Historisches Messgerät

Diebe stehlen Urmeter aus Museumsvitrine

Das Urmeter in Braunschweig ist noch da, weg ist eine Kopie.

Das Urmeter in Braunschweig ist noch da, weg ist eine Kopie.

Braunschweig. Die Diebe haben nur eine billige Kopie aus Edelstahl gestohlen. Das echte Urmeter ist aus einer Platin-Iridium-Legierung gefertigt und rund 100.000 Euro wert. Welchen Wert die gestohlene Kopie hat, ist unklar.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Physiker Harald Bosse, Leiter der Fertigungsmesstechnik bei der PTB, erklärte am Donnerstag, wie es zu der Verwechslung kommen konnte: Weltweit gibt es 30 Urmeter, sie sind alle 1889 nach dem Maß aller Meter in Paris hergestellt worden. Die Platin-Iridium-Legierung wurde in London gefertigt, gegossen wurden die Meterstäbe später dann in Genf. In Deutschland landete die Nummer 18, die bis zu Wende in Ostberlin lag. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges war Nummer 18 auch zeitweise in Weida gewesen. Weil Westdeutschland auch sein eigenes Urmetermaß haben wollte, erstand die Bundesrepublik im Jahr 1954 die Nummer 23 von Belgien. Seit dem Fall der Berliner Mauer sind Nummer 18 und 23 in Braunschweig verwahrt. Weil das in Thüringen verschwundene Metermaß auch die Nummer 18 trug, hieß es kurzfristig, das wertvolle Original sei gestohlen worden.

Aber der Unterschied liegt in einem Buchstaben: Das Urmeter aus Platin-Iridium trägt die Bezeichnung A 18, seine Stahlkopie heißt B 18. Es war eine Leihgabe vom PTB-Standort Berlin. Dort hatte die Messanstalt, die auch das Urkilo verwahrt, früher ihren Sitz.

Nach Aussage Bosses gibt es zwei bis drei falsche Doppelgänger von Nummer 18. Die Vitrine im Thüringer Museum, wo derzeit die Ausstellung „Vom Urmeter zur Atomuhr“ zu sehen ist, muss also nicht leer bleiben. Die PTB will eine andere Kopie nach Weida schicken. Angst vor einem weiteren Diebstahl haben die Hüter der Maßstäbe nicht. Schließlich bleiben die Originale sicher unter Verschluss.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von der in Weida verschwundenen Stahlkopie fehlt weiterhin jede Spur. Genauso wie von den Dieben, die es nach Polizeiangaben zielsicher auf das historische Messgerät abgesehen hatten. Obwohl die Alarmanlage ansprang und Hausmeister wie Wachleute innerhalb von Minuten am Tatort waren, konnten sie die Diebe nicht mehr schnappen.

Der Urmeter ist laut Bosse sowieso seit 1960 nicht mehr das Maß aller Meter. Seitdem messe man mit ungleich genaueren Licht- und Laserwellen. „Ein Meter bleibt aber dennoch ein Meter“, sagt der Physiker.

Mehr aus Der Norden

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen