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Landwirtschaft

Ferkel-Kastration weiterhin ohne Betäubung

Das Kastrieren von Ferkeln soll in Niedersachsen weiterhin ohne Betäubung möglich sein.

Das Kastrieren von Ferkeln soll in Niedersachsen weiterhin ohne Betäubung möglich sein.

Hannover. Ferkel können in Niedersachsen in den kommenden Jahren weiterhin ohne Betäubung kastriert werden. Die rot-schwarze Landesregierung hat sich am Dienstag für eine entsprechende Änderung des Tierschutzgesetzes ausgesprochen. „Tierschutz ist uns ein großes Anliegen. Wir sind aber derzeit technisch noch nicht so weit, die bekannten Alternativen der Ferkelkastration ohne Betäubung flächendeckend umzuset­zen“, erklärte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) nach der Kabinettssitzung in Hannover. Die Verschiebung sei notwendig, um die Ergebnisse der derzeit laufenden Studien auszu­werten.

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Das Tierschutzgesetz sieht bislang vor, dass der Eingriff ab 1. Januar 2019 verboten ist. Niedersachsen möchte die Übergangsregelung, die 2013 bundesweit parteiübergreifend beschlossen wurde, um drei Jahre verlängern. Bayern fordert sogar eine Übergangsregelung bis zum 31. Dezember 2023 und hat eine entsprechende Initiative in den Bundesrat eingebracht. Otte-Kinast will jetzt in Bayern für die verkürzte Übergangsfrist werben. Dann werde Niedersachsen den Antrag unterstützen. Der Agrarausschuss des Bundesrats wird voraussichtlich am 3. September über den bayerischen Antrag entscheiden.

Ferkel werden kastriert, um den von vielen Verbrauchern als störend empfundenen Ebergeruch beim Erhitzen des Fleisches auszuschließen. Auch das Landvolk Niedersachsen hatte sich zuletzt für einen Aufschub des Verbotes ausgesprochen. „Es ist unser klares Ziel, dass es weiterhin Ferkel aus Nieder­sachsen gibt und nicht nur aus Dänemark oder den Niederlanden. Die Sauenhalter brauchen endlich Planungssicherheit“, erklärte die Ministerin. Besonders kleine, familienge­führte Betriebe bräuchten eine praktikable Lösung.

Gegner der betäubungslosen Kastration reagierten empört. „Wir verurteilen den heutigen Kabinettsbeschluss aufs Schärfste. Es ist unfassbar, dass SPD und CDU hier einen Persil-Schein für die Fortsetzung dieses tierquälerischen Verfahrens ausstellen wollen“, kritisierte Grünen-Fraktionsvize Miriam Staudte. „Es geht wie immer nur ums Geld, denn pro Ferkel würden 3-4 Euro mehr anfallen als jetzt ohne Betäubung.“

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„Wie mit Tierschutzgesetzen in Deutschland umgegangen wird, ist ein Skandal“, erklärte Ina Müller-Arnke von der Tierschutzstiftung „Vier Pfoten“. Statt sich auf lang erkämpfte Verbesserungen im Tierschutzgesetz einzustellen, spielten Agrarverbände auf Zeit und die Politik mache mit, damit weiter so gewirtschaftet werden könne wie bisher.

Der Verein „Tierärzte für eine verantwortbare Landwirtschaft“ kritisierte Pläne, nach denen die Landwirte selbst die lokale Betäubung durchführen könnten. „Wenn unsere Gesellschaft Tieren den Schmerz nicht mehr zumuten will, muss man das auch richtig machen“, sagte der frühere Professor der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Siegfried Ueberschär, der HAZ. „Eine Kastration unter Vollnarkose durch Tierärzte sei der richtige Weg. Andreas Kracke vom Tierarnzeimittel-Hersteller Zoetis sieht die Gefahr, dass eine Fortsetzung der betäubungslosen Kastration „Kritiker der Landwirtschaft auf den Plan rufen wird“. Seit 20 Jahren werde weltweit geimpft. „Die Praxisreife ist bewiesen.“

Von Marco Seng

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