Schulpolitik

„Inklusion in der bisherigen Form ist in Niedersachsen gescheitert“

Behinderte Kinder in Regelschulen – geht das? Die Kritik an der Umsetzung der Inklusion wird immer lauter.

Behinderte Kinder in Regelschulen – geht das? Die Kritik an der Umsetzung der Inklusion wird immer lauter.

Hannover. Der Brandbrief hannoverscher Gesamtschulleiter, in dem sie sich weigern, weiter die Hauptlast in der Betreuung lernschwacher Kinder zu tragen, hat die Diskussion über den Sinn der Inklusion neu entfacht. Aus den niedersächsischen Lehrerverbänden kam am Montag Unterstützung. "Die Inklusion in ihrer bisherigen Form ist gescheitert", sagte am Montag der Landesvorsitzende der Direktorenvereinigung, Wolfgang Schimpf. Die Kritik an der Inklusion fällt grundsätzlich aus. Gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap finde in der Regel gar nicht statt, sagte Schimpf. Die beeinträchtigten Schüler würden oft gesondert betreut. Das bestätigt Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte. "So wie Inklusion jetzt läuft, wird sie wenig erfolgreich sein."

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In einem Brandbrief hatten die Gesamtschulleiter zuvor angekündigt, in Zukunft weniger Schüler mit Förderbedarf aufzunehmen. Das begründen sie damit, dass Gymnasien in Hannover sich bisher nahezu vollständig aus der Betreuung von Förderschülern heraushielten.

Sozialministerin Reimann stellt Aktionsplan vor

Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) forderte die Gymnasien am Montag auf, sich stärker für mehr Inklusion einzusetzen. Diese sei ein Menschenrecht. Man dürfe die Gymnasien nicht moralisch unter Druck setzen, warnte dagegen die Direktorenvereinigung. Viele Eltern scheuten davor zurück, ihr Kind mit Lernproblemen an eine Schule zu geben, deren pädagogisches Ziel das Abitur sei, sagte Verbandschef Schimpf. Lernbeeinträchtigte Kinder brauchten an Gymnasien einen eigenen Lernplan, der auf den Hauptschulabschluss gerichtet ist.

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Die CDU und FDP machten sich am Montag für die Wiedereinführung von Förderschulen stark. Björn Försterling (FDP) sagte, für Kinder könne es eine schlimme Erfahrung sein, wenn ihre Leistung weit unter dem Gros der Klasse liege. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) widersprach dem, wollte am Montag aber auch die Probleme nicht verhehlen: „Uns allen sollte daran gelegen sein, die Beispiele gut funktionierender Inklusion zu registrieren und gleichzeitig die vorhandenen Probleme zu benennen und zu lösen.“

Auch Grundschulen überfordert – Elternräte bereiten Petition vor

Auch an den Grundschulen in Hannover und dem Umland brodelt es. Elternvertreter von rund 20 Grundschulen in der Region Hannover bereiten zurzeit eine Petition an den Landtag vor. Darin fordern sie mehr Förderschullehrer und zukünftig fünf statt zwei Stunden sonderpädagogische Betreuung pro Klasse. Außerdem sollen Schulen in sozialen Brennpunkten mehr Unterstützung bekommen.

Viele Schulen sind offenbar überfordert: Immer häufiger müssten Eltern ihre Kinder schon vormittags abholen, weil Lehrer mit stark störenden Dritt- oder Viertklässler überfordert seine, sagte der Vorsitzende des Schulausschusses, Adam Wolf (Piraten).

Von Saskia Döhner und Michael B. Berger

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