Mordprozess gegen 18-Jährigen

120 Messerstiche im Getränkemarkt

Foto: „Er hat sie absichtlich gequält“: Philipp M. in Handschellen im Landgericht Verden.

„Er hat sie absichtlich gequält“: Philipp M. in Handschellen im Landgericht Verden.

Rethem/Verden. In Hand- und Fußfesseln wurde Philipp M. am Freitag in den Saal 104 des Landgerichts Verden geführt. Mit dunklen Jeans, grauem Hemd und einer schwarze Krawatte bekleidet, das Gesicht hinter einem Aktenordner verborgen, setzte er sich auf die Anklagebank. Das Gesicht eines ganz gewöhnlichen Teenagers hat er versteckt, und es fällt schwer zu glauben, dass dieser gepflegte junge Mann einen der grausamsten Morde der jüngeren Vergangenheit im Heidekreis verübt haben soll.

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Wenn es wahr ist, was die Staatsanwaltschaft dem 18-Jährigen vorwirft, dann ist Philipp M. ein brutaler, skrupelloser Mörder, dem zumindest für Minuten seines Lebens jegliche Empathie abhandengekommen ist. Als Staatsanwältin Annette Marquardt die Anklageschrift verlas, wurden grausame Details darüber öffentlich, wie die 23 Jahre alte Angestellte eines Getränkemarktes in Rethem vom Täter gequält und getötet wurde.

Der 18 Jahre alte Angeklagte hat ihrer Überzeugung nach so heftig zugestochen, dass zwei Messerklingen abbrachen, er zweimal vom Griff abrutschte und sich selbst an der Hand verletzte. Die Mutter des Opfers, die als Nebenklägerin am Prozessauftakt teilnahm, brach am Ende der Verhandlung mit Weinkrämpfen zusammen; sie musste von Sanitätern versorgt werden. Der Anwalt der Mutter sagte, er habe in seiner Berufspraxis keinen so grausamen Mordfall erlebt.

Am Tattag, dem 18. September 2013, zog sich der Angeklagte Handschuhe an und ging mit einem Messer zu seiner Kollegin, die gerade die Abrechnung erstellte. Mit verstellter Stimme soll er die junge Frau von hinten überwältigt haben, verband ihr dann die Augen und fesselte sie. „Halt die Schnauze, Sabrina, ich will dir nicht wehtun“, habe er gesagt und anschließend seinem Opfer mit dem Messer als Drohgebärde in die Handgelenke geritzt. Die Angestellte habe ihn jedoch erkannt: „Warum tust du das?“, habe sie gefragt. Daraufhin habe er beschlossen, sie zu töten.

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Es kam zu einem Gerangel, woraufhin Philipp M. wie von Sinnen auf die 23-Jährige eingestochen haben soll, eine Klinge blieb demnach im Hals der jungen Frau stecken. Aus dem Lager soll der Angeklagte dann weitere Messer geholt haben, um auf das Opfer einzustechen.

Am Ende waren es 120 Stichverletzungen. „Das Opfer ist verblutet“, erklärte die Staatsanwältin. Während der Abiturient aus dem Tresor 1600 Euro entnahm, sprach ihn die blutüberströmte Kollegin noch an. „Er hat sie absichtlich gequält.“

Philipp M. ließ die sterbende Frau zurück und behauptete damals, ein Maskierter habe den Laden überfallen. Bis zum nächsten Verhandlungstag im April soll ein psychiatrischer Gutachter sich noch einmal mit dem Jungen befassen.

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