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Windenergie

Ein Viertel der Anlagen steht vor dem Aus

Viele Windkraftanlagen in Niedersachsen fallen bald aus der Förderung.

Viele Windkraftanlagen in Niedersachsen fallen bald aus der Förderung.

Hannover.In Niedersachsen wird die Zahl der Windkraftanlagen deutlich sinken. Wenn Ende 2020 die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nach und nach ausläuft, steht nach Einschätzung der Landesregierung jede vierte der knapp 6300 Anlagen zwischen Ems und Elbe vor dem Aus. Durch den Zubau leistungsstärkerer Windmühlen werde die Erzeugungskapazität insgesamt jedoch weiter steigen, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Freitag: „Wir bleiben Treiber und Motor der Energiewende.“

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In Niedersachsen steht ein Fünftel aller Windkraftanlagen in Deutschland, die installierte Leistung beträgt knapp 11.000 Megawatt – das entspricht der Kapazität von elf großen Kohlemeilern. Wegen der attraktiven Standorte an der Küste wurde der Ausbau nach dem Inkrafttreten des EEG zunächst vor allem in den Landkreisen Aurich, Wittmund, Friesland und Wesermarsch vorangetrieben. Dort steht daher auch die Masse der Alt-Anlagen, deren Betreiber nach dem Ende der Förderdauer von 20 Jahren bald ohne Subventionen auskommen müssen.

Nach Einschätzung der Landesregierung wird das aber nur wenigen gelingen. Voraussetzung für einen Weiterbetrieb sei die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, sagte Lies. Denkbar sei, dass die Betreiber ihren Strom künftig direkt an Großabnehmer aus der Industrie oder an Ökostromanbieter verkauften, hieß es beim Bundesverband Windenergie (BWE). Es sei aber ungewiss, ob sich die Nachfrage entsprechend entwickele. Der Großteil der alten Anlagen müsse vermutlich abgebaut werden.

Die Branche setzt eher darauf, ältere Windmühlen durch neue Modelle zu ersetzen. Anlagen aus den Neunziger Jahren erreichen nur Leistungen von weniger als einem Megawatt, die Kapazität aktueller Modelle ist dreimal so groß. Im Zuge des „Repowering“ seien deshalb künftig weniger Standorte nötig, um eine größere Menge an Windstrom zu produzieren, sagte Lies. Viele alte Standorte scheiden dafür jedoch aus: Moderne Anlagen sind deutlich höher – und müssen deshalb einen größeren Abstand zu Wohngebäuden einhalten.

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Um den Ausbau der Windkraft dennoch voranzutreiben, fordert Landesregierung die Kommunen auf, im Rahmen der Raumordnung rund 7 Prozent ihrer Fläche für die Windenergienutzung auszuweisen. Allerdings haben die Gemeinden einen erheblichen Gestaltungsspielraum – und nutzen diesen offenbar auch: Im Emsland beispielsweise dürfe Gesamthöhe der neuen Anlagen die Höhe der Bestandsanlagen auf den betreffenden Flächen nicht übersteigen, heißt es in einer Studie der Deutschen Windguard. Cuxhaven begrenze die Rotorfläche aller neuen Windmühlen auf die der abgebauten Anlagen.

Die Branche fühlt sich dadurch in ihrem Wachstum behindert. Nötig sei dagegen eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren, hieß es beim BWE. Der niedersächsische Städte- und Gemeindebund verteidigt seine Kompetenzen. „Wir wollen den Wildwuchs früherer Jahre verhindern“, sagte ein Sprecher. „Deshalb müssen wir den Bau neuer Windkraftanlagen vor Ort steuern können.“

Von Jens Heitmann

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