Was Expertinnen und Experten sagen

Wird das Gas noch teurer – und reicht es für den Winter?

Wenn alle die Heizung etwas weniger aufdrehen als sonst, spart das viel Gas.

Wenn alle die Heizung etwas weniger aufdrehen als sonst, spart das viel Gas.

Berlin. Stahlblauer Himmel, vereiste Seen und schneeglänzende Wiesen: So wünschen sich viele Menschen die kalte Jahreszeit. Doch dieses romantische Bild ist inzwischen getrübt. Denn ein strenger Winter bedeutet auch, dass die Heizung häufiger aufgedreht werden muss. Aber wird das Gas in dem Fall reichen? Und werden die Kosten weiter steigen?

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Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gibt verhalten Entwarnung: Der Speicherstand für Gas liege in Deutschland bei etwa 92 Prozent, sagt Sprecherin Susanne Ungrad. „Damit ist das Ziel mehr als erreicht.“ Die Kapazitäten für Flüssiggas werden stark ausgebaut, die beiden ersten schwimmenden Terminals sollen zum Jahreswechsel einsatzbereit sein. Importe kommen unter anderem aus Norwegen und über Belgien sowie die Niederlande. Braunkohle-Kraftwerke können bei Bedarf in Betrieb genommen werden, um Strom mit Kohle statt Gas zu produzieren. Auch zwei Atomkraftwerke können länger am Netz bleiben als ursprünglich beabsichtigt.

Wie teuer wird das Gas?

Wenn es trotzdem zu einer akuten Verknappung kommen sollte, müsse niemand Angst davor haben, dass die Wohnung nicht mehr warm werde, erläutert Stefan Luig, Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VkU): „Privathaushalte gehören zu den geschützten Kunden. Sie dürfen nur im absoluten Notfall abgeschaltet werden.“ Das Gleiche gelte unter anderem für Krankenhäuser sowie soziale Einrichtungen, ergänzt Ungrad.

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Zu der Frage, wie sich der Gaspreis entwickelt, kann die Sprecherin des BMWK keine verlässliche Aussage treffen: „Das lässt sich nicht beantworten, das ist zu viel Spekulation.“ Zu berücksichtigen seien zudem die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung. Luig weist darauf hin, dass viele Preissteigerungen erst spät bei den Kundinnen und Kunden ankommen. Denn Stadtwerke kaufen das Gas in der Regel für ein bis drei Jahre im Voraus ein. „Üblich ist, 80 Prozent am Terminmarkt zu beschaffen und 20 Prozent am tagesaktuellen Spotmarkt. Diese 20 Prozent sind aktuell besonders teuer“, erklärt der Sprecher.

Haushalte verbrauchen zu viel Energie

„Bei vielen Haushalten werden die höheren Kosten in diesem Jahr erst mit der Abrechnung im Jahr 2023 ankommen“, erklärt Tanja Loitz, Geschäftsführerin des Verbraucherportals CO2online. Aber bereits in diesem Jahr betragen die Mehrkosten etwa 67 Prozent, 2021 belief sich der Anstieg auf rund 20 Prozent. Das Heizen mit Gas wurde also innerhalb von zwei Jahren fast doppelt so teuer. „Was im Durchschnitt schon sehr viel ist, kann im Einzelfall noch deutlich mehr sein“, führt Loitz weiter aus. Für Ölheizungen fiel die durchschnittliche Kosten­steigerung noch extremer aus: Für den Brennstoff mussten im selben Zeitraum 130 Prozent mehr gezahlt werden.

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Verbraucherinnen und Verbrauchern wird deshalb geraten, Heizkosten zu sparen. 90 Prozent aller Haushalte in Deutschland verbrauchten noch zu viel Energie, sagt Loitz. Das Sparpotenzial liege bei Wohnungen mit 70 Quadratmetern und Gaszentralheizung im Mehrfamilienhaus aktuell bei durchschnittlich 640 Euro im Jahr, bei einem Einfamilienhaus mit 110 Quadratmetern seien es sogar rund 1220 Euro.

Gasverbrauch um 20 Prozent senken

Individuelle Einsparungen entlasten nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern haben auch gesamt­gesellschaftliche Auswirkungen: „Hier ist jeder gefordert zu prüfen, wo das möglich ist“, betont Ungrad. Um einen Versorgungs­mangel zu vermeiden, müsse der Gasverbrauch um rund 20 Prozent gesenkt werden. In der Industrie geschieht das bereits teilweise. Auch die Kommunen loteten Potenziale aus, ergänzt Luig: So werden Einspar­möglichkeiten etwa in Verwaltungs­gebäuden, kulturellen Einrichtungen, Sporthallen, Schulen und der Straßenbeleuchtung geprüft und umgesetzt.

Doch selbst sparsames Verhalten ändert nichts daran, dass die Verbräuche an sehr kalten Tagen steigen und damit die privaten Haushalte zusätzlich belastet werden. „Wer die Heizung stärker aufdreht, zahlt auch mehr“, sagt Luig. Besonders betroffen sind Menschen, die in schlecht gedämmten Häusern wohnen und nicht auf regenerative Energien zurückgreifen können. Vor allem sie werden also vermutlich auf einen milden Winter hoffen.

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