luftqualität, die Gesundheit und die Bausubstanz, die dadurch Schaden nehmen kann.

Von welchen Schimmelarten reden wir da eigentlich genau?

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Man unterscheidet zwischen Schimmelpilzen, die typischerweise in der Außenluft vorkommen, und den sogenannten Indikatoren bei Feuchteschäden, also den typischen innenraumrelevanten Pilzen. Das sind Schimmelpilze, die dann entstehen, wenn Innenraumfeuchte oder eine feuchte Bausubstanz vorliegt, und sich dort typischerweise ansiedeln. Generell ist ein Schimmelbefall in bewohnten Innenräumen als hygienisches Problem zu betrachten und kann zu negativen gesundheitliche Beeinträchtigungen führen.

Was kann ich machen, wenn der Schimmel schon entstanden ist?

Bei einem Schimmelbefall unterscheidet man Kategorien je nach Größe und Wachstum in tieferen Materialschichten. Schäden der Kategorie eins, die nur oberflächlich und mit einer Ausdehnung von maximal 20 Quadratzentimetern auftreten, können selbst entfernt werden. Dazu zählen etwa kleine Flächen wie Badezimmerfugen. Hier kann man davon ausgehen, dass der Schimmel nicht in die Tiefe eingedrungen ist und man mit einer Oberflächenentfernung das Problem beseitigt. Die Kategorie zwei bildet den Übergang zwischen kleinen und großen Schäden. Auch hier können Laien häufig noch selbst Hand anlegen, dann sollten allerdings entsprechende Mindestschutzmaßnahmen vorgenommen werden.

Welche Schutzmaßnahmen sind das?

Man sollte Handschuhe anziehen, für eine ausreichende Belüftung sorgen und vielleicht auch eine Schutzbrille oder -maske anziehen.

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Und was taugen Schimmelentferner, zum Beispiel aus dem Baumarkt?

Wirkstoffe und Mittel mit zum Beispiel Chlor beseitigen das Problem nicht. Einige Mittel bleichen nur die Oberfläche, aber das, was in der Fuge oder auf der Tapete gewachsen ist, geht damit nicht weg. Daher macht so was nur Sinn, um kurzfristig ein weiteres Wachstum zu verhindern. Man sollte besser das Material, wenn auch nur lokal begrenzt, entfernen, damit der Schimmel und das ganze Pilzgeflecht auch nachhaltig entfernt wird, um ein Wiederaufkeimen bei erneuter Feuchteeinwirkung zu verhindern.

Ist die Ursache für den Schimmelbefall nicht bekannt oder es zeigt sich ein große räumliche Ausdehnung, zum Beispiel auch hinter Oberbelägen, sollte man Experten einschalten, um zu klären wie weit das betroffene Material entfernt werden muss.

Stefan Betz, Experte für Schimmelpilze in Innenräumen

Wann ist es sinnvoll, einen Experten oder eine Expertin dazuzuholen?

Alles, was über 0,5 Quadratmeter Fläche sichtbar in einem Raum vorliegt, entspricht einem großen Schaden der Schadenskategorie drei. Bei dieser Fläche muss man damit rechnen, dass der Schimmel auch in die tiefe Bausubstanz eingewachsen ist. Ist die Ursache für den Schimmelbefall nicht bekannt oder es zeigt sich ein große räumliche Ausdehnung, zum Beispiel auch hinter Oberbelägen, sollte man Experten einschalten, um zu klären wie weit das betroffene Material entfernt werden muss.

Zur Person: Stefan Betz ist Sachverständiger für Schimmelpilze in Innenräumen und erster Vorsitzender des Bundesverbands Schimmelpilzsanierung e.V.

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