Bankraub

13 Jahre Haft für Mitglied der „Schlapphut-Bande“

Der Angeklagte Zenon K., Mitglied der sogenannten Schlapphutbande.

Der Angeklagte Zenon K., Mitglied der sogenannten Schlapphut-Bande.

Göttingen. Das Landgericht Göttingen hat am Dienstag ein Mitglied der sogenannten Schlapphutbande zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Wegen Bankraubs und versuchten Mordes muss der 43-Jährige für 13 Jahre hinter Gitter. Er hat nach Überzeugung der Richter 2005 nach einem Banküberfall in Wieda im Südharz auf der Flucht vor der Polizei in Göttingen einen Mann mit Schüssen aus einer Maschinenpistole lebensgefährlich verletzt.

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Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft, der Verteidiger Freispruch gefordert. Zwei Komplizen waren bereits zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Die deutsch-polnische Schlapphutbande, deren Mitglieder bei den Taten zum Teil breitkrempige Hüte trugen, hatte zwischen 2003 und 2005 in wechselnden Besetzungen bundesweit rund 50 Banken überfallen und dabei insgesamt rund 3,5 Millionen Euro erbeutet.

Am 3. August 2005 sei es in der Göttinger Innenstadt gewesen „wie in Chicago“, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte feuerte durch die Heckscheibe des Fluchtautos mit einer Maschinenpistole auf Polizisten, die ihm nach dem Bankraub in Wieda am gleichen Tag auf den Fersen waren. Der 43-jährige polnische Staatsbürger verfehlte zwar die Beamten, traf aber einen völlig unbeteiligten Geschäftsmann lebensgefährlich in den Kopf. „Dass das Opfer überlebt hat, war großes Glück“, sagte Richter Günther.

Nach den Schüssen in Göttingen war es dem Angeklagten gelungen, in seine polnische Heimat zu entkommen. Dort wurde er allerdings wenig später wegen anderer schwerer Straftaten gefasst und zu insgesamt 15 Jahren Haft verurteilt. Im vergangenen Jahr wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Der Prozess vor dem Landgericht Göttingen lief seit Oktober.

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Der Verteidiger hatte nach der monatelangen Beweisaufnahme keine hinreichenden Beweise für eine Verurteilung des 43-Jährigen gesehen und Freispruch gefordert. Das Gericht folgte allerdings weitgehend dem Antrag der Staatsanwältin. Es gebe keinen vernünftigen Zweifel an der Täterschaft des 43-Jährigen. Dabei habe er eine massive kriminelle Energie an den Tag gelegt, wie sie hierzulande selten zu finden sei, sagte Richter Günther.

Wie der Angeklagte die Verurteilung aufnahm, war nicht zu erkennen. Der Mann mit der Statur eines Superschwergewichtsboxers drehte dem Publikum während der Urteilsverkündung den Rücken zu.

frx/dpa

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