Kommentar zu Fleischindustrie

Die Schlacht ums Schlachten

Fleischerzeugung ist Massenproduktion – unter extremem Preisdruck.

Fleischerzeugung ist Massenproduktion – unter extremem Preisdruck.

Hannover. Ja, sie nerven. Die Tierrechtler, die technisch und rhetorisch hochgerüstet gegen die Fleischindustrie zu Felde ziehen. Immer mit dem hohen moralischen Ton vermeintlich besserer Menschen, die zur Weltbeglückung ausschwärmen. So etwas ist noch selten gut gegangen. Nur – was ist, wenn sie im konkreten Fall wieder recht haben?

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Seit einiger Zeit wird Schritt um Schritt klar, dass das System der Fleischerzeugung bei uns an manchen Punkten sein Ende erreicht hat. Wenn Böden systematisch mit Gülle überdüngt werden, der Einsatz von Medikamenten oft achselzuckend zur Routine wird und Tiere am Ende offenbar immer noch misshandelt werden können, dann ist etwas aus dem Ruder gelaufen. Und es ist weder zu verstehen noch zu akzeptieren, dass die Behörden im Kreis Stade erst dann erkannt haben, wie mittelalterlich die Zustände in einem Schlachthof sind, als wieder einmal Tierrechtler mit ihren Videos anrückten. Als hätte es die jüngsten Fälle von Kontrollversagen in entsprechenden Betrieben in Laatzen, Oldenburg oder Bad Iburg nicht gegeben.

Nichts gesehen, nichts verstanden, nichts geändert: Der Fall Düdenbüttel zeigt einmal mehr, dass es nicht reicht, sich auf Selbstverpflichtungen der Produzenten zu verlassen. Viele von ihnen machen eben, was geht – immer mit dem Preisdruck der fröhlichen Grillnation im Nacken. Und es gibt, wie überall, in der Fleischerzeugung auch wenige echte Kriminelle. Es kann kein Hexenwerk sein, das alles durch Kontrollen in den Griff zu bekommen. Wenn man will. Damit wäre allen gedient: den vielen engagierten Bauern, die längst anders arbeiten, den Kunden, die guten Gewissens Fleisch essen wollen – und den Tieren ohnehin. Wer von den Tierrechtlern genervt ist, kann daran arbeiten, sie schnell überflüssig zu machen.

Von Hendrik Brandt

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