Alfeld

Bärentrainer denkt nicht ans Aufhören

Foto: Dieter Kraml trainiert Bärren für Filme – zuletzt für den Kinofilm „Yoko“.

Dieter Kraml trainiert Bärren für Filme – zuletzt für den Kinofilm „Yoko“.

Alfeld. Wenn Dieter Kraml Besuchern seinen Arbeitsplatz zeigt, dann sind die Gesten groß und das Lächeln breit. Wie eine Filmkulisse hat er die geräumige Lagerhalle ausstaffiert, die neben seinem Wohnhaus in Alfeld steht. Eine Essecke mit Holzmöbeln steht dort, aus Regalen quellen unzählige Stoffbären hervor, überall an den Wänden hängen Fotos. Es sind Erinnerungsstücke aus über 40 Jahren Arbeit als Bärentrainer.

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Die Liste seiner Auftraggeber liest sich wie das Inhaltsverzeichnis eines Filmlexikons. Einen Eindruck davon gibt ein vergilbtes Schwarzweißfoto, das einen schmächtigen jungen Mann zeigt, der auf einer Bärin mit Maulkorb sitzt. Es ist Roman Polanski, neben ihm der junge Dieter Kraml. Anfang der siebziger Jahre stand die Bärin „Nancy“ mit Polanski für „Macbeth“ vor der Kamera. Mit Jean-Paul Belmondo drehte Kraml „Das As der Asse“, mit Jean Jacques Annaud „Der Bär“. Die Liste der prominente Weggefährten ist lang.

Wenn Dieter Kraml von den alten Zeiten erzählt, zieht er die Mundwinkel weit auseinander, dahinter blinkt eine weiße Zahnleiste. Ein wenig wirkt er dabei wie ein aus der Zeit gefallener Showmaster. Sieben Braunbären hält der Mann, der sein Alter nicht verrät, noch in seinem Garten. Die Aufträge werden immer weniger. Zuletzt stand seine Bärin „Hera“ für den aktuellen Kinofilm „Yoko“ mit Jessica Schwarz noch einmal vor der Kamera. Aber die Zeiten, in denen er mit Rudi Carrell, Liz Taylor und Marcello Mastroianni arbeitete und regelmäßig Reisen nach Moskau, Indonesien und Japan unternahm sind vorbei.

Dieter Kraml scheint von dem Glanz alter Zeiten zu zehren. Als er „Hera“ für eine kleine Vorstellung hereinholt, wird die Lagerhalle zu seiner Bühne und er zum Showmaster. „Setz dich mal hin wie ein ordentlicher Europäer“, ruft er ihr zu. Hera setzt sich auf den Hintern und nimmt die Pfoten hoch. „Willst du die Flasche trinken?“, ruft er dann. Hera nimmt die Plastikflasche zuckriger Brause in ihre Pranken und beginnt, daran zu nuckeln. Die Bärin kann noch einiges mehr – zum Beispiel im Auto sitzen und mit einer langen Rute im Fluss angeln. "Bären sind wie Kuscheltiere", sagt er und meint es so.

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Besucher dürfen sich die Stallungen hinter der Lagerhalle übrigens nicht ansehen. „Hinter die Kulissen gehen wir nicht. Wir wollen Menschen ja nicht die Illusionen nehmen", das habe ihm Siegfried von "Siegfried und Roy" einmal geraten. Und daran will er sich auch halten. Dann lacht er. Und wieder zeigt er sein Leinwandlächeln.

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